Newsletter der Aktion Hummelschutz 05/03

Inhalt


Lieber Hummelfreund,

hier die aktuelle Ausgabe des Newsletters. Kommentare und Ergänzungen zum Newsletter sind wie immer erwünscht und können über die Homepage an mich geschickt oder im Forum abgegeben werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Cornel van Bebber

 Inhalt

  1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage
  2. Nachrichten
  3. Links | Presse | Literatur
  4. Impressum

 

1. Aktuelle Änderungen auf der Homepage

1.1. Fakten: Update Erfahrungsberichte

Ausschnitt aus dem Update:
"Um mir Gewissheit zu verschaffen hob ich die Platte erneut an. Ich staunte nicht schlecht, als ich [...] 6 tote Hummelköniginnen und 1 Arbeiterin am inneren Eingang zum Nest vorfand. Beim Hantieren an der Nestkugel erschien dann die Königin und auch 2 Arbeiterinnen. Die zurückliegenden Geschehnisse kann man sich gut vorstellen. Ob die erste Königin noch Herrin Ihres Nestes war ist ungewiss.
Auf jeden Fall war die Nisthilfe unter der Gehwegplatte für Erdhummeln sehr attraktiv. Obwohl der Eingang (Loch) neben der Gehwegplatte einen Durchmesser von nur ca. einem Zentimeter hat, wurde er auch von anderen Königinnen gefunden."

Königinnen, die sich gegenseitig bekämpft hatten und dabei gestorben sind.

Hummelfriedhof. Foto: Kreft.

Klaus Kreft, bekannt für seine umkomplizierten Nisthilfen (s. frühere Erfahrungsberichte), berichtet vom Erdhummelvolk in seinem Garten, dass sich unter einer bereit gelegten Gehwegplatte eingerichtet hat. Wie sich zeigte war dieser Nistplatz sehr beliebt: Mehrere Königinnen müssen um den Nistplatz gekämpft haben. Dabei setzten die Tiere auch den Giftstachel gegeneinander ein, so dass am Ende nur eine überlebt und das Nest besetzt hat.
Fakten > Erfahrungsberichte > Kampf ums Hummelnest

Auch Johann Wiedel hat das Hummeltagebuch erweitert. Viele Völker befinden sich in ihrer letzten Phase. Die Jungköniginnen sind abgeflogen und das Volk stirbt langsam ab. Vorallem bei den vier Steinhummelvölkern ging diese Entwicklung sehr schnell:

Ausschnitt aus dem Update:
"Die Abnahme der Volkstärke der vier Steinhummelvölker schreitet rapide fort. Immer weniger Flugbewegungen! Ein Blick ins Brutnest zeigt, dass die Auflösung der Völker fortschreitet, ein Ende ist abzusehen.
Das Ackerhummelvolk erholt sich zusehends. Alle zwei Tage füttere ich mit Zuckerwasser, das gierig aufgenommen wird.
Im Kasten Nr.1 vom aufgelösten Baumhummelvolk (alter Wabenbau nicht entfernt) herrscht wieder reger Flugbetrieb. Erdhummeln haben sich angesiedelt und tragen eifrig Pollen ein."

Fakten > Erfahrungsberichte > Hummeltagebuch 2003

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1.2. "Fakten" ergänzt
Die Einheit "Erstaunliches" in der Rubrik Fakten wurde durch eine Seite ergänzt, die das Thema des letzten Newsletters aufgreift: Die Abhängigkeit der Intelligenz einer Biene von der Temperatur während ihrer Entwicklung.
Fakten > Kluge Hummeln?

