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Hummeln

Neonicotinoide: Was macht Ilse Aigner?


Das Foto Lights out von aussiegall steht unter CC-Lizenz.

Tote Bestäuberin.

Eigentlich wollte ich nur herausfinden, wie das Ministerium für Landwirtschaft (BMELV) auf die Studien zur dramatischen Giftwirkung von Neonicotinoiden reagiert (hier berichtet), die in Deutschland erlaubt sind.

Aber es ist schon zum Verzweifeln. Da erscheinen am 29. März zwei internationale Studien, die den Gifttod von Bienen und Hummeln durch Neonicotinoide belegen, die die Medien weltweit aufgerüttelt haben und viele Naturschützer aufgebracht haben, doch was passiert?

Nichts?

Meine Fragen an Aigner

Nun, das gilt nur für meinen Brief, den ich an Aigner geschickt hatte. Der war nötig geworden, weil ein Mitarbeiter diesen Brief auf abgeordnetenwatch.de (05.04.) nicht öffentlich beantworten wollte, ich sollte eine E-Mail schicken. Dies scheint die grundsätzliche Prozedur zu sein, weil auch eine andere Anfrage (auf der Webseite über meinem Beitrag) zu Clothianidin nicht öffentlich beantwortet wurde. Wahrscheinlich muss ich Geduld haben: Besagte andere Autorin schreibt am 7.4.2012, dass sie noch auf eine Antwort auf die Frage vom 09.07.2011 wartet, da habe ich noch Hoffnung für meine Frage…

Was die Korrespondenz angeht, geschah also bislang nichts (ich habe den Brief mittlerweile 3x ans Ministerium geschickt). Was das Verbot der Neonicotinoide angeht, passierte aber etwas, wenn auch das Gegenteil:

Ausnahmegenehmigung für Neonicotionid

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL, gehört zum Geschäftsbereich von Aigner), das zuständig für die Zulassung der Pflanzenschutzmittel ist, erlaubte sogar mit einer Ausnahmegenehmigung das Ausbringen des bis dahin geächteten Clothianidin, einem Neonicotinoid, zwischen Mitte März und Mitte Juli.

Man habe zwischen Nutzen und Schaden abgewogen, zitiert die Süddeutsche Zeitung (10.04.2012) einen BVL-Sprecher. Außerdem gebe es strenge Auflagen, von denen allerdings keine einzige die Insekten schützt (die strengen Auflagen sind: Genehmigung „nur“ in sechs Bundesländern, nur mit Berechtigungsschein, nur bei Nachweis von starkem Schädlingsbefall, Granulat in den Boden – Gift nicht auf die Pflanze, Imker müssen 60 Meter Abstand wahren und sollen die Staaten beobachten).

Auf den offiziellen Webseiten wird der Schutz dafür mit schönen Worten beschrieben, z.B. hier:

Pflanzenschutzmittel dürfen nur nach guter fachlicher Praxis und nur so angewendet werden, dass im Einzelfall keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder sonstige nicht vertretbare Auswirkungen insbesondere auf den Naturhaushalt auftreten. […] Im Rahmen der Zulassungsprüfung werden auch die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die nicht zu den Zielgruppen gehörenden, natürlicherweise vorkommenden Arthropoden (Insekten und Spinnentiere) untersucht.
Besteht auf grund der Anwendung eines Pflanzenschutzmittels die Möglichkeit einer Exposition dieser Nichtzielarthropoden, so wird die Zulassung nicht erteilt, wenn mehr als 30 Prozent der Versuchsorganismen im Letal- oder Subletaltest [geschädigt werden…]

Für meine Begriffe widerspricht das ganz klar dem Einsatz der Neonicotinoide. Allerdings untersucht das BVL ohnehin nur den Einfluss von Guttationstropfen, nicht jedoch den Einfluss belasteter Pollen, zumindest steht darüber nichts auf der Webseite.

Was macht Aigner denn?

Meine Frage war:

Offensichtlich schädigt der Wirkstoff Imidacloprid sehr stark Hummeln, selbst wenn der Landwirt sich an die Vorgaben hält. Das Zulassungsverfahren für Imidacloprid deckte diese tödliche Gefahr aber nicht auf. Weshalb wird das Zulassungsverfahren für Insektizide nicht reformiert und in diesem Punkt strenger? (Falls Sie so etwas planen: Bis wann wird es so weit sein?)

Zum Einen sind also die Auflagen unnütz, da die Insekten selbst dann geschädigt werden, wenn der Landwirt sich an alle Vorgaben hält. Zum Anderen ist bekannt, dass ein neues Pflanzenschutzgesetz herauskommen soll:

Im Gesetzentwurf zur Neuordnung des Pflanzenschutzrechtes ist vorgesehen, dass alle bisher am Zulassungsprozess beteiligten Behörden auch weiterhin beteiligt sein werden. Die genaue nationale Ausgestaltung der einzelnen Verfahren ist Gegenstand der aktuell stattfindenden Ressortabstimmung.
(Quelle BMELV)

Mein Stand der Dinge

Tja, und das scheint der aktuellste Stand zu sein, den man erfahren kann. Eine Reaktion auf die neuen Studien, die so eindeutig die Gefahr durch Neonicotinoide beschreiben, kenne ich nicht, es scheint keine zu geben – jedenfalls nicht im Hinblick auf ein Verbot.

Nur in eigener Sache

Ich bin Laie was Gesetzestexte angeht. Ich wollte mich informieren und habe mich mit diversen Zeitungsartikeln, mit der Webseite des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, mit der Webseite des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, mit dem neuen Pflanzenschutzgesetz, dem Pflanzenschutzmittelverzeichnis und dem Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel beschäftigt. Die Informatiosnbeschaffung ist für den Amateur praktisch unmöglich, viel zu verworren, auf viel zu vielen Websites stehen Details. Hier ist wirklich Nachholbedarf.

Und – liebes Ministerium – warum steht da nirgends, warum ihr Neonicotinoide weiterhin erlaubt?

Ich freue mich, wenn ihr den Beitrag teilt :-).


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 8. Mai 2012 - 19:33 Uhr | Update: 28. Oktober 2013 - 20:54 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , | Kommentare: 0

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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