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Hummeln

Wissenschaftler beurteilen Gefahr durch Insektengift neu

Neonikotinoide: Studie sieht keine ausreichenden Belege für kausalen Zusammenhang zum Bienensterben

Die Samen sind pink angefärbt, denn eine Schicht Insektizide umhüllt die Samen. Dies ist die übliche Methode, Neonikotinoide auszubringen, die Pflanzen nehmen das Mittel dan über die Wurzeln auf. Das Foto Planting wheat trials by hand durch CIMMYT steht unter CC-Lizenz.

Die Samen sind pink angefärbt, denn eine Schicht Insektizide umhüllt die Samen. Dies ist die übliche Methode, Neonikotinoide auszubringen, die Pflanzen nehmen das Mittel dann über die Wurzeln auf.
Das Foto Planting wheat trials by hand durch CIMMYT steht unter CC-Lizenz.


Neonikotinoide waren DAS Thema des Jahres 2013: Wissenschaftliche Studien hatten die Gefahr dieser Pflanzenschutzmittel immer wieder aufgezeigt, so dass die Insektizide gegen den Willen der Industrie und der Landwirtschaft für zwei Jahre verboten wurden.

Jetzt haben Wissenschaftler die Gefahr durch Insektizide neu bewertet: Es gebe keine ausreichenden Beweise für einen Zusammenhang zum Bienensterben.




1. Ergebnis: Ja, Neonikotinoide sind gefährlich

Landwirte ärgern sich über Einbußen durch Schädlinge. Jetzt freuen sie sich über eine neue Studie aus England.

Als ein erstes Ergebnis wird deutlich, dass Neonikotinoide gefährlich und tödlich für Bienen und Hummeln sind.

2. Ergebnis: Die bisherigen Studien wurden falsch durchgeführt

Diese Gefahr ist aber von der Dosis abhängig, ein Aspekt, der in den Klagen der Industrie eine große Rolle spielt und den Kritiker in der Vergangenheit immer angeführt haben:
Alle sind sich einig, dass Bienen und Hummeln Neonikotinoide zu sich nehmen, aber uneinig ist man sich über die Menge. So schreiben die Forscher nun, dass

  • die aufgenommene Menge grundsätzlich unter der tödlichen Dosis liege. Selbst in extremen Fällen könnte die tödliche Dosis nicht erreicht werden:

    „A colony of 10 000 workers was observed to store 750 g of pollen in four days. If all the pollen was similarly contaminated this equates to 8–11% of the acute oral LD50.“

  • die in Versuchen verwendeten Konzentrationen zur Ermittlung der Folgen von nicht-tödlichen Dosen zu hoch gewählt worden seien. Zwar wären die Laborversuche eindeutig, doch eben künstlich und infolgedessen nicht einwandfrei auf die reale Lage übertragbar. Andererseits wäre bei den Freilandstudien nur mit wenigen Exemplaren von Hummeln und Bienen gearbeitet worden. Daneben seien die Neonikotinoid-Mengen außerdem zu hoch angesetzt gewesen:

    „The concentrations of insecticide are at the high end of those observed in the nectar and pollen of treated plants and are likely to be greater than most bees will receive in the field because alternative food sources were not available.“

Wird also die aufgenommene Menge angezweifelt, sind die Ergebnisse, wie z.B. das Resultat, dass Hummeln durch Neonikotinoide weniger Nachkommen produzieren, unbrauchbar.

Offene Fragen

Das Verbot der Neonikotinoide ist auf zwei Jahre begrenzt. Anschließend soll das Verbot erneut überprüft werden. Kippt die EU auf der Grundlage dieser Studie nun das Gift-Verbot?

Bislang haben sich große Umweltorganisationen nicht zur Studie geäußert. Warum?

Dabei wirft die Studie noch eine andere Frage auf: Was machen die Landwirte jetzt eigentlich ohne die Neonikotinoide? Setzen sie weniger Insektizide ein, oder nutzen sie schlimmere Alternativen?

„A major question to be addressed is what farmers will do now that they face restrictions on the use of neonicotinoids. Will they switch to crops that need less insecticide treatment or might they apply older but more dangerous chemicals?“
(Quelle)

Links

  • Godfray HCJ, Blacquière T, Field LM, Hails RS, Petrokofsky G, Potts SG, Raine NE, Vanbergen AJ, McLean AR, 2014: A restatement of the natural science evidence base concerning neonicotinoid insecticides and insect pollinators. In: Proceedings of the Royal Society B, 2014, Volume 281, Number 1786, Open Access, doi: 10.1098/rspb.2014.0558
  • Neonicotinoide: Wirkung

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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 15. Juni 2014 - 07:00 Uhr | Update: 15. Juni 2014 - 09:03 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , | Kommentare: 1

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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1 Kommentar

  1. Kurt Lorenz | | Link zum Kommentar

    Wurde bei der abschwächenden Beurteilung von Neonikodinoinen auch die Lobbyarbeit von Monsanto berücksichtigt?

    Antworten
     

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