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Hummeln

Schwerer Rückschlag auf dem Weg zum Gift-Verbot

Imidacloprid - ein Pestizid, das zu der hochgradig gefährlichen Gruppe der Neonicotinoide gehört. Dieses Gift führte im Versuch zu 83% weniger Jungköniginnen bei Hummeln.

Eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die sie im Auftrag der europäischen Kommission erstellt hat, hält Gefahren, die durch moderne Pestizide ausgehen, für nicht bewiesen. Diese Argumentation vertrat so auch vorher schon Ilse Aigner. Das ist ein herber Rückschlag für all die Aktivisten (und Parteien), die die sog. Neonicotinoide verbieten möchten.

Konkret ging es um zwei Studien über die Wirkung der Neonicotinoide. Die Arbeit an Hummeln zeigte dabei eine deutliche Verringerung der Volkgröße und eine katastrophal niedrige Produktion von Jungköniginnen auf.

Unrealistisch: Zwei Wochen lang an den gleichen Pflanzen Nektar und Pollen sammeln?

Die EFSA schreibt nun, dass die Versuchsdurchführung nicht realistisch war. Den Hummeln hätte demnach zwei Wochen lang nur das pestizidbelastete Futter (Nektar und Pollen) zur Verfügung gestanden, was auf die Natur übersetzt bedeuten würde, dass sie zwei Wochen lang nur ein und dieselbe Pflanze anfliegen würden.

Trotzdem räumen die Forscher selbst ein, dass das durchaus möglich ist:

The exposure in the test during the two weeks in the laboratory was a worst case exposure scenario since bumblebees could only feed on imidacloprid spiked pollen and sugar water. It is uncertain as to what extent such an exposure situation is representative of field conditions since bumblebees would need to forage for two weeks exclusively on imidacloprid-treated crops in order to be exposed to the same extent as in the study.

[…] However, it could be possible in intensive agricultural landscapes like monoculture areas.
(Quelle S. 7 & 22)

Es seien aber noch weitere Studien nötig.

Weniger Jungköniginnen: Eine Folge des Pestizids?

Die Hummel-Studie geht von einer veränderten Sammeltätigkeit der Hummeln aus (evtl. sterben viele Arbeiterinnen während des Sammelns und kehren nicht zurück), infolgedessen hat das Volk weniger Nahrung und produziert weniger Könginnen. Die EFSA sagt aber, dass dieser Zusammenhang gar nicht untersucht worden sei. Bezogen auf die verringerte Anzahl an Jungköniginnen sagt sie:

Such an effect could also be a direct reproductive effect and not necessarily the consequence of reduced foraging.
(Quelle S. 8)

Kommentar

Ist die zentrale Frage wirklich, ob die Expositionsdauer exakt oder eben ein paar Tage zu lang war? Braucht es nun wirklich neue Studien, die die Sammeleigenheiten der Hummeln genauer untersuchen?

Nein, es sind ganz andere Fragen zu stellen: Wollen wir eine Landwirtschaft, in der unsere Nutzpflanzen nur dank hochgradig gefährlicher Pestizide überleben können? Wollen wir Bauern, die gezwungen sind, gezüchtete Hummeln zu kaufen, weil diese in der Natur fehlen? Die von Imkern Bienenstaaten ausleihen müssen, damit ihre Blüten bestäubt werden? Weil wir es geschafft haben, dass selbst blühende Obstplantagen nicht mehr so viele Hummeln und Bienen anlocken, dass eine natürliche Bestäubung möglich wäre? Weil es einfach nicht mehr so viele Hummeln und Bienen gibt?

Nein! Die Gefährlichkeit der Neonicotinoide ist längst bewiesen, eine Gegenstudie nach der anderen und die Forderung nach neuen Studien führt nicht zur Lösung des drängendsten Problems: Dem Aussterben vieler Bestäuber in unserer Kulturlandschaft. Die EFSA und genauso Ilse Aigner verschleiern das wahre Problem. Wir können es uns nicht mehr leisten, auf andere Studien zu warten, die evtl. die Ungefährlichkeit doch noch belegen: Die Gefahr für die Hummeln ist zu groß!

Das wahre Anliegen Ilse Aigners dürfte nicht der Hummel- und Bienenschutz sein, denn die Studie verrät auch, wem der Neonicotinoid-Einsatz nutzt: 25% aller in der EU erlaubten Neonicotinoid-Einsätze gibt es in Deutschland (nimmt man noch Spanien, England, Italien und die Niederlande hinzu ist man bei 80%)! Und der deutsche Bayer-Konzern produziert die Neonicotinoide.

Und noch ein Detail: Wer in der Argumentation der EFSA und dem Antwortbrief aus dem Haus von Ilse Aigner an mich Parallelen entdeckt hat:

Das Ministerium dürfte gut informiert gewesen sein, denn die Arbeit der EFSA hat auch Jens Pistorius geprüft, Mitarbeiter am Julius-Kühn-Institut, das Ilse Aigner untersteht und auf das sich ihr Mitarbeiter im Antwortschreiben an mich beruft.

