Hummeln Umwelt-Online-Award in Gold 2002

Hummeln

Hummelhaus, Bauanleitung Hummelkasten

Nistkasten Hummel / Hummelburg

Einen Hummelnistkasten baut man im Winter, damit ab dem Frühjahr die Hummeln einziehen. Dabei muss man ihnen eine Art Nest bauen. Aber wie baut man einen Hummelkasten? Hier stelle ich einen Bauplan für ein Hummelhotel vor. Also: Hummeln züchten? Geht das? Ja, Hummeln kann man in einem Nistkasten ansiedeln!

Es gibt verschiedene Varianten. Unten lesen Sie von der Holz-Variante zum Selbstbau, hier finden Sie eine einfache Nisthilfe, die man auch mit Kindern für wenig Geld bauen kann. Außerdem gibt es noch die Holzbeton-Variante.

BauplanNistkasten bauen
MaterialBauenVorbau & Hummelklappe & Wachsmotten
Aufstellung des Kastens
Ansiedlung
SelbstbesiedlungEinsetzenHäufige Fehler
Galerie

Bauplan: Material

  • Platten: Aus dem Baumarkt. Verwenden Sie Sperrholz oder Multiplex-Platten, Dicke bis zu 20mm.
    Sie können sich die Platten häufig im Baumarkt schon zurecht schneiden lassen:

    • 4 x eine quadratische Platte mit den Kantenlängen 30cm (bis zu 40cm, also z.B. 400mm x 400mm.In den Beispiel und den Skizzen wird mit der max. Größe gearbeitet. Es reicht aber auch jeweils 10cm kleiner, also 300mm x 300mm). Eine Platte wird die Vorderseite, eine die Rückwand und zwei die Seiten.
      Skizze Platten
    • Bodenplatte: ein Rechteck. Maße: Hier rechnen Sie kurz, damit der Kasten besser passt: Verdoppeln Sie die Dicke der Platten und ziehen Sie das Ergebnis von „Ihrer“ jeweiligen Kantenlänge ab. Beispiel: Sie kaufen Sperrholzplatten mit einer Dicke von 15mm. 15 x 2 = 30. 400 – 30 = 370. Sie brauchen dann eine Bodenplatte mit den Maßen 400mm x 370mm.
      Skizze Boden
    • Dach: Das Dach muss für den Regenschutz an allen Seiten überstehen. Maße: 500mm x 550mm
      Skizze Dach
  • Pappkarton, z.B. von der Arbeit den Karton mitbringen, in dem das Kopierpapier geliefert wird. Maße etwa 200mm x 200mm x 200mm
  • Pappröhre, z.B. von einer leeren Rolle Klarsichtfolie, Alufolie etc. In der Mitte halbieren.
  • Kleintierstreu (Drogerie) / Sägespäne
  • Polsterwolle (In den gelben Seiten nach Polstereien suchen) oder Kapok
  • Lack o. ä. zum Imprägnieren des Holz
  • Gaze oder Pfannen-Spritzschutz aus Metall (Spritzschutz gibt es oft in „99 Cent-Läden“)
  • Optional: schmale Holzreste / Holzriemchen zum Fixieren des Dachs
  • Optional: Dachpappe (oder gut imprägniertes Holz)
  • Optional: Material für das Flugbrett.
  • Schrauben und entsprechende Werkzeuge

Bauplan: Der Aufbau

  • Bohren Sie in die Vorderwand ein Loch für den Eingangskanal. Das Loch soll einen Durchmesser von 1,8 bis (besser) 2,5cm haben. Setzen Sie das Loch etwas unterhalb der Mitte an:
    Skizze Dach
  • Bohren Sie jeweils zwei bis drei Entlüftungslöcher in die beiden Seitenteile. Die Löcher haben einen Durchmesser von 3 bis 4cm. Zerschneiden Sie den Draht-Spritzschutz in Quadrate (alternativ: Gaze), die Sie auf die Löcher kleben. So ist gleichzeitig die Klimaregulierung gewährleistet, andererseits kommen keine Parasiten herein.
    Skizze Dach



