6) Babystation im Nest: Vom Ei zur Larve
Aus den abgelegten Eiern schlüpfen kurze Zeit später kleine Larven. Die Königin verfüttert jetzt ständig Blütenstaub, den sie in der Umgebung gesammelt hat.
Je nach Hummelart muss sie dazu das Wachspaket mit den Eiern öffnen und aus Vorräten Blütenstaub auf die Larven fallen lassen (Arten, die zu dieser Pollenversorgung greifen, heißen pollen-storer). Es gibt aber auch die Möglichkeit, den Blütenstaub von außen in kleinen Wachstaschen am Wachsklumpen zu befestigen. Die Larven fressen sich dann durch das Wachs zu den Taschen und nehmen dort den Pollen zu sich (pocket-makers).
Da die Größe der späteren Tiere direkt von der Pollenversorgung im Larvenalter abhängt, lässt sich anhand der Größe der Arbeiterinnen der Versorgungszustand des Staats abschätzen. Außerdem sind Rückschlüsse auf den Fütterungstypus möglich: Bei Erdhummeln (pollen-storer) sind alle Tiere aus einer Gemeinschaftszelle gleich groß, denn alle werden gleichmäßig gefüttert. Bei Ackerhummeln (pocket-maker) gibt es Tiere einer Gemeinschaftszelle, die unterschiedlich groß sind. Schließlich haben Larven in der Nähe der Wachstasche eine größere Chance, Pollen zu erhalten, als weiter entfernte, und werden deshalb größer.
Da alle Larven zu diesem Zeitpunkt zusammen, also nebeneinander liegen, spricht man von einer Puppenwiege. Bei Bienen erhält jedes Ei von Beginn an eine eigene Zelle. Da die Larven mit der Zeit wachsen, füllen sie dort die Zelle bald ganz aus. Bei Hummeln wird der Wachsklumpen einfach nur mit der Zeit größer und größer.
7) Von der Larve zur Puppe

Blick ins Nest einer Ackerhummel. Die Tiere haben in die Polsterwolle zusätzlich Moos zur Isolation gewoben. Man erkennt unten die braunen Wachszellen, die mit Nektar gefüllt sind. Auf sie wurden in Wachsklumpen (nicht mehr zu sehen) Eier abgelegt. Die Larven aus diesen Eiern (hier: sechs Stück) haben sich auf diesem Foto schon verpuppt und einen hellgelben Kokon gesponnen. Die im Nest befindlichen Arbeiterinnen haben das urspünglich umhüllende Wachs abgenagt, so dass der helle Kokon sichtbar wird (siehe die sechs Kokons rechts). Auf solchen Kokons wurden in einem Wachsklumpen mittlerweile erneut Eier abgelegt (dunkelbraun). Dies ist geschickt, denn die Puppen geben bei ihrer Metamorphose Wärme ab und bebrüten daher gleichzeitig die neuen Nachkommen. © Susanne Luft
Nach einer Woche beginnen sich die Larven zu verpuppen und sondern sich dazu ab. Jede Larve spinnt einen Kokon um sich herum, während das außen noch anhaftende Wachs abgenagt und für neue Wachszellen verwendet wird. Dadurch sieht man nun stabile, gelb-braune Tönnchen im Nest. Nach etwa drei Wochen schlüpfen fertige Hummeln aus den Puppen. Wie bei Schmetterlingen liegt also eine vollständige Metamorphose vor.
Die fertigen Hummeln sind so genannte Arbeiterinnen, also Weibchen, die aber verkümmerte Eierstöcke besitzen. Durch Pheromonabgaben der Königin bleiben die Eierstöcke unterentwickelt, so dass die Arbeiterinnen keine eigenen Eier legen (i. d. R.; bei Ausfall der Königin entwickeln sich die Eierstöcke allerdings und es werden unbefruchtete Eier gelegt, aus denen Drohnen schlüpfen). Die leeren Kokons der Larven werden später als Vorratsbehälter für Pollen und Nektar genutzt (Pollen und Nektar werden getrennt aufbewahrt).
8) Arbeitsteilung

Ein Ackerhummelvolk, das in einem Nistkasten lebt. Bei dem weißen Material handelt es sich um Einstreu, wie man sie auch in Mäusekäfigen verwendet und in jeder Drogerie kaufen kann. Die Königin (größer als die anderen Tiere, Bildmitte) hat sich etwas in die Streu eingegraben. Einige große Arbeiterinnen sind bereits geschlüpft und unterstützen die Königin. Bei den gelben Strukturen handelt es sich um Kokons, die von den Larven gespinnt wurden und in denen sich nun die Hummelpuppen befinden. Hier werden demnächst neue Hummeln schlüpfen.

Das gleiche Nest von vorhin, jetzt im Überblick. Susanne Luft hat es Anfang Juni 2005 aufgenommen (siehe nächstes Bild).

