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Stand der Dinge: Neonicotinoide

Gasmaske
Gasmaske

Eine Gasmaske ist unerlässlich beim Ausbringen von Pflanzengiften. Diese Gasmaske war allerdings beim Festival of colors 2012 im Einsatz. Das Foto Breathe In, Breathe Out von Thomas Hawk steht unter CC-Lizenz.

Seit der Abstimmung über das Verbot von Neonicotinoiden auf EU-Ebene, bei der sich Deutschland enthielt und dadurch keine Mehrheit für ein Verbot erreicht wurde, melden sich die unterschiedlichsten Medien und Gruppen zu Wort. Dieser Artikel fasst die verschiedenen Positionen zusammen.

Nach einer Darstellung auf agrarheute.com verfolgt die EU-Kommission das Verbot weiterhin:

„EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg will nach Ostern einen Berufungsausschuss einsetzen, um die Abstimmung zu wiederholen.“
Quelle: agrarheute.com

Sollte es dabei nicht zu einer Einigung kommen, könnte das Verbot per Verordnung durchgesetzt werden.

Inhalt:

– Firma empfiehlt Bauern den Verzicht auf Neonikotinoide
– Faktencheck „Freitag“
– Position „Bayerischer Bauernverband“
– Position „Großbritannien“
– Position „Österreich“
– Position „Hersteller der Neonicotinoide“

Firma empfiehlt Bauern den Verzicht auf Neonikotinoide

Wie mir die aufmerksamen Bienenfreunde von wildbee.ch berichtet haben, empfiehlt Koppert NL den Landwirten, unbedingt auf Neonikotinoide zu verzichten. Die Firma züchtet Hummeln und verkauft diese zur Bestäubung an Landwirte. Die Datenbank verrät „Sehr gefährlich: Beeinträchtigung > 75%. Kein kombinierter Einsatz“.
Quelle: Wählen Sie auf der Seite „Bombus“ für Hummeln und dann beispielsweise das Neonikotinoid „Imidacloprid“ aus.

Faktencheck „Freitag“

Eine aufwändige, grafische Darstellung soll alle Fakten zu Neonikotinoiden darstellen. Zum Schluss wird bewertet. Fazit des „Freitag“: Die Studien sind fragwürdig, aber besser wir verbieten die Neonikotinoide mal.
Quelle: Freitag

Bayerischer Bauernverband

Walter Heidl ist Präsident des Bayerischen Bauernverbandes. Er findet den Einsatz von Neonicotinoiden gut, die Studien, die Gefahren aufzeigen, nicht richtig und, dass wir in Deutschland eh große Auflagen haben. Na dann.
Quelle: Bayrisches landwirtschaftliches Wochenblatt

Position „Österreich“

Der Einsatz von Neonikotinoiden hat sich in Österreich von 2000 bis 2009 mehr als verdreifacht. Die Regierungskoalition zwischen SPÖ und ÖVP ist uneins. Die SPÖ will ein Verbot der Neonikotinoide, die ÖVP nicht.
Quelle: News.at

Position „Großbritannien“

Großbritannien hatte sich wie Deutschland bei der Abstimmung enthalten. Die Briten halten die wissenschaftlichen Studien für falsch, glauben aber auch, dass es bessere Studien nicht geben kann, denn Feldversuche würden auch keine belastbaren Daten ergeben.
Quelle: Raiffeisen.com

Position „Hersteller der Neonicotinoide“

Die beiden Hersteller von Neonicotinoiden haben Ideen vorgestellt, mit denen sie das Bienensterben verhindern wollen. Die beiden Firmen sprechen von einem „Aktionsplan“, er enthält acht Punkte.

Das Hauptaugenmerk der Hersteller liegt auf drei Punkten:

  • Die Neonicotinoide sind nicht Schuld am Bienensterben. Schuld sind Krankheitserreger (und zu wenige Lebensräume, siehe 2.). Die Firmen möchten beim Kampf gegen die Erreger stärker aktiv werden.

Kommentar: Das heißt nichts anderes, als dass Landwirte die Pestizide weiterhin ausbringen können – jetzt auch noch mit gutem Gewissen, denn ihre Pestizide sind ja ganz harmlos. Die Schuld in – nach Ansicht der Firmen – zu wenig erforschten Quellen zu suchen ist ungefähr so, wie wenn der ARD-Tatort mit der Szene endet, dass keiner der gezeigten Akteure der Täter ist und man in mehreren Jahre vielleicht mehr weiß, die Sendung ist jetzt aber erstmal zu Ende. Hmmm….

  • Die Hersteller schlagen vor, die Ackerrandstreifen neben gerade solchen Ackerflächen breiter zu gestalten, die mit Neonicotinoiden behandelt wurden. Dabei sollen gerade solche Blumen ausgesät werden, die Bienen nützen.

Kommentar: Was für eine Erkenntnis: Sät man mehr Blumen aus, die Bienen nützen, nützt das dann den Bienen. Toll. Was die Hersteller übrigens für die Ackerrandstreifen tut, wird nicht ganz klar, es ist eben eine Forderung an die Landwirte. Setzt man sie aber dann um, werden die Bienen erst recht zu denjenigen Äckern gelockt, die mit Neonicotinoiden behandelt wurden. Dann kommen die Bienen garantiert mit den Pestiziden in Kontakt. Studien haben nämlich bewiesen, dass Ackerrandstreifen einen großen Teil der Pestizide, die vom Acker verdriftet werden, abfangen und „aufnehmen“.

Weshalb setzen die Landwirte eigentlich nicht jetzt schon breitere Randstreifen ein? Für die beiden Hersteller ist die Forderung jedenfalls günstig: Sie selber müssen nichts machen, und die Pestizide können auch eingesetzt werden.

  • Untersuchungen und Daten sammeln: Das fasst so ziemlich alle anderen Punkte zusammen. Beispiel: „Nachweis von Rückständen neonikotinoidhaltiger Pflanzenschutzmittel – insbesondere in den Kulturen Mais, Raps, Sonnenblumen
    und Baumwolle.“

Kommentar: Wenn Sie sich jetzt fragen, warum das ausgerechnet an diesen Pflanzen untersucht werden soll: Das sind diejenigen, bei denen keine Neonicotinoide mehr eingesetzt werden sollen.
Was die Idee angeht: Alles längst eindeutig untersucht. Es existieren bereits Studien, die Rückstände in Pollen und Nektar nachgewiesen haben.

(Quelle: Pressemitteilung)


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 17. April 2013 - 02:01 Uhr | Update: 12. April 2013 - 22:16 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare: 0

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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