Sehr gut hat er aber seine Chefin nicht informiert: All die Angaben, in denen das EFSA die Gift-Konzentrationsangaben als zu hoch kritisiert (was ich hier widerlegt hatte) beziehen sich auf die Studie zu Bienen. Hat da jemand etwas verwechselt?


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 11. Juni 2012 - 06:03 Uhr | Update: 11. Juni 2012 - 07:46 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , | Kommentare: 5

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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5 Kommentare

  1. Joachim Spiehs | | Link zum Kommentar

    Es ist völlig phantasielos immer wieder zu versuchen, die Bienengiftigkeit von Neonicotinoiden als Begründung von deren Verbot zu betonen. Die Firma BAYER wird aus bekannten Gründen immer wieder “ isch nix verstehen… “ spielen. So kommt man nicht weiter! – Die bessere Methode ist sicherlich, die zuweilen hysterische Angst des Lebensmittel kaufenden Publikums vor Vergiftungen zu nutzen. Dazu muss von kompetenter Seite zügig nachgewiesen werden, dass Neonicotinoide für Menschen nervengiftig sind, weil sie sich, durch ihre Eigenschaft systemgiftig zu wirken, auch im vermarkteten Obst, Gemüse und sonstwo befinden. Die Giftigkeit für Menschen ist sicherlich gegeben. Schliesslich fand sich ja auch das viel weniger giftige und schon lange verbotene DDT in menschlicher Muttermilch, Eiern und Fischen. Also bitte etwas mehr Phantasie und weniger Jammern! Es ist bestimmt möglich der Firma BAYER kräftig in den Allerwertesten zu treten. J.S.

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    • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

      Ihr Ansatz ist insofern möglicherweise Erfolg versprechend, als dass er die Neonicotinoide zu einem Problem für den Menschen, nicht für „die Natur“ macht. Neonicotinoide werden dadurch emotionalisiert, das ist zwar eine billige, aber keine betrügerische Methode.

      Leider sind mir entsprechende Studien dazu aber nicht bekannt, können Sie da mit Material helfen? Oder: Was glauben Sie, sind bislang keine Studie dazu durchgeführt worden?

      Gegen die Äußerung, dass es „phantasielos“ ist, die Bienengiftigkeit zu betonen und „zu Jammern“, wehre ich mich. Der Gebrauch von Neonicotinoiden ist nur mit besonderen Genehmigungen erlaubt, diese sind zur Zeit politisch gewollt. Politisch also gegen die Neonicotinoide vorzugehen ist richtig – und wie Sie hier gelesen haben, ist das vor zwei Wochen in die Wege geleitet worden und wird anschließend auch in einem Antrag im Bundestag enden.

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  2. Dr.med.Jörn Pankow | | Link zum Kommentar

    Gern würde ich mich beim Kampf gegen NN ( Fa. Bayer) mit einbrigen. Vor vielen Jahren hat es geklappt, Bayers Dünnsäureverklappung in der Nordsee zu unterbinden. Wie kann ich Sie unterstützen?
    MfG
    Ihr Jörn Pankow

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    • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

      Das ist prima, vielen Dank für Ihr Angebot.
      Die Handlungsmöglklichkeiten sind leider eingeschränkt, weil der Konzern mit der Unterstützung der Regierung handelt. So gab es weltweit, auch von Imkerverbänden, bereits Demonstrationen vor der Konzernzentrale oder vor der Bayer-Hauptversammlung. Es gab Unterschriftenaktionen, auch Online-Petitionen für das EU-Parlament – aber es half bislang nichts.

      Ich glaube, dass nur ein Umdenken der deutschen Regierung und der Parlamentarier erfolgreich sein kann. Aktuell läuft eine „kleine Anfrage“ der Opposition, auf deren Grundlage ein Antrag formuliert wird.

      Ich stelle mir vor, dass im Vorfeld die Bundestagsabgeordneten über das NN-Problem informiert werden, ich möchte dazu meinem Abgeordneten eine E-Mail schicken. Machen Sie doch hier mit! Ich habe auch an Aigner via abgeordnetenwatch.de geschrieben, doch antwortet sie per se nicht öffentlich. Das müssen wir ändern, indem ihre Antworten publik gemacht werden. Wir sollten Argumente zusammen stellen, hier hat vorgestern ein Wissenschaftler schon Arbeit geleistet. Möchten Sie nicht hieraus die Argumente zusammenfassen, so dass wir das „Argumentationspapier“ dann online stellen und jeder es an die Abgeordneten verschicken kann?

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      • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

        Dass Artikel dieser Homepage auch mal nur 1 von 5 Sternen in der Bewertung bekommen, passiert immer wieder und ist in Ordnung, dafür ist die Bewertung ja da. Um Doppelabstimmungen zu vermeiden wird auch die IP-Adresse mitgespeichert.

        Und die IP-Adresse sollte man irgendwie umgehen, wenn man hier 1 Stern gibt und gleichzeitig Bayer-Mitarbeiter ist: Wirkt sonst irgendwie gesteuert…:

        Anklicken zur Vergrößerung

        Antworten
         

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