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Hummeln

Gastbeitrag: Kuckuckshummel, wer bist du?

Der folgende Artikel ist von Petra Steinsiek, die das Blog Tierische Geschichten betreibt. Dort hat sie den folgenden Artikel veröffentlicht, der sich um eine schwierige Artbestimmung dreht.
Die Veröffentlichung von Gastbeiträgen finde ich sehr wichtig und werde das auch in Zukunft machen. Sollten Sie, liebe Leserin / lieber Leser auch einen eigenen Text beisteuern möchten, wenden Sie sich an mich.

 

Ach Natur, was hast du dir denn dabei gedacht? Sind für mich Unwissende nicht schon die vielen Arten der “echten” Hummeln ein Buch mit sieben Siegeln? Doch, eine dunkle Erdhummel kann ich inzwischen identifizieren. Eine Ackerhummel? Geht auch noch. Und schon sind alle anderen Hummeln unbekannte Flugobjekte. Und du schickst mir dieses Exemplar vorbei. Eine Kuckuckshummel!

Die Kuckuckshummel (?).
Foto Petra Steinsiek

Gestern Abend in meinem Wohnzimmer. Vor der Terrassentür liegt etwas im Teppich. Fast wäre ich draufgetreten. Große Erleichterung – doch nicht! Denn: Es ist eine Hummel. Das kann ich auf den ersten Blick einwandfrei erkennen. Auch, dass das in diesem Moment unbekannte Exemplar irgendwie ziemlich schwach wirkt. Also hole ich ein Stück Papier und hebe die Hummel vorsichtig vom Teppich auf und setze Papier mit Hummel auf die Fensterbank. Auch dort macht die Hummel keine wirklichen Bewegungen. Also sprinte ich die Treppe herunter und hole aus dem Garten Lungenkraut. Und halte die Blüten der unbekannten Hummel vor den Rüssel (der allerdings noch eingefahren ist).Auch dieser Versuch bringt nicht wirklich Leben in das pelzige Insekt. Da ich keine entsprechende Zuckerlösung zur Hand habe, hole ich etwas Honig und gebe ihn auf ein Stück Pappe. Ich hoffe, ein Notfall rechtfertigt dies. Die Hummel war jedenfalls schwer begeistert. Sofort wurde sie lebendig, fuhr den Rüssel aus – und schlemmte. Minutenlang. Und nach dieser Stärkung waren auch die Blüten des Lungenkrauts interessant für sie. Da die Hummel nun deutliche Vitalzeichen zeigte, schnappte ich mir die Blüte, in die sie gerade ihren Kopf steckte und brachte sie vor die Haustür. Kaum draußen, streckte sie die Flügel aus und schwirrte davon.

Hilfreiche Foren

Und ich wollte wissen, wer sie war. Sie sah anders aus als alle Hummeln, die ich bisher gesehen habe. So hatte sie nur eine gelbe Binde. Also habe ich die grandiose Bestimmungshilfe von Cornel van Bebber aufgesucht. Aber dort habe ich meine Hummel auch nicht gefunden. Aber für Hilfesuchende wie mich gibt es dort auch ein tolles Forum. Und kurze Zeit später bekam ich Antwort und eine Vermutung: eine Kuckuckshummel. Und gleich zwei Kandidaten stehen zur Auswahl. Entweder eine bombus bohemicus oder eine bombus vestalis.

Kuckuckshummel? Und wieder hilft das Internet. Laut wikipedia sind diese Exemplare Sozialschmarotzer. Sie bauen keine eigenen Staaten auf, sondern leben als Brutschmarotzer bei anderen Hummelarten. Und sehen deshalb ihren Wirten oft sehr ähnlich. Anders als andere Hummelweibchen haben die Kuckuckshummeln keine Pollensammelbürsten an den Beinen. Sie fliegen die Blüten ausschließlich zur Eigenversorgung an.

Putzige Namen haben diese Kuckuckshummeln. Angebundene Kuckuckshummel (bombus bohemicus) oder Keusche Kuckuckshummel (bombus vestalis). Im Falle “meiner” Kuckuckshummel tendiert der hilfreiche User StefanR vom Hummel-Forum zur bombus bohemicus. Ganz sicher zu unterscheiden sind bombus bohemicus und bombus vestalis anhand der Länge des 3. und 5. Fühlergliedes.

