Hummeln Umwelt-Online-Award in Gold 2002

Hummeln

Wie überwintern Hummeln?

  • Hummeln überwintern im Boden. Nur die zukünftigen Königinnen überwintern, der Rest des Staats stirbt (wesentlicher Unterschied zu Bienen!).
  • Durch den Klimawandel treten vereinzelt Hummeln auch im Winter auf, die nicht überwintern (siehe hier: Britische Hummeln fliegen auch im Winter).

Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Überwintern von Hummeln zusammen.

Überwintern Hummeln im Nest?

Hummeln überwintern nicht in ihrem Nest. Zwar hatten in den 1970er Jahren zwei amerikanische Forscher (Szabo & Pengelly, 1973) überwinternde Hummeln (einer amerikanischen Art!) in einem alten Hummelnest gefunden, doch gab es seitdem keine weiteren Hinweise darauf, dass Hummeln in ihrem alten Nest überwintern, für Europa fehlen bis heute solche Angaben völlig.
Richtig ist aber, dass Hummeln in der Nähe ihres alten Nests gerne überwintern. Die Entfernung zum Nest rechnet sich dabei in wenigen Metern.

Der Überwinterungsort

Die Hummelköniginnen haben sich in bis zu 15cm Tiefe eingegraben und warten auf angenehmere Temperaturen, die übrigen Hummeln sind tot. In einem Video konnte der Nutzer gc_vc53 sehr schön festhalten, wie sich eine Steinhummelkönigin an einem typischen Überwinterungsort eingräbt. Leider lässt sich das Video nicht einbetten, hier ist der Link zum Video.

Ausführlich: Wie überwintern Hummeln?

Wie findet man Hummeln beim Überwintern?

Die umfangreichste Untersuchung zur Überwinterung von Hummeln hat sicherlich Alford 1969 durchgeführt. Zunächst stellte er fest, dass er sich bereits im Frühjahr den Ort merken kann, an dem später im Jahr die neuen Hummeln überwintern werden. Das ist dann der Fall, wenn die Hummeln von dem Parasiten Sphaerularia bombi befallen sind. Betroffene Königinnen gründen im Frühjahr kein Volk, sondern fliegen nach dem Überwintern wieder dorthin zurück, wo sie sich den Winter über eingegraben hatten. Dieser Platz ist ein bevorzugter Überwinterungsort und wird dann später im Herbst auch von den nächsten Hummelköniginnen benutzt.

Überhaupt weiß man, dass Hummeln gerne in Gesellschaft überwintern. An bevorzugten Plätzen findet man zahlreiche Tiere (100 – 200!). Ungeklärt ist, weshalb diese Tiere trotz des gleichen Überwinterungsorts zu unterschiedlichen Zeiten aufwachen.

Riter machte in 2015 an einer amerikanischen Art die Entdeckung, dass sich zumindest ein Drittel der Königinnen (sechs von 16) nicht alleine eingraben, sondern zu zweit. So grub er ein Pärchen in 3m Entfernung zum Nest aus. Beide Tiere hatten sich 5cm tief eingegraben und lagen 5cm voneinander entfernt. Der Sinn dieses Verhaltens ist noch unklar:

Out of 16 queens they dug up while looking for the nest, six hibernated in pairs. I also saw this extremely strange behavior where I dug. Out of all the space available, how is it so many do this? I found a pair within 2 inches of one another, 2 inches deep and 10 feet from the entrance hole. It’s as if they said, “Hey, I like you — let’s hibernate together.”
Quelle

Die Ansprüche an den Überwinterungsplatz

Die meisten Königinnen wurden in sehr durchlässigem Boden gefunden, der vor direkter Sonneneinstrahlung beschattet war. Hummeln der meisten Arten schienen bewachsenen Boden zu vermeiden, Streu oder Moos war aber kein Problem. Mehr als die Hälfte aller Hummeln wählten Orte mit nord-westlicher Ausrichtung.
Die Hummeln gruben sich 8 – 11cm tief ein. Diejenigen Tiere, die direkt unter der Streu überwinterten, fand ich im Schnitt nur 15,4cm von dem Baum entfernt, der die Streu produzierte. In einem einzigen Fall fand ich eine Steinhummel, die in 2m Entfernung zu einem ehemaligen Steinhummelnest überwinterte. Ob sie aber überhaupt von diesem Volk abstammt, konnte ich nicht sagen.
(nach Alford, 1969; übersetzt und zusammengefasst)

