Hummeln Umwelt-Online-Award in Gold 2002

Hummeln

(Seltene) Hummeln fördern: Die sieben wichtigsten Pflanzen

Blütenreiche Wiese
Blütenreiche Wiese

Blütenreiche Wiese: Vorallem Wiesen mit Fabaceaen wie dem Wiesen- und Hornklee nutzen den seltenen Hummelarten.

Welche Ansprüche haben die seltenen Arten an die Umwelt? Eine Antwort auf diese Frage ist sehr wichtig für die Hummelschützer. Denn während die häufigen Arten („Big Seven“) oft keine speziellen Ansprüche haben, sind seltene Arten Nahrungsspezialisten.

Britische Forscher beobachteten in einer aufwändigen Studie 15 Hummelarten und notierten die Pflanzenarten, die die Hummeln anflogen.

Die Methode

Dazu durchstreiften die Wissenschaftler eine Stunde lang eine Fläche mit einem Radius von 100 Meter. Insgesamt kamen so 172 Beobachtungsstunden zusammen. Um die die Ergebnisse vergleichbar zu halten, wurde nur an warmen, trockenen Tagen und nur zwischen 8 und 17 Uhr gearbeitet. Die Flächen auf den Hebriden (West-Schottland), im Süden Großbritanniens und in Neuseeland (zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten Farmer hier drei britische Hummelarten angesiedelt).

Weil manche Arten auch für den Profi nicht spontan zu unterscheiden sind, verzichteten die Forscher bei den Erdhummeln ganz auf eine Unterscheidung. Für die Differenzierung zwischen Bombus humilis und B. muscorum holten sie die Lupe heraus.
Außerdem notierten sie, wann die Hummeln Pollen und Nektar (Pollenhöschen an den Beinen) oder nur Nektar (keine Pollenhöschen) sammelten.
Zusätzlich maßen sie die Rüssellänge anhand von toten Exemplaren der verschiedenen Arten aus dem Museum.

Die Ergebnisse

A) Bevozugte Pflanzen zum Pollensammeln




In mehr als 60 Prozent der Fälle nutzten die Hummeln Pflanzen aus der Familie der Fabaceae zum Pollensammeln. Das bedeutet, dass viele andere Pflanzen keine oder nur eine geringe Rolle für die Hummeln haben. Besonders wichtig war, dass vor allem die seltenen Arten wie die Feldhummel, Bombus ruderatus, die Veränderliche Hummel, Bombus humilis und die Erdbauhummel (B. subterraneus) diese Pflanzen anflogen. Im einzelnen gab es fünf Pflanzen, die sehr wichtig als Pollenquelle waren:

  1. Wiesenklee (Trifolium pratense / Fabaceae) mit 28,8 Prozent aller Besuche,
  2. Weiß-Klee (Trifolium repens / Fabaceae), 10,1 Prozent,
  3. Besenheide (Calluna vulgaris / Ericaceae), 9 Prozent,
  4. Hornklee (Lotus corniculatus / Fabaceae), 8,5 Prozent,
  5. Graue Heide (Erica cinerea / Ericaceae), 4,4 Prozent.

Die Forscher zeigten auch einen Zusammenhang zur landwirtschaftlichen Nutzung auf. Denn blütenreiche Wiesen (früher Grünfutter), die reich an Fabaceaen sind, gibt es heute kaum noch. Weil aber alleine Wiesenklee und Hornklee zusammen 37,3 Prozent der Pollenquellen ausmachen, ist der Verlust dieser typischen Wiesenpflanzen tragisch.

Weitere wichtige Pflanzenfamilien waren Boraginaceae und Rosaceae.
Die Ericaceaen waren für drei seltene Arten sehr wichtig:

  • Mooshummel, Bombus muscorum
  • Heidehummel, Bombus jonellus
  • Große Erdhummel (Bombus magnus)

B) Bevozugte Pflanzen zum Nektarsammeln

Die obigen Pollenpflanzen tauchten auch alle in den TOP 10 der Nektarquellen auf, was ihre Bedeutung unterstreicht. Zusätzlich spielten aber auch zwei weitere Arten eine große Rolle:

Echium vulgare

6. Gewöhnlicher Natternkopf, Echium vulgare:
Keine andere Pflanze lockte so häufig zum Nektarsammeln. Mehr als jeder fünfte Flug hatte eine Blüte des Natternkopf zum Ziel.