  • Schrauben Sie die Seitenwände, Boden, Rückenwand und Vorderseite zusammen.
  • Optional: Kleben / schrauben Sie die Holzriemchen auf das Dach, so dass es nach hinten und zu beiden Seiten je 5cm übersteht. Nach vorne ragt es dann 10cm hervor. Befestigen Sie die Dachpappe auf dem Dach.
  • Streichen Sie den Kasten mit dem Lack
  • Füllen Sie den Kasten bis knapp unter das Einflugloch mit Streu. Schneiden Sie an der Vorderseite des Kartons ein großes Loch und setzen Sie den Karton „kopfüber“ so ein, dass sich die Löcher des Kastens und des Kartons gegenüber stehen. Öffnen Sie den Boden des Kartons und füllen Sie weitere Streu in den Karton. Formen Sie rasch hinter dem Eingang des Kartons eine Nistmulde und zwischen dem Einflugloch und dem Karton einen ziemlich steil nach unten abfallenden Laufgang, der direkt zur Nistmulde führt. Den Laufgang können Sie zusätzlich mit einem (Teichpumpen-) Schlauch erzeugen.
  • Zerzupfen Sie etwas Polsterwolle, in die Sie eine Höhle formen und legen Sie diese direkt an das Ende des Laufgangs in die Mulde. Damit die Hummel gar nicht erst woanders hin läuft, stabilisieren Sie den Laufgang mit der Pappröhre (vom Einflugloch zur Nistmulde).

Nistkasten Hummeln

Das fertige Hummelhaus, ein Nistkasten für Hummeln.



Aufstellung des Kastens

  • Den Nistkasten nie direkt auf den Boden stellen, sondern beispielsweise auf vier alte Blumentöpfe (Belüftung! Schimmelabwehr!). Im Idealfall sind die vier Füße nicht exakt gleich hoch, dass das Dach eine kleine Neigung erhält und der Regen nach hinten abläuft.
  • Der Nistkasten halbschattig aufgestellt werden. Am besten so, dass er von der Morgensonne erwärmt wird und dann aber im Schatten steht, um eine zu starke Erwärmung zu verhindern.
  • Man sollte beim Aufstellen bedenken, dass es sinnvoll ist, den Nistkasten zu kontrollieren. Er sollte darum gut zugänglich stehen.
  • Der Nistkasten darf nach der Besiedlung nicht mehr verstellt werden.
  • Ab Ende Februar geht es los: Dann muss der Kasten fertig sein und im Garten stehen.
  • Eine andere Idee ist, den langen Gang eines unterirdischen Mäusenests zu simulieren. Dazu verbindet man das Einflugloch mit einem schwarzen Pumpenschlauch einer Teichpumpe (dann muss das Loch einen Durchmesser von 2,5cm haben). Der Schlauch ist max. 1m lang, sein Ende ist mit Moos umrandet. Funktioniert!
    Kasten mit Schlauch, der den Mäusegang simulieren soll.

    Der Kasten steht im Beet, der Schlauch, vorne abgedeckt mit Moos, endet auf der Rasenfläche, wo Hummeln gerne suchen.


Ansiedlung

Selbstbesiedlung

Ein Hummelnistkasten wird in etwa einem Viertel der Fälle von selbst besiedelt. Drei Aspekte beeinflussen erheblich die Chancen einer Selbstbesiedlung:

  • Der Nistkasten war bereits im letzten Jahr besetzt: In vielen Fällen kehren die Nachkommen zurück und besiedeln den Kasten erneut. Sie sollten dann nichts unternehmen und abwarten.
  • Blütenangebot: Eine englische Studie (Link nicht mehr existent) erklärt, dass Hummeln freiwillig nur dort vorkommen, wo gleichzeitig gute Bedingungen für einen Nistplatz und für Nahrung vorhanden sind. Blüht es also nicht in Ihrem Garten, werden Sie kaum eine Hummel in den Kasten locken können.
  • Hummeln suchen in Bodennähe nach dunklen Löchern. Dies kann man ausnutzen:
    • Da Ihr Nistkasten erhöht steht und die Hummel das Loch gar nicht entdeckt, ist es sinnvoll, eine schräg bis zum Loch ansteigende Platte an den Kasten zu lehnen. Die Hummel fliegt dann knapp über dem Brett immer höher, bis sie das Loch entdeckt.
    • Eine andere Idee ist, den langen Gang eines unterirdischen Mäusenests zu simulieren. Dazu verbindet man das Einflugloch mit einem schwarzen Pumpenschlauch einer Teichpumpe (dann muss das Loch einen Durchmesser von 2,5cm haben). Der Schlauch ist max. 1m lang, sein Ende ist mit Moos umrandet. Funktioniert!
      Kasten mit Schlauch, der den Mäusegang simulieren soll.

      Der Kasten steht im Beet, der Schlauch, vorne abgedeckt mit Moos, endet auf der Rasenfläche, wo Hummeln gerne suchen.

