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Hummeln

Kritik am Nistkasten

Im Nistkasten lassen sich Tiere ansiedeln. Schüler bewerten im Biologieunterricht durch ein Arbeitsblatt oder einen Videovergleich diese Naturschutzmaßnahme. Denn mit Nistkästen werden unter Umständen diejenigen Tierarten auf Kosten schützenswerter anderer Arten gefördert, die sich weniger gut in Nistkästen ansiedeln lassen. Außerdem werden seltene, nicht im Nistkasten angesiedelte Arten durch häufige, durch den Nistkasten geförderte Arten, weiter in ihrem Bestand geschwächt.

Der Einsatz von Nistkästen für bedrohte Arten ist ein allgemeingültiges Beispiel für den Naturschutz. In der Regel werden Vogelnisthilfen – angepasst für die unterschiedlichsten Arten – genutzt.
Doch auch für Hummeln gibt es Nistkästen (Bauanleitungen). Dabei gibt es allerdings ein Problem, das auch für andere Tierarten gilt: Mit dem Nistkasten wird ein Staat (eine Art) gefördert, der dadurch wesentlich mehr Nachkommen produziert als natürliche Staaten hervorbringen. Dies kann sich zu Ungunsten der seltenen und nur schwer in einem Nistkasten anzusiedelnden Hummelarten / Tierarten auswirken. Somit ist der Einsatz des Nistkastens zumindest fragwürdig und kann sogar negative Folgen haben.

Die Schüler erarbeiten sich diesen Zusammenhang selbstständig entweder mit einem Arbeitsblatt (unten) oder durch einen Videovergleich.

A) Erarbeitung durch einen Video-Vergleich

Nennen Sie den Schülern diese Internetseite „aktion-hummelschutz.de„. Dort sollen sie im Menü „Schüler > Videoanalyse Nistkasten“ anklicken.

Während ein Video (hier geht es zu der Schülerseite) den Eingang eines natürlichen Hummelnests zeigt, wurde im anderen Video der Eingang zu einem Hummelnistkasten gefilmt. Die Schüler zählen die Zahl der ein- und ausfliegenden Hummeln und rechnen die Ergebnisse auf „pro Minute“ um. Anschließend werden Rückschlüsse bzgl. der Größe des Staats gezogen und Ursachen für die Unterschiede überlegt.

Lösungen

Nistkasten: 15 ein- oder ausfliegende Tiere in 2:00min, also 7,5 Tiere pro Minute
Erdnest: 7 ein- oder ausfliegende Tiere in 4:02min, also 1,7 Tiere pro Minute
Das Volk im Nistkasten muss also mehr als 4x so groß sein.

Ursachen: Das Erdnest ist weder vor dem Eindringen von Feinden noch vor Klimaeinflüssen (z.B. eindringender Regen) geschützt. Der Nistkasten hält dagegen das Klima immer gleich und optimal, Feinde werden außerdem durch die Klappe abgewehrt.

Bewertung:
1. Hummeln (Tiere) kann man durch einen Nistkasten massiv fördern.
2. Seltene Arten, die nicht in einem Nistkasten vorkommen, können nicht „mithalten“ und werden in ihrem Bestand beeinträchtigt.

B) Erarbeitung mit dem Arbeitsblatt

Das Arbeitsblatt wurde mehrfach erfolgreich genutzt und auch in einer Examensarbeit einer Homepagebesucherin erfolgreich benutzt. Es ist sehr einfach. Hier kann man es herunterladen.

Lösungen

Die Schüler ermitteln sehr schnell, dass die nicht im Nistkasten lebenden Arten schlechtere Überlebenschancen haben, und dass durch den Nistkasteneinsatz ihr Bestand sogar geschädigt werden könnte. Argumentiert werden muss mit dem höheren Energie- und Ressourcenverbrauch der Feldhummeln, da das Klima im Nest wesentlich schlechter reguliert werden kann, zusätzliches Wachs zum Abdichten benötigt wird, das Nest häufiger repariert werden muss und häufiger gegen Feinde verteidigt werden muss. Daneben sind die Nektarvorräte geringer, da der Nektar durch die zahlreicheren Erdhummeln in den Blüten knapp wird. Außerdem kann er nicht im gleichen Maß für die Vermehrung genutzt werden, da er stattdessen zur Klimaregulation etc. „verbrannt“ wird.
In den bisherigen erprobten Unterrichtseinsätzen konnten die Schüler selbstständig Regeln für einen echten, naturverträglichen Nistkasteneinsatz aufstellen. Beispielsweise gehört dazu der grundsätzliche Nistkasteneinsatz für seltene Arten. Sind keine seltenen Arten vorhanden, würde auch ein Einsatz für häufige, ungefährdete Arten unproblematisch sein.
Das Arbeitsblatt bietet durch einen Hinweis im Text auch die Möglichkeit, über weitere Schutzmöglichkeiten nachzudenken. So würde ein blühender Garten sicherlich beiden Arten helfen.
Die Schüler selbst interessieren sich natürlich auch zum Schluss für die Meinung des Lehrers. Da diese nicht im Vordergrund stehen sollte, führe ich noch einen i. d. R. nicht genannten Pluspunkt für den Einsatz eines Nistkastens an: Die enorme Öffentlichkeitswirksamkeit des Kastens. Da Hummelnistkästen mind. doppelt so groß wie Vögelnistkästen sind, reizen sie förmlich Nachbarn und Spaziergänger dazu, Fragen über den Sinn des Kastens zu stellen. Im folgenden persönlichen Gespräch lässt sich mehr für den Hummelschutz erreichen als mit jeder Broschüre. Schon deshalb ist selbst ein nicht besiedelter Nistkasten ein Beitrag zum Hummelschutz :-).


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 1. Juni 2011 - 21:17 Uhr | Update: 1. Juni 2011 - 22:02 Uhr | Kommentare: 1

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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1 Kommentar

  1. Lothar Seifert | | Link zum Kommentar

    Das ist einmal eine sehr interessante Betrachtungsweise. Vielen wird das nicht gefallen, dass Ihre Arbeit für die Natur unter Umständen auch schädlich sein kann. In meinem Garten siedeln Erdhummeln in einem eigens dafür angelegten Erdhaufen, auch in Nistkästen für Vögel hatte ich schon ein Hummelnest. Für Wildbienen biete ich Insektenhotels mit verschiedenen Lochdurchmessern (2 – 10 mm) an. Ich hoffe nicht, dass das für einige andere Arten, wie z.B. die Sandbienen, einen Schaden bringt. Bauplan Insektenhotel
    Viele Grüße und danke für die guten Informationen auf dieser Webseite.

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