 
Flockenblumen-Arten, Centaurea spec.: Mehr als 10% aller Blütenbesuche zum Nektarsammeln entfielen auf die Flockenblumen.

7. Flockenblumen-Arten, Centaurea spec.
Mehr als 10% aller Blütenbesuche zum Nektarsammeln entfielen auf die Flockenblumen.

C) Rüssellänge

  • Kurze Saugrüssel (bis einschl. 8 Millimeter) haben B. magnus, B. jonellus, B. monticola, B. soroensis, B. terrestris, B. B. lucorum, B. lapidarius, B. B. pratorum.
  • Eine mittlere Rüssellänge (zwischen 8 und 9 Millimeter) haben B. humilis, B. ruderarius, B. sylvarum, B. muscorum, B. pascuorum.
  • Die längsten Rüssel (ab 9 Millimeter) haben B. ruderatus, B. distinguendus, B. subterraneus, B. hortorum

D) Fazit: Was macht manche Hummelarten so selten?

  • Alle Hummelarten, die auf Fabaceaen spezialisiert sind, sind selten, weil diese durch eine veränderte Landwirtschaft kaum noch häufig vorkommen.
  • Außerdem zeigt sich, dass alle Arten selten sind, die spät im Jahr auftauchen und einen langen Saugrüssel haben. Beides sind wiederrum Anpassungen an die Fabaceaen, die erst ab Juni blühen und eine lange Kronröhre haben.
  • Ähnliches gilt für diejenigen Arten, die auf Ericaceaen spezialisiert sind.

Lediglich an einer Erklärung für die Seltenheit von B. soroensis und B. ruderarius scheitern die Forscher mit dieser Studie. Hier vermuten sie, dass es nicht die Vorliebe für bestimmte Nahrungspflanzen ist, die zur Seltenheit beiträgt, sondern beispielsweise Ansprüche an den Niststandort.

E) Rückschlüsse für den Hummelschutz

Eigentlich ist es so einfach:

  • Anlage, Pflege und Schutz von Wiesen mit Hornklee und Wiesenklee

Der Garten kann die Verhältnisse nicht exakt nachbilden: Den Klee im Garten bekommt der Gartenliebhaber nämlich kaum unter Kontrolle. Aber es gibt den

Purpurklee

Purpurklee. Der ist nicht nur schön, sondern auch unter Kontrolle zu halten.

  • Mehrere Pflanzen des „Gewöhnlichen Natternkopf“ und von Flockenblumen gehören auch in den Garten.
  • Im Blumenkübel lässt sich Hornklee aussäen (wegen des Wurzelwerks nicht ins Beet säen).
  • Auch eine sonnige Ecke mit Heidepflanzen ist sehr gut.
  • An feuchten und halbschattigen Stellen wachsen Beinwell und Borretsch (beides Boraginaceae) sehr gut und spenden Nektar und Pollen.
  • Und: Keine Wildblumenmischungen aussäen!

Literatur

Goulson D., Hanley ME, Darvill B, Ellis JS, Knight ME, 2004: Causes of rarity in bumblebees. In: Biological Conservation, doi: 10.1016/j.biocon.2004.06.017


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Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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7 Kommentare

  1. sylvi | | Link zum Kommentar

    Ich habe mich erst vor kurzem hier angemeldet, denn ich wußte über Hummeln so gut wie gar nichts. Dass wollte ich nun mit einem Buch über Hummeln ändern. Auch möchte ich, dass mehr Hummeln Einzug in meinen Garten halten und habe deshalb Samen gekauft von Pflanzen die von Hummeln gern besucht werden. Natternkopf, Wiesensalbei, Flockenblume und Klee, nach dem obigen Bericht genau das richtige. Danke für die Info.
    lg
    sylvi

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