Hummeln Umwelt-Online-Award in Gold 2002

Hummeln

Schwänzeltanz auch bei Hummeln?

2. Kommunikation

Im Nest selbst spielen Düfte noch eine ganz andere Rolle. So gibt die Königin beständig Düfte ab, die bei ihren Arbeiterinnen nicht folgenlos bleiben (Deshalb bezeichnet man die Düfte als Botenstoffe). Die Folgen liegen darin, dass die Eierstöcke der Arbeiterinnen unterentwickelt bleiben. Selbst bei Jungköniginnen, die der Königin ausgesetzt sind, reifen die Eierstöcke erst im nächsten Frühjahr an. So entwickeln sie erst später einen Fortpflanzungstrieb und sammeln stattdessen Nektar und Pollen.

Chemische Botenstoffe sorgen auch für die Entscheidung, ob aus einer Larve eine Jungkönigin oder eine Arbeiterin entsteht. Bei der Dunklen Erdhummel gibt die Königin dazu dem Larvenfutter in den ersten 3-4 Tagen einen Stoff zu, der die Entwicklung von Königinnen verhindert. Es entstehen Arbeiterinnen. Wird die Königin älter, produziert sie allerdings diesen Stoff nicht mehr und Jungköniginnen entstehen. Bei der Baumhummel ist es anders: Wird den Larven in den ersten Tagen ein besonderer Stoff gegeben, entwickeln sich Königinnen, fehlt er, entstehen Arbeiterinnen.

Die Orientierung im Dunkeln verläuft offensichtlich autark, die Tiere geben sich gegenseitig keine Hinweise, wie man es von Bienen mit dem Schwänzeltanz (siehe oben) kennt. Dennoch lassen sich im Nest Geräusche ausmachen, deren Bedeutung nicht bekannt ist. Sie lassen sich von bestimmten Flügelgeräuschen unterscheiden, die der Abwehr, d.h. der Abschreckung von Wirbeltieren dienen.

Daneben konnte einer Mitarbeiterin des Hummelforschers Chittka, Anna Dornhaus, eine interessante Beobachtung machen (Dornhaus & Chittka 1999). Sie sah Sammlerinnen, die in ihr Nest zurückkehrten und sich dort anders als die übrigen Nestgenossen verhielten. Das Schauspiel dauerte im Durchschnitt 105 Sekunden (etwa 3 Minuten bestätigte Schäffler et al., 2001), mindestens aber 13 Sekunden, maximal 10 Minuten.

Die Forscherin hatte eine Hummel ausgiebig Nektar an einer Blüte aufnehmen lassen und beobachtete unter Glas die zurückkehrende Hummel. Diese war völlig aufgeregt und entleerte nicht sofort ihren Honigmagen (was effizient wäre), sondern rannte aufgeregt über die Wände und Zellen des Nests. Manchmal verließ sie sogar kurz das Nest, um dann erneut ihren chaotischen „Tanz“ aufzuführen. Ein im Nest wartendes Tier bewegte sich der Forscherin zufolge 0,4 cm/s. Ist eine solche hektische und erfolgreiche Sammlerin anwesend sind es bereits 1,18 cm/s, während sich die Sammlerin selbst mehr als doppelt so schnell bewegte (2,83 cm/s). Dieses Verhalten war also ziemlich auffällig und verwunderte insofern, dass die Sammlerin viel länger im Nest blieb als für die Abgabe des Nektars nötig gewesen wäre. Letzteres geht sehr schnell, die meiste Zeit beschäftigte sich die Sammlerin mit dem hektischen Rennen.

Eigenartig waren auch die Bewegungen, denn sie ließen keine Ordnung erkennen. Die Acht, wie sie vom Bienentanz bekannt ist, war nicht auszumachen. Insgesamt erschien das Getrappel eher chaotisch. Außerdem folgte keine andere Hummel dem Tanz, wie man es von Bienenvölkern her kennt. Die übrigen im Nest anwesenden Tiere machten keine Anstalten, den Tanz zu übernehmen.




Doch sie waren alle an dem mitgebrachten Nektar interessiert. Kaum hatte die erfolgreiche Sammlerin ihren Honigmagen entleert, kosteten die übrigen Tiere davon. Und tatsächlich: Zahlreiche Sammlerinnen, die im Nest waren, flogen daraufhin aus und suchten nach Nahrung (Abbildung 4). Waren es vorher 0 – 20 Hummeln, die in einer fünf Minuten dauernden Messung ausflogen, waren es nach der Rückkehr der Sammlerin 15 – 75 Tiere. Den Aktivitätsanstieg konnten später auch andere Forscher beobachten (Schäffler et al. 2001).