Wer es genau wissen will: Bei bombus bohemicus: 3. FG länger als 5. FG. Bei bombus vestalis: 3. FG so lang wie 5. FG. Danke StefanR! Vielleicht schaut diese Kuckuckshummel noch einmal bei mir vorbei. Dann werde ich ihre Fühlerglieder genauer ins fotografische Visier nehmen.

Nachtrag

Ach Natur, es geht doch noch komplizierter? Laut Experten vom Hummel-Forum wächst die Liste der möglichen Kandidaten. “Meine” Kuckuckshummel könnte auch eine bombus sylvestris, norvegicus oder flavidus sein: Wald-Kuckuckshummel, Norwegische Kuckuckshummel oder Gelbe Alpenkuckuckshummel hört sich auch schön an.

Alle hier erwähnten Kandidaten unterscheiden sich beispielsweise in der Form ihres Hinterleibsendes. Aha! Also Natur, du hast dir wirklich große Mühe gegeben, deine Hummeln sehr individuell auszustatten. Spontan entsteht bei mir die Idee: “Wie wäre es, wenn du ihnen noch ein kleines Fähnchen mit auf den Flug gibst? Da könnte draufstehen: “Ich bin eine Keusche Kuckuckshummel”. Oder: “Ich bin eine Gartenhummel”. Wenn das für dich zu wenig wissenschaftlich ist, akzeptiere ich auch diesen Text: “Ich bin eine bombus vestalis” oder “Ich bin eine bombus hortorum”.

Bis dahin bleibt die Frage: Kuckuckshummel, wer bist du?

Petra schrieb mir später noch von ihren Zweifeln: „Hinterher – als ich dann wusste, was sie ist, habe ich überlegt: Ist es denn überhaupt richtig gewesen, so einem „Parasiten“ behilflich zu sein? Letztlich schaden sie doch den „echten“ Hummeln, oder? Obwohl, dann stellt sich wahrscheinlich sowieso die Frage, sollten wir in die Natur eingreifen?“ Was meinen Sie?


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Autor: Gastautor | Datum: 26. Mai 2013 - 01:42 Uhr | Update: 28. Oktober 2013 - 18:46 Uhr | Kategorie: Hummelarten | Schlüsselwörter: , , , , | Kommentare: 2

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2 Kommentare

  1. Enaira | | Link zum Kommentar

    Der Gastbeitrag gefällt mir. Die Frage, ob es richtig war, die Hummel – auch wenn es sich um eine parisitäre Art handelt – kann ich nur mit Ja beantworten. Jedes Tier hat in der Natur seine Berechtigung. Leider teilt der Mensch die Dinge nur nach die für ihn geltende Nützlichkeit ein. Vielleicht sollte er sich die Frage nach der Nützlichkeit mal selbst stellen,aber das ist ein anderes Thema. Nützlich fand ich den Tipp mit dem Honig. Gruß Enaira

    Antworten
     
  2. Heide | | Link zum Kommentar

    Zur Frage nach dem „positiven Wert“ einer Hilfeleistung, die Kuckuckshummeln unterstützt, würde ich meinen, dass unsere menschliche Spontanreaktion auf „Parasitäres“ im Falle der Hummeln irrational ist, denn erstens leben wir selbst in der Natur in gewisser Weise parasitär, in dem wir mehr in ausbeuterischer Weise nehmen, aber kaum etwas geben, in unserem menschlichen Interesse sind zudem mittlerweile alle Hummeln, die sich an Bestäubungsvorgängen beteiligen, positive Erscheinungen.
    Ich finde, moralische Überlegungen in dem Zusammenhang ähnlich seltsam, wie die, ob Mücken „ein Recht auf Leben“ hätten oder nicht, da sie ihre blutsaugerischen Instinkte auch an der Menschheit ausleben. Wer Schwalben haben will, muss mit Mücken leben, wer Samen und Früchte will, mit jeder Art Insekt, das dafür sorgt. Als Nutzniesser sollte man jedem gegenüber dankbar sein.
    Danke für die interessante Fragestellung, die unbedingt mehr bedacht werden sollte.
    Freundliche Grüße.

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