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1.3. Weitere Verbesserungen

  • Andreas Schmitt hatte auf einem Foto eine Honigbiene festgehalten, die den Blüteneinbruch einer Erdhummel für ihre eigenen Zwecke ausnutzt. Damit erweitert dieses Bild die Lehrerseiten, da es dort ja eine Unterrichtseinheit u.a. zur Rüssellänge von Honigbienen und Hummeln gibt. Das Bild findet man unter Abb. 4 auf dieser Seite:
    Lehrer > Unterrichtseinheit Bestäubungsqualität
  • Carlo Karier aus Luxemburg steuert für die Nistkastenseiten einen Tipp zur Wachsmottenabwehr bei. Watte mit japanischem Heilpflanzenöl mit dem Wikrstoff "Minzöl" duftet dabei so stark, dass die Wachsmotten den Geruch des Hummelnests nicht mehr gut identifizieren können.
    Schutz > Nistkasten > Feinde

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2. Nachrichten

2.1. Wissenschaftlerin: Es gibt schlampige und genaue Hummeln
Dipl. Biologin Fiola Bock. Foto: Uni WürzburgWie die Biologin Fiola Bock (Foto links) zusammen mit einer Arbeitsgruppe um Prof. Chittka an der Universität Würzburg herausfand, gibt es bzgl. des Sammelverhaltens von Hummeln zwei verschiedene Typen. Die Einen fallen durch ihre nachlässige, qualitativ schlechtere, aber schnellere Sammeltätigkeit auf. Die Anderen benötigen mehr Zeit, arbeiten dafür aber genauer.

Zunächst trainierten die Forscher die Hummeln auf lohnende (boten Zuckerwasser) und nicht lohnende Blüten (boten Wasser). Trotz langer Trainigsphasen flogen die Tiere nur im Schnitt zu 62% die lohnenden Blüten an. Dieser Wert entstand, weil einige Hummeln sehr schlampig arbeiteten und die Wasser-Blüten anflogen. Daneben gab es Hummeln, die sehr präzise zwischen den Blüten unterschieden. Sie landeten deutlich mehr "Treffer", brauchten dafür allerdings etwas mehr Zeit.

Die Forscher variierten nun den Versuch. Statt Wasser setzten sie der nicht lohnenden Blüte Chinin zu. Diese bittere Substanz ist zwar ungefährlich, schmeckt aber so schlecht, dass die Chininlösung praktisch einer Strafe gleich kommt, wenn eine Hummel hier nippt.

Unter diesen verschärften Bedingungen wurden offenbar die schlampigen Hummeln unter Druck gesetzt. Nun flogen 83% der Hummeln zur lohnenden Blüte und mehr schlampige Hummeln arbeiteten genauer. Setzten die Forscher die Strafe aus (statt Chinin nun wieder nur Wasser), arbeitete ein Teil der Tiere wieder wie vorher schlampig.
Damit verhalten sich Hummeln ziemlich menschlich (oder umgekehrt?). Auch bei dieser Spezies kann der Lernerfolg durch eine Strafe ansteigen.
Fakten > Animation der Versuchsreihe
Pressemitteilung der Uni Würzburg
Interview des Deutschlandfunks mit Prof. Chittka.

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2.2. Haut das Hoch die Hummeln um?
Ganz Europa heizt sich dank des Hochs "Michaela" auf Temperaturen nahe 40°C auf und die Natur leidet augenscheinlich. Wie ergeht´s dabei eigentlich den Hummeln?

  • Hummeln liebe Kälte
    Hummeln sind wesentlich besser an kalte Regionen angepasst als an warme. Deshalb gibt es viel mehr Hummelarten in den nördlichen Ländern als im Süden. Zur Anpassung trägt die Thermoregulation (s.u.) und ihr dichter Pelz bei. Gerade dieser stört bei der Hitze.

  • Waldbrände
    Die Waldbrände dürften meiner Einschätzung nach keine negativen Folgen für die Hummeln haben, da in erster Linie Nadelholzwälder abbrennen, die der Hummel auch in grünem Zustand ziemlich egal sind. Problematisch wird es beim Brand von Wiesen und Heiden, da genau dort viele Hummelarten leben, unter ihnen die seltenen!