Um zu beweisen, dass der chaotische Tanz die Ursache für das Ausfliegen der Tiere war, träufelte die Forscherin selbst Nektar in die Honigtöpfchen. Die Reaktion der übrigen Tiere war nun wesentlich schwächer.

Dornhaus vermutete, dass der „Tanz“ keine Informationen wie der Schwänzeltanz der Bienen mitteilt, sondern eher zum Verteilen diverser Duftstoffe dient. Diese Überlegung konnte einige Jahre später auch bewiesen werden (s. u.). Das aufgeregte Herumrennen fördert die Verteilung eines Pheromons der Hummel ebenso wie Duftstoffe der Pflanze, die dem Tier noch am Körper durch den Besuch der Blüte anhängen. Tatsächlich besuchten die ausfliegenden Hummeln nur diejenigen Blüten, deren Duft sie vorher von der Sammlerin wahrgenommen hatten. Hatte die Sammlerin vorher an Nelken gesammelt und konnten die ausfliegenden Tiere zwischen einer Nelken-, Anis- und Pfefferminzblüte wählen, entschieden sich 80% für die Nelke.

Um die Theorie zu beweisen, führte Dornhaus zwei Experimente durch. Zwei Nester (Dornhaus & Chittka 2001), die sich unmittelbar nebeneinander befanden, trennte sie nur durch eine Art Polsterwolle. Die erfolgreiche Sammlerin kehrte in ihr Heimatvolk zurück und führte das besondere Verhalten auf. Tatsächlich flogen diesmal die eigenen Artgenossen desselben Volks, aber eben auch die des Nachbarvolks aus. Letztere flogen aus, obwohl sie den „Tanz“ gar nicht sehen konnten und den Nektar auch nicht probieren konnten.

Damit war klar, dass der Tanz nicht die wichtigste Rolle spielte. So trennte die Forscherin die beiden Nester in einem letzten Versuch mit einer Glasplatte. Diese schloss dicht ab und ließ keinen Kontakt (und keinen Luftaustausch) zu. Diesmal flogen nur die Tiere des eigenen Volks aus.

So lässt sich vermuten, dass es erneut auch hier einen chemischen Botenstoff geben muss, der die Reaktion bei den übrigen Tieren auslöste. Dieser wäre im ersten Versuch auch ins Nachbarnest diffundiert, so dass die Tiere dort die Reaktion zeigen konnten. Im zweiten Fall konnte der Duftstoff das Nachbarnest nicht erreichen, weil die Glasplatte den Luftaustausch verhinderte. Die Tiere im Nachbarnest rochen nichts und blieben folglich im Nest. Durch das aufgeregte Verhalten des Tieres könnte der Duftstoff besser im Nest verteilt werden.

In einem zweiten Experiment (Dornhaus et al., 2003) verband sie zwei ansonsten voneinander isolierte Nester mit einem Schlauch und einer Pumpe, die andauernd Luft vom einen zum anderen Nest brachte. Im Empfängernest stieg kurz die Aktivität, kehrte dann aber schnell auf den Ausgangswert zurück. Gab die Forscherin einen Drüsenextrakt (Lösung in Hexan) dazu, stieg die Aktivität, gemessen als Zahl der Tiere, die in fünf Minuten das Nest verlassen, deutlich von 10,4 Hummeln / 5 min auf 24,3 Hummeln / 5 min an. Dabei waren die Extrakte der Tergite VI und VII besonders wirksam (Bild links). Dies ist der Bereich, in dem sich bei Bienen die Nasonov-Drüse befindet, mit der Bienen Duftstoffe produzieren.

Im Jahr 2005 konnten drei Substanzen identifiziert werden (Granero et al., 2005), deren Konzentration plötzlich nach der Rückkehr einer Sammlerin im Nest stark ansteigt. Es handelt sich um Eucalyptol, Ocimene und E,E-Farnesol. Alle drei Stoffe lösten im Test die Aktivitätssteigerung aus, alle drei Stoffe fanden sich in den Drüsen der Tergite der Hummeln.