Einsetzen

Die Königin wird kurz gefangen und an den Nistkasten gesetzt. Hier muss je nach Region eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde eingeholt werden, da die Tiere „der Natur nicht entnommen werden dürfen“ – das kurze Fangen könnte man als Entnahme interpretieren.

Utensilien zum Einsetzen der Hummeln

Spritze mit Isolierschlauch von Heizungsrohren. Er passt genau auf die Spritze und dunkelt sie ab.

Eine nestsuchende Königin kann man (relativ leicht) an ihrem Zick-Zack Flug dicht über der Erde erkennen. Immer wieder landet sie, untersucht dunkle Stellen und hebt wieder ab. Sie interessiert sich nicht für Blumen! Sobald sie gelandet ist fängt man sie und bietet ihr den Nistkasten an. Hierzu hat wohl jeder Hummelbegeisterte eine eigene wirkungsvolle Methode entwickelt. Allen ist jedoch gemeinsam, dass die Hummel auf keinen Fall nervös gemacht oder gereizt werden darf. Hier eine erprobte und erfolgreiche Methode: Sobald sich die Hummel gesetzt hat fängt man sie mit einer vorne abgesägten, also offenen, großen und mit Pappe (oder Isolierschlauch, Foto) ummantelten Spritze. Die Spritze wird an das Einflugloch gesetzt und langsam der Stempel gedrückt. Machen Sie sich vorher eine Markierung außen am Stempel wie weit sie drücken können. Ähnlich wie eine Spritze lässt sich auch eine Pappröhre einsetzen, die an beiden Seiten mit den Händen zugehalten wird. Man hört und spürt dann das Hineinkrabbeln der Hummel.
Das Einflugloch wird nach dem Einsetzen noch etwa 30s zugehalten, dann sofort mit etwas Moos verschlossen. Dabei muss sehr schnell gearbeitet werden, da kein Licht in den Kasten einfallen soll.
Letztlich soll die Hummel motiviert werden, wirklich in den Nistkasten zu laufen und ihn zu inspizieren.

Nach fünf Minuten entfernt man etwas das Moos. Kommt die Hummel rasch heraus und fliegt zielstrebig weg, hat sie den Kasten nicht angenommen. Andernfalls bleibt sie etwas länger und führt einen typischen Orientierungsflug durch. Dabei pendelt sie im Flug zuerst direkt vor dem Loch, dann immer weiter davon entfernt hin und her oder dreht später Kreise um den Kasten. Das ist ein sehr sicheres Zeichen für eine Besiedlung.

Das Fangen der Königin wird etwas erleichtert, wenn man die Königin anlockt. Dazu rammt man einen Besenstiel in den Boden und schafft dadurch Löcher, in die die Hummel sofort hineinkrabbelt. In der Zwischenzeit kann man die Spritze über das Loch halten, warten bis die Hummel hineingekrabbelt ist und dann die Spritze mit der Hand verschließen.

Häufige Fehler

  • Die Hummel sucht gar nicht nach einem Nest: Hummeln, die an Blüten gefangen werden, sammeln für die eigene Brut und haben schon ein Nest gegründet. Sie nehmen den Kasten nicht an – egal wie schön er ist. Versuchen Sie es gar nicht erst.
  • Die Hummelkönigin muss in der direkten Nachbarschaft gefangen worden sein. Langes Gefangenhalten ist nicht nur mit dem Schutzgedanken nicht zu rechtfertigen, sondern macht die Hummel auch so nervös, dass sie den Kasten nicht mehr annimmt. Sie müssen rasch arbeiten.

Galerie

Übermitteln Sie mir ein Foto von Ihrem Kasten hier oder auf G+. Hier habe ich ein Album mit Fotos eingebettet, die ich bislang erhalten habe:
nistkasten-gallery


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Hummelhaus, Bauanleitung Hummelkasten:
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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 10. Mai 2011 - 20:25 Uhr | Update: 16. April 2015 - 17:21 Uhr | Kommentare: 35

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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35 Kommentare

  1. Kerstin | | Link zum Kommentar

    Hallo und schon mal großes Lob für die Anleitung… Aber iwie bin ich zu blöd, das mit dem Innenausbau zu kapieren. Gibt es vielleicht Fotos davon? Lg

    Antworten
     
  2. Behn | | Link zum Kommentar

    Wie schützen Sie die Hummelnistkiste vor den Wachsmotten? Das habe ich in Ihrer Bauanleitung nicht gefunden. MfG Behn

    Antworten
     
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