Newsletter der Aktion Hummelschutz 05/02

Inhalt


Lieber Hummelfreund,
hier die aktuelle Ausgabe des Newsletters. Kommentare und Ergänzungen sind wie immer erwünscht und können an mich geschickt oder im Forum abgegeben werden.
Mit freundlichen Grüßen,
Cornel van Bebber

 Inhalt

  1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage
  2. Nachrichten
  3. Literatur | Links | Pressebeiträge
  4. Impressum

 

1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage

1.1. Umfrageergebnisse
Ich habe eine Zwischenbilanz der zu Beginn des Jahres gestarteten Umfrage gezogen. Hier in knapper Form die Ergebnisse:

  • Die Wiederbesiedlung hat im Ansiedeln von Hummeln eine viel geringere Rolle, als angenommen. Wer bislang auf ein Wiedersehen der Hummeln im folgenden Jahr gesetzt hatte, wird wohl enttäuscht werden. Nur 15% der Hummeln kamen so in einen Nistkasten.
  • Erfolgreich ist nur der Fang und anschließende Besatz des Kastens mit einer Königin (49%).
  • Aller Anfang ist schwer! Von den Hummelfreunden, die im ersten Jahr dabei sind, konnte kaum einer eine Hummel ansiedeln. 81% aller Versuche schlugen fehl!
  • In keinem Fall konnte eine gefährdete Art angesiedelt werden. Dies unterstreicht die Frage, welche Rolle künstliche Nisthilfen überhaupt im Hummelschutz spielen können.
  • In erster Linie wurde die Dunkle Erdhummel angesiedelt.

Mitmachen > Umfrage > Umfrageergebnisse

(nach oben)

1.2. Evolution und Altruismus (Lehrerseiten)
Triebkraft der Evolution ist die Fortpflanzung: Jedes Individuum versucht, an die Nachkommen seine Gene weiter zu geben. Doch bei Staaten bildenden Insekten geschieht dieses bei der Mehrzahl der Tiere eben nicht: die Arbeiterinnen paaren sich nicht und geben folglich auch keine Gene weiter. Sie legen vielmehr ein Sozialverhalten an den Tag, das als Altruismus bezeichnet wird. Sie widmen der Fortpflanzung eines anderen Individuums Zeit und Energie, ja opfern sich dafür bis zum Tod im Verteidigungsfall sogar auf, doch opfern sie sich nicht für die eigene Fortpflanzung.
In der Oberstufe eines Gymnasiums kann im Rahmen des Themenfelds Evolution dieses Verhalten angesprochen und erörtert werden, da es mit der obligatorischen Darwin´schen Theorie nicht erklärt werden kann. Auf einer eigenen Seite spreche ich das paradoxe Verhalten an und biete weiterhin einen Film an, der das Problem auflöst. Der Film kann - unter Begleichung des Portos - kostenlos ausgeliehen werden.
Mehr unter Lehrer > Medien.

(nach oben)

1.3. Schneller Surfen, besser surfen!
Einige Layout- und Inhaltsänderungen sowie eine veränderte Navigation durch die Seiten sollen das Surfen besser und wegen der viel kleineren Datenmengen, die nun übertragen werden müssen, auch schneller machen. Daneben gibt es jetzt auch ein kleines Spiel, dass auf dem Memory®-Prinzip aufbaut. Viel Spaß dabei.
Die (meisten) Lehrer- und Mitgliederseiten werden aktualisiert und sind leider voraussichtlich bis Mitte August nicht erreichbar.
Hummel-Spiel ausprobieren

(nach oben)

1.4. Hummeln haben Feinde
Hummeln sind Beute von Spinnen. Copyright: José Verkest

Spinnengift siegt gegen Hummelstich. Foto: José Verkest.

Neben dem Menschen, der Nahrungspflanzen und Nistplätze zerstört, haben Hummeln auch natürliche Feinde. Während sich der Spinnenfreund und Fotograf über nebenstehendes Foto freut und es mit der Bildunterschrift "Mhh...Hummelsuppe" versehen hatte, kann sich der Hummelfreund damit trösten, dass Spinnen in der Regel nur ein kleines Problem für die kräftigen und schnellen Insekten sind.

Eine kleine Zusammenstellung der häufigsten Feinde gibt es im Bereich Schutz > Nistkasten, denn dort tauchen die Wachsmotten und Schmarotzerhummeln auf, die ein Volk erheblich beeinträchtigen bzw. töten können. Diese Seite habe ich nun in Bezug auf die Schmarotzerhummeln aktualisiert. Bilder und informierende Texte klären über die geschützen Kuckuckshummeln auf.

(nach oben)

2. Nachrichten

2.1. "Sag´ mal, ist jetzt Paarungszeit?" (Einsteiger Info)
Hummel-Paarung, Quelle: ETH Zürich. Copyright: P. Schmid-Hempel

So paaren sich Erdhummeln. Bildquelle: ETH Zürich.