Damit ist klar, dass die zurückkehrende Sammlerin drei Duftstoffe durch das Herumlaufen im Nest verteilt. Sie alarmiert dadurch die anderen Tiere, die sich außerdem auch den Geruch der Sammlerin merken und dadurch die Pflanze wieder finden. Die Alarmstoffe werden auf dem Rücken produziert. Da Farnesol auch bei Bienen in der Nasanov-Drüse produziert wird, kann man annehmen, dass die beiden Drüsen der Biene und der Hummel homolog zueinander sind, auch wenn ihre Funktion unterschiedlich ist.

Während nämlich die Bienen mit den Duftstoffen (Terpene) die Blüten markieren, produzieren Hummeln Duftstoffe (Monoterpene und Sesquiterpene), um andere Artgenossen zum Sammeln zu animieren. Hummeln informieren also nicht über den Ort der Futterquelle, sondern über ihre augenblickliche Verfügbarkeit und den Duft des Futters. Dadurch wird verhindert, dass alle Arbeiterinnen ausfliegen, wenn die Bedingungen gar nicht optimal sind.

Die beiden unterschiedlichen Kommunikationsweisen basieren auf der unterschiedlichen Evolution der beiden Insekten. Der Bienentanz hat laut Dornhaus (1999) seinen Ursprung im tropischen Klima. Hier treten die Futterquellen gruppiert auf, so dass man viel Nahrung an einem Fleck finden kann. Hummeln der temperaten Zonen müssen Futterquellen nutzen, die nicht gruppiert, sondern verstreut sind. Die Kommunikation über den Standort jeder Pflanze erscheint hier nicht effizient. Selbst Honigbienen verwenden bis zu 1 Stunde darauf, die Informationen einer Futterquelle zu analysieren und sich für eine Richtung zu entscheiden. Dies lohnt sich für Hummeln nicht, weshalb diese keinen Schwänzeltanz haben.

3. Quelle / Literatur

  • van Bebber C, 2005. Der Einsatz von Hummeln im Gewächshaus führt durch biologische und chemische Anpassungen zu hervorragender Bestäubung. http://aktion-hummelschutz.de/fakten/bestaeubung.html
  • Cameron S A, 1981. Chemical signals in bumble bee foraging. Behav Ecol Sociobiol (1981) 9: 257 – 260.
  • Chittka L, Williams NM, Rasmussen H, Thomson JD, 1999. Navigation without vision: bumblebee orientation in complete darkness. Proc. R. Soc. Lond. B (1999), 266, 45 – 50.
  • Dornhaus A, Chittka L, 1999. Evolutionary origins of bee dances. Nature, Vol. 40, September 1999, S. 38.
  • Dornhaus A, Chittka L, 2001. Food alert in bumblebees (Bombus terrestris): possible mechanisms and evolutionary implications. Behav Ecol Sociobiol 50, 570 – 576, 2001
  • Dornhaus A, Brockmann A, Chittka L, 2003. Bumble bees alert to food with pheromone from tergal gland. J comp physiol A, 189, 47 – 51, 2003.
  • Granero AM, Sanz JMG, Gonzalez FJE, Vidal JLM, Dornhaus A, Ghani J, Serrano AR, Chittka L, 2005. Chemical compounds of the foraging recruitment pheromone in bumblebees. Naturwissenschaften, 92, 371 – 374, 2005.
  • Heinrich B, 1979. Der Hummelstaat.
  • Kirchner WH, 2004. Mit Bienen im Gespräch. http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_04/pdf/beitrag1.pdf. 23.07.2005
  • Klahre U, Gurba A, Hermann K, Saxenhofer M, Bossolini E, Guerin PM, Kuhlemeier C, 2011. Pollinator Choice in Petunia Depends on Two Major Genetic Loci for Floral Scent Production. Current Biology doi:10.1016/j.cub.2011.03.059
  • Leadbeater E, Chittka L, 2005. A new mode of information transfer in foraging bumblebees? Current Biology 15, R447 – R448.
  • Schäffler L, KellermannT, Kaiser C, 2001. Sammelstrategien von Hummeln.
  • Schmitt U, Lübke G, Francke W, 1991. Tarsal secretion marks food sources in bumblebees (Hymenoptera: Apidae). Chemoecology 2, 35 – 40, 1991.

