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Hummeln

Neue Rote Liste: Dramatische Entwicklung macht dem Bundesamt für Naturschutz Sorgen

Königin der Waldhummel (Bombus sylvarum) auf Klee
Königin der Waldhummel (Bombus sylvarum) auf Klee

Eine seltene Erscheinung: Königin der Waldhummel (Bombus sylvarum) auf Klee. Foto Martin aus diesem Beitrag.

Das Bundesamt für Naturschutz hat eine neue Rote Liste erstellt. Der neue Band beschäftigt sich speziell mit den wirbellosen Arten, also u. a. auch mit den Hummeln.

Die Ergebnisse sind erschreckend, denn 46% der untersuchten Arten wurden sofort in die Rote Liste aufgenommen, bei der letzten Erhebung waren es noch 38%. Bei der „Artengruppe Bienen“ (mit Hummeln) beträgt der Anteil der Rote-Liste-Arten aktuell 52%. Der langfristige Trend (letzte 50 -100 Jahre) ist für 233 Arten dieser Gruppe negativ (werden seltener), für 210 Arten stabil und für 5 positiv.

Helfen Anstrengungen im Umweltschutz?

Wenn die Umweltschutzanstrengungen Früchte tragen, müsste sich der kurzfristige Trend (letzte 25 Jahre) positiv entwickeln: Hier ist der Trend aber weiterhin für 232 Arten negativ, für 254 stabil und nur für 10 positiv. Bei denen, die sich positiv entwickelt haben, relativiert das BfN die Entwicklung:

„Generell muss relativierend festgestellt werden, dass sich bei mehr als der Hälfte der 54 Arten, deren Gefährdungssituation sich entspannt hat, die Herabstufung durch einen besseren Kenntnisstand erklärt und nicht durch erfolgreichen Naturschutz verursacht wurde.“

Ein ziemlich vernichtendes Urteil wie ich finde.

Bei sieben Arten der Bienengruppe ist der kurzfristige Trend übrigens sogar negativer als der ohnehin schlechte langfristige Trend. Hier ist eine dramatische Situation eingetreten, eine Hummelart ist aber nicht darunter.

Ursachen

Das BfN setzt sich intensiv mit der Rolle der Bestäuber, also der Entwicklung der Bienengruppe auseinander. Von den Arten der „Bienengruppe“, die in die Rote Liste aufgenommen wurden, sind 228 in ihrem Bestand bedroht, 26 extrem selten und 39 bereits ausgestorben oder verschollen. Der Grund:

„Intensive Grünland- und Ackernutzung in den letzten Jahrzehnten gehören zu den bedeutendsten Gefährdungsfaktoren für diese Tiergruppe. […] In jüngster Zeit nehmen vor allem solche Arten stark ab, die ein reiches Blütenangebot der Wiesen benötigen. Aufgrund der intensivierten Grünlandnutzung durch Paketsilierung und häufigeren Schnitt für Biogasanlagen werden viele Pflanzenarten und damit auch die Blütenbesucher verdrängt.

Generell ist anzumerken, dass alle Bienenarten aufgrund ihrer Lebensweise besonderen Risiken ausgesetzt sind. Die wichtigsten Gründe hierfür sind:

– Alle Bienen benötigen einen räumlichen Verbund mehrerer Teil-Lebensräume (Nistplatz, Nahrungsraum, Materialentnahmestellen für den Nestbau). Der Verlust eines Teil-Lebensraums kann bereits zum Erlöschen der betroffenen Population führen.

– Viele Arten sind von ausreichend großen Beständen ganz bestimmter und oftmals nur begrenzt verfügbarer Pollenquellen abhängig.

– Manche Arten sind auf Requisiten für die Nestanlage angewiesen, die nur begrenzt verfügbar sind oder spezifischen Anforderungen genügen müssen (z.B. alte Schilfgallen in brachgefallenen Streuwiesen).

– „Kuckucksbienen“ sind an andere Bienenarten als Wirte gebunden. Wenn die Wirte bereits im Rückgang sind, erlöschen als erste die noch viel kleineren Populationen ihrer Futterparasiten.

– Es fehlen heute in Mitteleuropa weitgehend die ursprünglichen Lebensräume der Bienen wie Wildflüsse und Urwälder mit ihrer jeweils spezifischen Dynamik und der daraus resultierenden Lebensraumvielfalt. Die Verbreitung und Häufigkeit der Bienenarten wird daher überwiegend durch das Wirken des Menschen bestimmt.

Links

Hinweis: Ich möchte nicht auf die Rote Liste verlinken, denn die ist zu meiner Überraschung kostenpflichtig. Stolze 49,95 Euro, die der Landwirtschaftsverlag erhält, kostet die Liste.


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 23. September 2012 - 05:53 Uhr | Update: 23. September 2012 - 09:05 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , , | Kommentare: 5

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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