Die Lage des Überwinterungsplatzes wird sorgfältig gewählt. Es handelt sich nie um Orte, die von der Sonne beschienen werden: Die Gefahr, dass sich die Erde dort leicht und schnell erwärmt und die Hummel zu früh aus ihrem Versteck krabbelt, obwohl noch Winter ist, ist zu groß. Sie würde in Ermangelung von Blüten schnell sterben. Dies erklärt dann auch die Wahl der Himmelsrichtung.

Manchmal reicht auch nur unter eine Laubschicht, wie Alford beobachtete und das Foto eines Spaziergängers von Mitte Dezember 2011 zeigt. Ansonsten findet man die Tiere unter Baumwurzeln oder unter Mauerritzen.

Wie überleben Hummeln den Winter?

Noch im Herbst haben die jungen Königinnen sich den Bauch vollgeschlagen. Ihr Nektarmagen ist gut gefüllt, das Fettpolster dick. Macht es normalerweise 13% des Lebendgewichts aus, sind es zum Überwinterungsbeginn bis zu 16%. Davon bleibt nicht viel übrig: 80% der Fettreserven werden während der Überwinterung aufgezehrt, die restlichen 20% müssen für die ersten Tage nach dem Erscheinen im Frühling reichen.

Auch der Nektar wird rar. Einzelne Königinnen können mehr als 200mg Nektar speichern, das sind mehr als 1/4 des Lebendgewichts. Anfang März sind davon noch 20mg übrig.

Beide Zahlen sind ein Grund mehr, darauf zu achten, dass Hummeln auch im Spätsommer noch reichlich Nahrung finden (Trachtpflanzen).

Wann erscheinen Hummeln im Frühling wieder?

Hier spielt wohl die Bodentemperatur die entscheidende Rolle. Stein (1956) erklärte, dass Erdhummeln erscheinen, wenn die Bodentemperatur in 20cm Tiefe 5-6°C erreicht, bei Steinhummeln, die sehr spät erscheinen, sind es 9°C.

Beekman et al. (1998) haben gezeigt, dass die Tiere zum Überleben mindestens 0,6g schwer sein müssen, leichtere Tiere erleben den Frühling nicht mehr.

Warum wird überraschend viel an der Überwinterung von Hummeln geforscht?

Hummeln sind wichtig für die Landwirtschaft, denn für die Produktion von großen und runden Früchten müssen die Blüten optimal bestäubt werden. Da Hummeln mit ihrem dichtem Pelz hier hervorragende Dienste leisten, setzt man die Tiere in Gewächshäusern ein – und muss Hummelstaaten deshalb vorher züchten. Eine Hummelkönigin beginnt aber nicht ohne weiteres, sondern erst nach der Winterpause mit der Eiablage. Daher suchen Forscher die optimalen Überwinterungs-Bedingungen. Nach möglichst kurzer Überwinterungszeit sollen Königinnen überleben, die viele Nachkommen produzieren, das Volk soll lange leben.

So überwinterte Holm 1972 mehr als 1000 Hummelköniginnen in seinem Kühlschrank bei 4-5°C. Nach 8 bis 9 Monaten in der Kälte überlebten 71% der Tiere, wobei auch er einen direkten Zusammenhang zwischen der Überlebensrate und dem Gewicht der Tiere ausmachte.

Ergebnisse zeigen, dass das Überleben – was die Umgebung anging – nicht von der Temperatur, sondern von der Dauer abhängt, die die Hummel in der Kälte ausharren muss. Die Überlebensrate war bei Tieren am höchsten, die 2,5 Monate (statt 2; 3; 3,5 oder 4 Monaten) überwinterten und dabei eine Woche lang jeden Tag 16 Stunden lang im Dunklen gehalten wurden (statt anderer Tages- bzw. Nachtlängen, Amin et al., 2007).

Quellen & Literatur


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 22. Januar 2012 - 17:43 Uhr | Update: 28. Januar 2017 - 18:41 Uhr | Kategorie: Biologie der Hummeln, Video | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , | Kommentare: 2

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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