Auch Hummeln haben Sex - und hier ist nicht die Geschichte mit den Bienchen und den Blumen gemeint. Vielmehr wurde mir kürzlich obige Frage von einem Jugendlichen gestellt, der sein Fahrrad im Garten reparierte und im benachbarten Obstbaum ein ziemliches Gesumme vernahm.
Ursache waren Jungköniginnen der Wiesenhummeln. Die - je nach Variante - besonders farbenfrohe Hummelart erzeugte dieses Jahr bereits sehr früh (hier Ende Mai) Geschlechtstiere. Damit heben sich diese Tiere von den Arbeiterinnen ab. Letztere paaren sich nie. Sie ziehen aber die männlichen Drohnen und weiblichen Jungköniginnen auf. Beide können sich fortpflanzen. Bei den meisten Arten tauchen Jungköniginnen und Drohnen aber erst wesentlich später im Jahr auf.
Die Drohnen setzen zur Paarung besondere Duftmarken an bestimmten Punkten in der Umgebung ab: in unserem Fall war das der Obstbaum. Dort treffen die Jungköniginnen der Nachbarschaft ein und es kommt zur Paarung, die im Liegen und nicht im Fliegen (vgl. Honigbienen) vollzogen wird.

Also: Ist jetzt Paarungszeit? Ja, wenn man es wirklich nur auf die lokalen Verhältnisse und die Wiesenhummeln bezieht und sich nicht einen Zeitabschnitt vorstellt, während dem sich alle Hummeln paaren. Hier ist wirklich keine "Brunftzeit" gemeint, vielmehr ist es von Art zu Art unterschiedlich und von der Witterung abhängig, wann ein Staat Drohnen und Jungköniginnen erzeugt. Die im Bild gezeigten Erdhummeln paaren sich erst viel später.
Mehr:
- Fakten > Erstaunliches > Begattung
- Entdeckung eines "Keuscheitsgürtel bei Hummeln" (aus dem Newsletter 04/01, sowie aus diversen Zeitungsartikeln aus dem Pressespiegel.)

(nach oben)

2.2. Aufruf: Tote Hummeln sammeln
Tote Hummeln in einer Pappröhre

Tote Hummeln in einer Pappröhre.

Schüler lernen die Biologie der Insekten in der Schule kennen. Dabei soll ein in der Umgebung des Schülers vorkommendes Ökosystem (z.B. der Wald, die Obstwiese) hinsichtlich seiner typischerweise vorkommenden Pflanzen- und Tierarten besprochen werden. Im Falle der Insekten ist vorgeschrieben, dass auch Staaten bildende Insekten behandelt werden, weshalb der Lehrer diese Punkte miteinander häufig verbindet und im Falle des Ökosystems Wald die Biologie der Ameise und bei der Wiese die Biologie der Honigbiene bespricht (Das soll nicht heißen, dass grundsätzlich in jedem Biologieunterricht die Ameise oder Honigbiene besprochen wird, doch im Vgl. mit der Hummel kommen die beiden Tierarten eben viel häufiger vor).
Natürlich liegt es mir am Herzen, auch die Hummel in den Unterricht zu bringen. Der typische Bau eines Insekts kann sehr schön an den großen und übersichtlichen, exemplarisch für die Insekten stehenden Hummeln erarbeitet werden. Dies geht sehr leicht durch die Beschäftigung mit toten Hummeln, die den Schülern in Gruppen ausgeteilt werden. Zwar bestehen zu Beginn Berührungsängste, auch gerade deshalb, weil zu den dicken und behaarten Brummern schnell eine emotionale Beziehung aufgebaut werden kann (vgl. dazu im Gegensatz Ameise und Honigbiene!), doch kann dies positiv für den Unterricht genutzt werden und ein erfahrener Lehrer weiß damit umzugehen. So siegt schnell die Neugier gegenüber der Furcht vor dem Tier.
Da jedoch die Hummeln unter strengem Schutz stehen und es jeder Umwelterziehung wiederspricht, für dieses Vorhaben die Hummeln zu töten, ist es schwer, an tote Hummeln zu kommen.

Doch gerade jetzt (noch bis in den August / September) sterben wieder unter den Linden viele Hummeln (s.u.). Deshalb mein Aufruf:
Bitte sammeln Sie in Schachteln, Filmdöschen o.ä. die toten Hummeln kurzerhand auf, trocknen sie die Tiere in der Sonne und schicken Sie die Schachteln an mich.
Ich kann dann interessierten Lehrern diese Hummeln für den Biologieunterricht kostenlos zur Verfügung stellen und die Schüler lernen so die Biologie der Staaten bildenden Insekten mit Hilfe der Hummeln besser kennen.