Seiten: Seite 1 Seite 2


War der Artikel nützlich?
Schwänzeltanz auch bei Hummeln?:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
3,00 von 5 (7 Stimmen).

Autor: Cornel van Bebber | Datum: 23. April 2011 - 14:24 Uhr | Update: 14. April 2016 - 18:30 Uhr | Kommentare: 6

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
Zeige alle Beiträge von Cornel van Bebber » »  
Holen Sie sich meinen kostenlosen Newsletter




Bonus-Material:
»Die 8 häufigsten Irrtümer über Hummeln« (pdf)
    Neues aus Hummel-Forschung & -Alltag.
    Ergebnisse wissenschaftlicher Studien.
    Neuigkeiten vor allen anderen erfahren.
    Kostenlos. Werbefrei. Jederzeit kündbar, ohne eine Frist einzuhalten.







6 Kommentare

  1. Thomas | | Link zum Kommentar

    Hallo,
    ich habe diese Seite auf der Suche nach Informationen über die Verhaltensweise von Hummeln gefunden. Die vielen, interessanten Informationen konnten mir nur einen Teil meiner Beobachtungen erklären, darum ein kleiner Bericht, was mein 4-jähriger Sohn und ich mit Hummeln erlebten:

    Ich saniere nun schon seit geraumer Zeit eine alte Villa, die leider keine Grundstückszufahrt hat. Dadurch bekomme ich keinen Container aufs Grundstück. So blieb mir jahrelang nichts weiter übrig, als den gesamten Schutt von meiner Entkernung incl. den alten Dachziegeln nach hinten auf den Hof zu kippen. Alleine hätte ich es auch niemals geschafft, alles in Eimern gleich an den späteren Bestimmungsort (Unterbau für Wege und Terrasse) zu befördern.

    Ohne es zu ahnen, baute ich dadurch ein Paradies für Schmetterlinge, Hornissen, Gartenmäuse und eben auch Hummeln. Inzwischen liegen dort geschätzte vierzig Kubikmeter bis zu 3 Meter hoch. Der Bewuchs aus Disteln, Klee, Dornenpflanzen und einem Haselnussstrauch wurde regelmäßig von den Bewohnern und Gästen besucht.

    Inzwischen ist der Baufortschritt aber so weit, dass der unmittelbare an die Häuserwand reichende Schuttberg nur noch stört. Auch soll dort ein kleiner Spielplatz für meinen Sohn und seine Freunde entstehen, so lange er noch auf Spielplätzen spielt. Also begannen wir mit der unmenschlichen Arbeit, den gewaltigen Berg von Hand – da auch kein Bagger aufs Grundstück gelangen kann – mit Eimern und Schubkarre abzutragen. Ich grub zuerst die Hänge zum Haus hin ab, damit die Wände endlich wieder frei werden. Den Bewuchs senste und harkte ich vorher ab. Einige irritierte Gäste, wie die abendlich in Trupps einfallenden Pfauenaugen, flatterten um den kahlen Berg herum, wo nun kein Nektar mehr zu saugen war. Mein schlechtes Gewissen hielt sich jedoch in Grenzen, weil hinter dem Haus knapp 3.000 m² komplett verwildertes Land beginnen, das genügend Ausweichmöglichkeiten bieten dürfte. Davon werde ich auch nur einen Teil „kultivieren“ durch Anlage von verschlungenen Wegen, Treppchen zur Überwindung der Höhenunterschiede und ein paar Schneisen ums Haus, um die Mückenplage etwas fernzuhalten.

    Mein Kleiner, der mit seiner Plasteschippe auf dem Berg unterwegs war, bemerkte ein paar Hummeln, die ständig um uns herumsummten. Als ich in einer Ecke unten an der Hauswand graben wollte, sah ich die Hummeln dort unter dem Schutt verschwinden. Alle halbe Minute flog eine Hummel hinein oder hinaus. Ich schlug mit der Spitzhacke auf eine Betonmasse ein, die genau an die Einfluglöcher grenzte. Nach ein paar Schlägen kamen ein Dutzend Hummeln herausgeflogen. Ich ging ein paar Schritte zur Seite und schickte meinen Sohn auf Sicherheitsabstand, da ich offenbar Alarm in einem Hummelnest ausgelöst hatte. Bei den Hummeln war vermutlich wegen meiner Spitzhackenattacke der „Putz“ von der Decke gefallen. Sie beruhigten sich jedoch sehr schnell wieder und griffen uns auch nicht an.
    Ich zog nun unter Anstrengungen den Betonklumpen weiter vom vermuteten Bau weg, um ihn dort zu zerlegen. Diesmal kamen nur ein paar „Kundschafter“, um mich genauestens zu inspizieren: sie flogen von oben nach unten um mich herum und krabbelten auf meine grüne Arbeitskluft. Da ich ihnen nichts tat und dem Kleinen nur zeigte, wie interessiert die Hummeln an seinem Papa waren, starteten sie wieder und flogen ins Nest zurück „Dort werden sie berichten, dass es keine Gefahr gibt.“ , meinte ich optimistisch. Den ganzen Tag über herrschte neben mir reger Flugbetrieb, während ich den Schutt ringsherum wegschippte. Die „Kundschafter“ behielten mich im Auge.