Nur drei Wochen später ist das Nest viel größer. Zahlreiche Kokons deuten auf viele neue Hummeln in den nächsten Tagen hin.
Sind genügend Arbeiterinnen geschlüpft, beschränkt sich die Königin voll auf das Eier legen, sie verlässt das Nest nun nicht mehr. Beispielsweise bei der Steinhummel ist dies spätestens ab Ende Mai der Fall. Die ersten Arbeiterinnen sind entsprechend dem geringeren Nahrungsangebot klein, später geschlüpfte sind besser ernährt und folglich größer.
In der folgenden Zeit legt die Königin weitere Eier, die geschlüpften Hummeln unterstützen die Königin bei den anfallenden Arbeiten immer mehr. Dadurch wächst der Staat immer weiter.
Bei Hummeln arbeiten prinzipiell alle für sich, es gibt keinen Futteraustausch, wie man es von Honigbienen her kennt. Trotzdem lassen sich vor allem zum Sommer hin, wenn das Volk seinen Höhepunkt erreicht, Hummeln unterscheiden, die verschiedene Aufgaben übernehmen. So kann man zwischen Sammel- und Stockdiensten unterscheiden, wobei diese in erster Linie nach der Körpergröße verteilt werden: Denn weil die großen Hummeln ihre Körpertemperatur leichter regulieren können (siehe Thermoregulation) als die kleinen Geschwister, können sie ausfliegen und Sammelaufgaben übernehmen. Die kleinen Hummeln bleiben im Nest und übernehmen Stockdienste.
Dort füttern sie die Larven mit Blütenstaub. Dazu fressen die Arbeiterinnen zuerst selbst den Pollen (das dauert etwa 2min) und geben ihn dann an die Larven ab. Fressen die Arbeiterinnen kürzer am Vorratsbehälter, nutzen sie den Pollen für sich selbst. Er dient dann der eigenen Proteinversorgung (Smeets & Duchateau 2003).
Im Vergleich mit anderen Bienen fällt aber auf, dass Hummeln beim Sammeln deutlicher zwischen dem Pollen- und Nektarsammeln unterscheiden, so dass man hier eine echte Arbeitsteilung findet (Müller et al., 1997).
9) Die Thronfolgerinnen schlüpfen
Im Sommer bringt die Königin nun auch unbefruchtete Eier zur Welt, aus denen sich Drohnen, also männliche Hummeln, entwickeln. Sie sind nur für die Befruchtung von Jungköniginnen da, die kurz nach ihnen schlüpfen. Jungköniginnen sind wie die Arbeiterinnen Weibchen, die aber im Gegensatz zu diesen entwickelte Eierstöcke haben und insgesamt größer sind.
Bei guter Versorgung können bis zu 120 Jungköniginnen (Angaben für die Dunkle Erdhummel, Bombus terrestris) schlüpfen, von denen allerdings nur ein kleiner Teil im Folgejahr ein neues Volk gründen wird.


[...] Hummelvolk [...]
[...] aus faulem Abwarten auf dem Hügel besteht, bis ein Weibchen vorbeigeflogen kommt und es zur Begattung kommt. Biologie der Hummeln, Hummelarten, Hummelschutz | begattung, biologie, drohn, [...]
Hallo!
Ich hätte eine Frage, vielleicht können Sie mir helfen.
Heute morgen war auf einmal eine große Hummel im Badezimmer. Nach Recherche im Internet gehe ich davon aus, dass das eine Königin ist, die in einem der Blumentöpfe überwintern wollte, die ich in unser kleines Bad gestellt habe.
Dort hatten wir bisher nicht geheizt, es war also eher kühl da drin. Aber die letzten Tage haben wir da jetzt doch die Heizung aufgedreht, das hat die Hummel wohl geweckt.
Als ich das alles herausgefunden hatte, habe ich die Heizung sofort wieder abgestellt und die Tür zugemacht, damit es kühl bleibt. Die Hummel ist wieder verschwunden.
Jetzt bin ich mir aber nicht sicher, ob ich die richtige Entscheidung gefällt habe. Vielleicht ist es für den ganzen Winter ja doch zu warm für die Hummel?
Soll ich sie auf den Balkon bringen? Oder ist es da schon zu kalt? Welche Temperatur sollte denn den Winter über herrschen?
Vielen Dank im Voraus!
Kirsten
Vielen Dank für Ihre große Umsicht. Ja, das dürfte ganz sicher eine Hummelkönigin auf Überwinterung gewesen sein.
Sind Sie sich sicher, dass die Hummel wieder “weg” ist? Normalerweise unterbrechen die diese Phase nicht, buddeln sich also nicht wieder ein. Wenn doch, dann wäre ein Plätzchen auf dem Balkon absolut geeignet, da ist es nicht zu kalt. Hummeln graben sich etwa 5 bis 10 cm tief ein, da herrschen dann Temperaturen um den Gefrierpunkt und knapp drunter.
[...] Lebensweise: Entwicklung der Hummeln im Hummelvolk [...]
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