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Hummeln

Asoziale Hummeln: Eine Studie

Quelle & Lizenz im Artikel
Yellow Rattle

Der Kleine Klappertopf: Seine Blüten lassen sich auch seitlich anstechen, die Hummel klaut dann den Nektar, ähnlich wie ein Bankräuber das Geld. Erlerntes oder angeborenes Verhalten? D. Goulson hat die Antwort gefunden. Das Foto Yellow Rattle von Ian Keith steht unter CC-Lizenz.

Soziale Insekten? Pah! Romantische Vorstellungen sind bei Hummeln manchmal wirklich fehl am Platz. Sie beißen ihre Königin, meutern und werfen sie aus dem Nest (Competition point). Sie sind egoistisch und nicht selbstlos. Und sie klauen.

Jawohl, sie klauen und zwar Nektar.

Eigentlich war das anders geplant

Eigentlich hatte die Evolution es so eingerichtet, dass die Hummeln Nektar bekommen, dafür aber die Pflanzen bestäuben.

In manchen Blüten liegt der Nektar aber so tief verborgen, dass nicht alle Hummelarten an den Nektar kommen. Also stechen diese mit ihrem Rüssel seitlich in die Blüte und saugen den Nektar ab. Die Staubgefäße berühren sie gar nicht erst. Diesen Blüteneinbruch hatte schon Charles Darwin beobachtet und sich gefragt, ob das Verhalten angeboren oder erlernt ist.

Angeborenes oder erlerntes Verhalten? Die Untersuchung:

Britische Wissenschaftler unter der Leitung von D. Goulson haben drei Jahre lang in der Schweiz diese Frage untersucht. Dort wächst der Kleine Klappertopf, eine Pflanze mit länglicher Blüte. Außerdem lebt dort Bombus wurflenii, die Bergwaldhummel. Sie hat einen kurzen Saugrüssel. Er ist zu kurz, um auf natürlichem Weg an den Nektar zu gelangen. Also kommt es zum Blüteneinbruch, wobei aufgrund der Blütenform der Nektarklau nur seitlich erfolgen kann.

Dabei fand Goulson, dass die Hummeln in einem Jahr bevorzugt die Blüten von rechts, in anderen Jahren von links perforierten. Die bevorzugte Seite wurde zudem im Laufe des Jahres immer öfter angesteuert, während dies im Frühling noch nicht so ausgeprägt war.

Erklärung: Eine Theorie

Goulson erklärte das so, dass Hummeln voneinander lernen und das Verhalten nicht angeboren ist.

Der Theorie nach hat eine Hummel das Verhalten beobachtet, erlernt und dann überwintert. Im folgenden Jahr hat sie dieses Verhalten gezeigt und ist dabei erneut von anderen Tieren beobachtet worden. Wenn diese erste Hummel eine „Rechtshänderin“ war, also den Blüteneinbruch auf der rechten Seite durchführt, und viele Hummeln sie dabei beobachten, wird in diesem Jahr der Blüteneinbruch bevorzugt rechts erfolgen.

Damit konnte Goulson die Beobachtungen plausibel erklären.

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Asoziale Hummeln: Eine Studie:
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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 9. Juni 2013 - 02:00 Uhr | Update: 24. Mai 2013 - 20:13 Uhr | Kategorie: Biologie der Hummeln | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , | Kommentare: 1

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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1 Kommentar

  1. Martin | | Link zum Kommentar

    Der Theorie nach hat eine Hummel das Verhalten beobachtet, erlernt und dann überwintert. Im folgenden Jahr hat sie dieses Verhalten gezeigt und ist dabei erneut von anderen Tieren beobachtet worden. Wenn diese erste Hummel eine “Rechtshänderin” war, also den Blüteneinbruch auf der rechten Seite durchführt, und viele Hummeln sie dabei beobachten, wird in diesem Jahr der Blüteneinbruch bevorzugt rechts erfolgen.
    Dieser Teil überzeugt mich überhaupt nicht. Es gibt kaum Pflanzen die zu beiden Flugzeiten der Königinnen blühen – also sowohl im Sommer als auch im darauffolgenden Frühjahr. Mir fallen zumindest keine ein, an denen Nektarraub stattfindet.

    Konkret zu der Studie: Jungköniginnen von wurflenii treten erst ab Ende August auf, zu dem Zeitpunkt blüht m.W. der Klappertopf schon lange nicht mehr. Sie fliegen dann im nächsten Jahr von Ende März bis maximal Mitte Mai, der Klappertopf hat dann noch nicht angefangen zu blühen.

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