  • Viel Wasser trinken?
    Das Hamburger Abendblatt gibt den Tipp, man solle Zweige in eine Vogeltränke legen, an denen die Hummeln herunter laufen können und dort Wasser trinken können. Tatsächlich weiß man von Bienen, Wespen und Hornissen, dass sie einen Tropfen Wasser aufnehmen und diesen mit Flügelschlägen im Nest zum Verdunsten bringen. Dadurch kühlt sich das Nest ab. Eine kurze Umfrage unter den Mitgliedern der Aktion Hummelschutz ergab allerdings, dass niemand ein solches Verhalten bei Hummeln jemals beobachtet hat (Mailingliste).

  • Hummeln werden zu Ventilatoren
    Auch Hummeln müssen ihr Nest kühlen, denn zu hohe Temperaturen verlangsamen die Lebensvorgänge. Vorallem Proteine im Körper verklumpen bei hohen Temperaturen (wie beim Eierkochen), was bis zum Hitzetod der Tiere führen kann. Erwachsene Hummeln können abfliegen und sich dadurch Kühlung verschaffen, Nesthummeln verlassen dieses und "sitzen" dann auf dem Nest, um dieses nicht unnötig durch die eigene Wärme aufzuheizen. Larven müssen gekühlt werden, indem Hummeln am Eingang zum Nest wie ein Ventilator mit den Flügeln schlagen. Eine eigene Beobachtung mit den "High-Tech-Nistkästen" ergab, dass eine Ackerhummel bei Überschreiten von 31°C Temperatur des Nistmaterials anfing, wie ein Ventilator zu funktionieren.

  • Hitze führt zu Energiemangel
    Foto: Arne Anderberg

    Phacelia/Bienenweide. Wenn ein blühendes Feld durch Landwirte abgemäht wird, entsteht eine ungeahnte Energiekrise für Hummeln, die dann keine vergleichbare Massentracht zu dieser Zeit finden. Foto: A. Anderberg.

    Der Einsatz der Flügel, z.B. um das Nest zu kühlen, ist nur möglich, wenn die Hummeln genug Kraftstoff haben: den Nektar. Doch wie schon das Sterben der Hummeln unter den Linden angedeutet hat, gibt es seit Juni nicht mehr ausreichend Pflanzen, die Nektar für die Völker anbieten (die Pollenvorräte sind dagegen sehr groß).
    Unsere Gärten bieten mittlerweile im Sommer zu wenig "Kraftstoff". Umso ärgerlicher ist es, wenn Landwirte blühende Massentrachten wie Felder mit Phacelia (Bild oben) mitten in der Blütezeit abmähen. Dabei bietet diese Pflanze besonders viel Nektar an. Von einem solchen Fall berichtet beispielsweise die "Lippische Landeszeitung" (13.07.2003).

  • Flugmotor brennt bei 44°C durch
    Dazu kommt, dass Hummeln mit einem ziemlich ausgeklügelten System die Körpertemperatur steuern. Sie können sich bei Bedarf aufheizen und abkühlen. Das ist nötig, da Hummeln nur fliegen können, wenn die Muskulatur mind. 33°C oder maximal 44°C warm ist. Da beim Nutzen der Flügel sehr viel Wärme entsteht, fällt aber das Abkühlen schon bei Umgebungstemperaturen von etwa 35°C sehr schwer (Thermoregulation). Dabei haben kleinere Arbeiterinnen die geringsten Probleme, große und fliegende Jungköniginnen die größten.

Mit einer entsprechenden Gartengestaltung kann man diese Probleme verringern. Wer den Nistkasten im Schatten stehen hat und weiterhin viel Nektar anbietet, wird den Hummeln helfen. Ändern Sie deshalb jetzt ihre Gartengestaltung!

