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Hummeln

Überraschung: Keine Winterpause für britische Hummeln (Studie)

Eine Mahonie, die im Winter viel Nektar bietet.

Normalerweise erscheinen Hummeln im Frühjahr, gründen ein Volk und sterben im Sommer wieder ab. Die befruchteten Hummeln überwintern dann eingegraben bis zum nächsten Frühling.

In England gibt es nun immer mehr Berichte, dass Hummeln das gesamte Jahr, also auch im Winter, fliegen. Entsprechende Beobachtungen wurden bereits 1957 gemacht, seit 1990 untersucht man das Phänomen in der wissenschaftlichen Literatur.

Beschreibung des Phänomens

In Neuseeland, wo die Temperaturen auch im Winter sehr mild sind, ist es keine Überraschung, dass dort zwei Generationen pro Jahr leben. Das bedeutet, dass die neuen Königinnen vom Sommer sich nicht eingraben (Wie überwintern Hummeln?), sondern sofort einen eigenen Staat gründen.

Aber auch in London und Umgebung findet man immer öfter beispielsweise Drohnen im Februar oder Pollen-sammelnde Königinnen, beides Indizien für eine aktive zweite Generation.

Die Studie

Der in England forschende Wissenschaftler Lars Chittka hat eine Studie begleitet, die untersuchen wollte, wie erfolgreich die Hummeln im Winter sind. Dazu liefen er und seine Mitarbeiter eine bestimmte Strecke durch den Botanischen Garten „seiner“ Uni zwischen Oktober 2007 und März 2008 ab und zählten die vorgefundenen Hummeln. Außerdem statteten sie Hummeln mit einem RFID-Chip aus, da sie so messen konnten, wie lange die Tiere herumflogen und wie viel Nektar und Pollen sie dabei sammelten.

Welche Ergebnisse gab es?





Vorallem im Oktober und November, aber auch später bis in den März hinein fanden sie auf den Spaziergängen Königinnen. Ab dem Dezember gab es dann auch immer mehr Arbeiterinnen, während Männchen nur im Oktober gefunden wurden (eine andere Quelle fand aber auch Männchen im Februar).

Diskussion der Ergebnisse

Dies bedeutet, dass tatsächlich eine zweite Generation aktiv ist. Die Staaten entwickelten sich möglicherweise nicht optimal, weshalb auch nach Monaten noch Königinnen zum Sammeln mit ausfliegen mussten. Die Männchen dürften noch aus der ersten Generation stammen, die nächsten Männchen und Königinnen werden sich außerhalb des Beobachtungszeitraums entwickelt haben, denn die Völker existierten im März, als die Untersuchung endete, noch alle.

Das Nektar- und Pollensammeln war dabei überraschenderweise bei den mit dem Chip ausgestatteten Tieren sehr erfolgreich. Manche Tiere sammelten bei Temperaturen unter 3°C in nur 14 Minuten 40,3 mg Nektar. Diese Zahlen übertreffen sogar manchen Sammelflug im Sommer.

Wie können die Hummeln den Winter überstehen?

Die Hummeln fand man vor allem auf der Mahonie (Foto oben), die im Winter blüht und eine sehr gute Nahrungsquelle ist: Der Nektar enthält zu 36% Zucker (Durchschnitt), jede Blüte aber 4 – 5 µL davon. Das ist sehr viel, denn „normale“ Blüten bieten gerade etwa 1µL Nektar.

Mahonien sind nicht heimisch in England. Dadurch können die Tiere nur in Städten überleben, wo es städtische Parks und Gärten gibt. Dort ist das „Winterfliegen“ aber eine gute Strategie: Praktisch keine Konkurrenz für die Tiere und erste Männchen und Königinnen dann im Frühjahr, wenn die Nahrungssituation optimal ist.

Passende Links

Literatur

  • Stelzer RJ, Chittka L, Carlton M, Ings TC, 2013: Can Winter-Active Bumblebees Survive the Cold? Assessing the Cold Tolerance of Bombus terrestris audax and the Effects of Pollen Feeding. PLOS one, DOI: 10.1371/journal.pone.0080061
  • Diskussion im Forum

Ausblick

23.02.: Vorschrift umgangen: Zuchthummeln bleiben eine Bedrohung für natürliche Völker


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 16. Februar 2014 - 04:09 Uhr | Update: 25. Februar 2016 - 20:14 Uhr | Kategorie: Biologie der Hummeln | Schlüsselwörter: , , , , , , | Kommentare: 2

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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