    Am nächsten Morgen um 06:30 Uhr bemerkte ich zum ersten Mal ein ungeheures Gesumme in der Hausecke. Anscheinend waren die Hummeln Frühaufsteher. Zum Glück waren sie nicht im Haus, sondern nur von außen an der Kellerwand. Allerdings sollte heute unsere friedliche Koexistenz empfindlich gestört werden. Ich musste nun damit beginnen, östlich vom Bau abzugraben, während ich gestern nördlich arbeitete. Der Abstand zum Bau war jedoch wesentlich größer, statt einem Meter drei bis zehn Meter. Die Hummeln flogen ausgerechnet die frisch abgegrabenen Stellen an und krochen in jedes mikroskopische Loch hinein. Oft genug wurden sie dabei verschüttet, weil der gelockerte Abraum nachrutschte. Dann summte die verschüttete Hummel in hohen Tönen und befreite sich schnell. Als ich damit begann, komplett verfaulte Bretter aus dem Schutt herauszulösen, klammerten sich die Hummeln an das Holz, als ob sie es festhalten wollten. Ich verstand das nicht, denn ich war doch wesentlich weiter vom Nest entfernt, als gestern und konnte doch keine größere Gefahr darstellen. Sogar in den Eimern, in die ich den Schutt zum Transport hineinschippte, sammelten sich die Hummeln und krabbelten intensiv darin herum. Mein Kleiner spielte ganz oben mit seinem Bagger auf dem Berg, so dass er nicht behelligt wurde. Aber als ich es wagte, auch noch Holz und Eimer wegzuschleppen, waren die Hummeln in höchster Not. Nach einem stechenden Schmerz an der Innenseite eines Oberschenkels schlug ich instinktiv zu und eine Hummel fiel zappelnd auf den Boden. „Was soll denn das bedeuten?“, fragte ich. Ab sofort wurde zurückgeschlagen. Ich pongte die anfliegenden Hummeln mit dem Spaten zurück, hob die herabgefallenen Insekten vorsichtig damit hoch und warf sie zu ihrem Nesteingang: „Berichtet, dass ab sofort zurückgeschossen wird!“ Ich erklärte meinem Sohn, dem ich immer verbiete, Ameisen und Käfer zu zertreten, dass ich mich wehren musste und die Hummeln nicht ernsthaft verletze. Wir respektieren ihr Nest, aber der Schuttberg ist unserer. Mit Kopfschmerzen konnten diese nun im Bau Bericht erstatten, dass die grüne Arbeitskluft zwar nicht beissen und stechen, aber schlagen kann. Für eine geraume Zeit war Ruhe und der Flugverkehr eingestellt. Dann flogen wieder die beiden „Kundschafter“ aus. Ich ließ sie in Ruhe, um abzuwarten, was passieren würde. Kaum hatten diese gemeldet „Luft ist rein-der tut nix mehr“, ging es wieder los: ein Gefliege und Gekrabbel in Eimern und in der Grabungszone. Wieder schlug ich zurück, erneut blieb es bis zum Erscheinen der „Kundschafter“ ruhig. Diesmal pongte ich die „Kundschafter“ zurück ins Nest und verhinderte damit eine erneute Invasion. Natürlich kamen sie alle 20 Minuten zurück und das „Spiel“ begann von vorne. Nach unserer Vesperpause musste ich den Schuttberg regelrecht zurückerobern.