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2.3. Insektengift führt in Niedersachsen zu Hummelsterben
Im letzten Newsletter hatte ich noch über Gaucho® berichtet. Dieses Gift fand sich u.a. im Pollen von Sonnenblumen, so dass Bienen und Hummeln daran starben und die französische Regierung das Mittel (im Unterschied zu Deutschland) mittlerweile verboten hat.
Landwirte im Emsland haben nun ihre Kartoffeläcker zur Bekämpfung von Läusen mit dem Mittel "Tamaron" besprüht. Nun sind nach Imker-Angaben 20.000 Bienen pro Bienenstaat durch das Mittel gestorben, 500 Staaten seien betroffen. Tamron tötet auch andere Insekten wie Hummeln.
Den Landwirten und Behörden ist dabei die Gefahr bekannt. Das Mittel ist sogar für Menschen gefährlich, so dass es mit dem Totenkopfsymbol gekennzeichnet werden muss. Weiterhin wurde es in die höchste Bienenschutzklasse eingestuft, nach der das Mittel gar nicht "auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden" darf (Landesregierung Schleswig Holstein, s.u.). Diese Gefahr bestand aber ausdrücklich, da die Bienen den von den Läusen ausgeschiedenen Honigtau nutzten. Ausdrücklich wird auch erwähnt, dass selbst das Blühen von Ackerunkräutern, die beispielsweise Hummeln nutzen, zu einem Verwendungsverbot führen muss. Offenbar haben diese Auflagen aber nicht gefruchtet.
Hinweise zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Landesregierung Schleswig Holstein
NDR-online berichtet von der Situation

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3. Links | Presse | Literatur

  • Aktion Hummelschutz in der Presse
    Unglücklich erwähnt wurde die Aktion Hummelschutz von der Thüringischen Landeszeitung (18.07.2003, Seite ist leider nicht mehr online). Auf der Suche nach einer Lösung bzgl. des Hummelsterbens unter Linden nutzte der Redakteur die Webseiten und sprach davon, dass ich die geringe Anzahl an Winterlinden als Ursache für das Sterben ansehe. Davon steht aber kein Wort auf der Homepage.
    Ich vermute einen Verständnisfehler bei dem zuständigen Redakteur und habe noch am selben Tag meine entsprechende Internetseite aktualisiert, um solche Unklarheiten auszuschließen.
    Fakten > Hummelsterben unter Linden
  • Mit fremden Federn geschmückt: Nabu springt auf den Zug auf
    In einem Artikel von "tageblatt.de" (24.07.2003) greift eine Nabu-Mitarbeiterin das Hummelsterben auf - und nutzt für die Erklärung beinahe wörtlich die Informationen dieser Homepage, ohne sie zu nennen.
  • Besoffene Hummeln
    Das Hamburger Abendblatt (08.07.2003) berichtet von toten Hummeln unter Linden. Ein Polizist erklärt sie für besoffen.
  • Blaubeeren durch Hummeln und Bienen
    Landwirt tüftelte am schwierigen Anbau von Blaubeeren. Hummeln sind dem Bauern nun lieb: Sie bestäuben sein ungewöhnliches Feld. Peiner Allgemeine Zeitung, 18.07.2003.
  • Plädoyer für Hummeln
    "Südkurier.de" berichtet leicht verständlich über Hummeln. 24.06.2003
    Aufgenommen ins Literaturverzeichnis:
  • Chittka, L., Dyer, A. G., Bock, F., Dornhaus, A., 2003: Bees trade off foraging speed for accuracy. In: Nature, 424 (24.07.2003), S. 388.
    Publikation zu Nachricht 2.1.
  • Tautz, J., Maier, S., Groh, C., Rössler, W., Brockmann, A., 2003: Behavioral performance in adult honey bees is influenced by the temperature experienced during their pupal development. In: PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) 0 (2003): 123234610
    Englische Zusammenfassung online, deutsche Zusammenfassung im letzten Newsletter und unter Fakten > Erstaunliches > Kluge Hummeln.

4. Impressum
Kontakt: über die Homepage
Bitte beachten Sie den Disclaimer.
Dieser Newsletter hat 478 Abonnenten (Stand: 13.08.2003) und wird nur auf Verlangen zugeschickt. Sie können ihn jederzeit abbestellen.
V.i.S.d.P.:
Cornel van Bebber
Fr. v. d. Schulenburgstr. 76
D-41466 Neuss

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