Achten Sie darauf, mehrere Hummeln in eine Schachtel zu stecken und diese evtl. mit Watte zu verkleinern, damit die Hummeln während des Transports nicht geschleudert werden und empfindliche Teile abbrechen. Trocknen Sie die Tiere mind. zwei Wochen, da sie sonst erbärmlich stinken. Da viele Hummeln von Grabwespen und anderen Tieren sofort als Beute verwertet werden, bitte keine angeknabberten Hummeln schicken (auf vollständigen Kopf und Hinterleib ohne Löcher achten). Herzlichen Dank!
Adresse im Impressum

(nach oben)

2.3. Hummelsterben
Erstaunlich früh setzt auch dieses Jahr wieder das Massensterben der Hummeln ein. Gleich hunderte tote und sterbende Tiere kann man manchmal finden, wobei auffällig ist, dass Silberlinden in der Nähe sind. Diese blühen zur Zeit und locken die Tiere mit ihrem Nektar an.
Helene Müller, Mitglied der Aktion Hummelschutz, hat recherchiert und einige Erkenntnisse zu den möglichen Ursachen für das Hummelsterben zusammengetragen.

  • Die Hummeln wurden nicht vergiftet, der Nektar der Linden enthält keine giftigen Bestandteile (Ursprünglich befürchtete man, dass Mannose - ähnlich wie Traubenzucker und Haushaltszucker eine weitere Zuckersorte - im Nektar enthalten ist und giftig wirkt.).
  • Nicht alle Hummeln starben an Altersschwäche (Es gab die Überlegung, dass es sich um alte Tiere handelt, die einen natürlichen Tod sterben.).
  • Die Hummeln verhungerten, da viele Blumen zu wenig Nektar anboten und die Linden von zahlreichen Hummeln angeflogen wurden, so dass der Nektarfluss schnell versiegte. Die Hummeln hatten keine Reserven mehr und starben an Erschöpfung.

Mehr Informationen finden Sie auf einer aktualisierten Seite auf der Homepage unter Fakten > Erstaunliches > Hummelsterben.

Diese Erkenntnisse erklären noch nicht die Beobachtungen zweier Hummelfreunde, die viele tote Tiere fanden, die ausgerissene bzw. ausgefranste Flügel haben (Bericht). Der zunächst vermutete genetischer Defekt ist zwar denkbar, doch ist eine andere Erklärung wahrscheinlicher: Die männlichen Tiere einer Wollbienenart (eine Wildbiene) kämpfen sehr aggressiv um ihr Revier und die darin befindlichen Blüten. Sie greifen dazu auch Blütenbesucher wie die Hummeln an und setzen gegen sie einen Dorn (zurückgebildeter Stachel) ein, der die Flügel der Hummeln ausreißt oder beschädigt. Die flügellosen Hummeln sterben dann an Nahrungsmangel.

(nach oben)

3. Literatur | Links | Pressebeiträge

3.1. Pressebeiträge
Pressespiegel Bienen:
Beitrag a) Die von den Hummeln längst bekannte Thermoregulation wurde nun auch bei Bienen nachgewiesen
Beitrag b) Schlaue Bienen: Die Tiere unterscheiden Formen, Farben, Gerüche
Beitrag c) Antibiotika im Honig: Einfuhrverbot von chinesischem Honig treibt Honigpreise nach oben.

3.2. Links

  • Zu Nachricht 2.3.: In einem niederländischen Forum berichten Imker vom Hummelsterben und stellen Vermutungen zur Ursache des Sterbens an.
    In einem Bericht von Helge May gibt es Informationen der Uni Münster.
  • Ich hatte im Newsletter 03/2001 schon einmal von den Schülern aus Liechtenstein berichtet, die zusammen mit der NASA ein Bienenvolk in den Weltraum schicken und dort selbstständig verschiedene Experimente mit den Bienen durchführen. Ziel ist es, Unterschiede im Verhalten von Kleintieren auf der Erde und im Weltraum festzustellen.
    Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen und nachdem der letzte Start der Rakete verschoben werden musste, soll es Mitte August weitergehen. Die Liechtensteiner sind jetzt auch so bekannt, dass das Land am 8. August eine eigene Briefmarke zu diesem Projekt herausgeben wird. Ein Besuch der Homepage ist auf jeden Fall empfehlenswert: http://www.spacebees.li

(nach oben)

4. Impressum
Kontakt: kontakt@aktion-hummelschutz.de
Bitte beachten Sie den Disclaimer.
Dieser Newsletter hat 432 Abonnenten (Stand: 21.07.02) und wird nur auf Verlangen zugeschickt. Sie können ihn jederzeit abbestellen.
V.i.S.d.P.:
Cornel van Bebber
Fr. v. d. Schulenburgstr. 76
D-41466 Neuss

Machen Sie die Seite der Aktion Hummelschutz zu Ihrer Startseite!

Buch-Tipp:
Buch Tipp