    Ich kann mir überhaupt nicht erklären, warum die Hummeln in Nestnähe friedlich, dann entfernt aber aggressiv wurden. Es gab keinen Bewuchs mehr im Schutt, der ein potentielles Nektarziel darstellen konnte, auch keine weiteren Nester. Wie ich gelesen habe, legen die Hummeln ihre Vorräte im Bau an. Meine Vermutung wäre sonst, dass es eine Art „externe Lager“ gäbe, aber ich sah nichts Dergleichen. Vielleicht weiß ein Fachmann, dieses Verhalten der Hummeln zu erklären.

    Im Herbst, wenn das Nest verlassen ist, will ich es für meinen Kleinen ausbuddeln und hoffe, ihm Nektarvorräte und Vorratskammern zeigen zu können.

    Summende Grüße vom Schuttberg!

    Antworten
     
    • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

      Ich vermute mal, dass Sie an dem ersten Tag gar nicht in Nestnähe waren. Da mag ein Eingang gewesen sein, aber manche Arten haben bis zum Nest noch einen Laufgang von etwas mehr als 1m. Vielleicht waren Sie also am nächsten Tag viel näher dran. Wissen Sie schon, was für eine Art das war?

      Antworten
       
      • Thomas | | Link zum Kommentar

        Nach meinen laienhaften Bestimmungsversuchen unter Zuhilfenahme des webs würde ich auf die Erdhummel (Bombus terrestris) tippen. „Unsere“ Hummeln sind aber bedeutend dicker, als die im web abgebildeten (der Schlankheitswahn :-)

        Haben Sie auch eine Idee, weshalb die Tierchen sich so sehr an den Schutt und das Holz klammern? Da kann doch gar kein Nektar dran sein. Das faulige Holz hab ich tief aus dem Schutt herausgearbeitet, ca. 10 m weit weg vom Einflugloch.
        Können Sie meine Theorie mit den „Kundschaftern“ bestätigen? Wie verständigen sich die Hummeln über Gefahren, die sie außerhalb des Nests entdeckt haben?

        Antworten
         
        • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

          Die dicken Hummeln sind alles neue Königinnen (oder sehr gut genährte Arbeiterinnen). Von ihnen werden im Schnitt 3-8% im nächsten Jahr erfolgreich ein neues Volk gründen.

          Von B. terrestris weiß man, dass sie unter optimalen Bedingungen große Staaten bildet und diese auch rabiat verteidigt. Es gibt aber keine Kommunikation bei Hummeln dahingehend, dass diese sich über Gefahren austauschen. Kommt es zu einer Störung, sind alle Hummeln in Alarmbereitschaft und bereit zu sterben.

          Das Holz könnte entweder als Störungsquelle erkannt worden sein (Beißen ins weiche Holz, eher ein Missverständnis), oder aber es steckte im Nest und hat daher auch den Geruch des Nests. Da die geringe Kommunikation über chemische Botenstoffe läuft, reicht das für eine Orientierung zum Holz hin aus.

          Dass es 10m Abstand waren bedeutet, dass meine Theorie nicht stimmt. So lange Gänge nutzen Hummeln nicht. Vielleicht waren es ja sogar zwei unterschiedliche Nester. Dafür spricht die Entfernung und das unterschiedliche Verhalten. Bei Hummeln ist das Verteidigungsverhalten auch von der Art abhängig, vielleicht war das erste Nest ja von einer anderen Art?

          Antworten
           
  2. Tine Peters | | Link zum Kommentar

    Tatsächlich besuchten die ausfliegenden Hummeln nur diejenigen Blüten, deren Duft sie vorher von der Sammlerin wahrgenommen hatten.

    Interessante Wahrnehmung. Bezieht es sich hierbei auf präzise Blüten, die geortet werden oder auf die Blumenart?

    Antworten
     

Pings:

Einen Kommentar abgeben





(wird nicht öffentlich)



Suchen Sie Neuigkeiten? Hier finden Sie die News...



© van Bebber, Cornel | Kontakt & Impressum. Hummeln: Aktion-Hummelschutz.
Diese Seite ist nicht nur urheberrechtlich geschützt, sondern auch mit einigen Kosten und Mühen erstellt worden. Sei fair und kopiere keine Teile dieser Seite. Nachdruck und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung. Trotzdem kann man Inhalte unter bestimmten Bedingungen legal nutzen: Urheberrecht, Haftungsauschluss und Datenschutz. Icons via Font Awesome by Dave Gandy - http://fontawesome.io