Steckbrief zu Hummeln (Seite 2)

1. Frühling

Jetzt fliegen nur Königinnen

Haben Sie im Frühjahr schon einmal die besonders dicken und großen Hummeln gesehen?

Es handelt sich dabei um Königinnen – denn alle anderen Hummeln existieren noch nicht.

Hummeln gründen ihren Staat in jedem Jahr neu. Während bei den Honigbienen die Königin mit vielen Arbeiterinnen überwintert, sterben bei den Hummeln alle Tiere im Herbst und Winter ab. Lediglich die so genannten Jungköniginnen überwintern und werden dann im Frühjahr zur Königin.

Machen Sie es sich bewusst: Hier fliegt gerade ein kompletter Insektenstaat herum. Wer eine solche Hummel tötet, vernichtet eben nicht (nur) ein einziges Tier. Er vernichtet ein ganzes Volk!

Die dicken Hummeln fallen durch ihre Statur und ihr Verhalten auf. Ihr Honigmagen ist mit Nektar noch aus dem vergangenen Jahr gefüllt. Er dient jetzt als Treibstoff und wird sparsam verbrannt. Wenn die Fettreserven und der Nektar zur Neige gehen, besucht die Hummel die Blüten in der Umgebung. Dort frisst sie auch zur Entwicklung ihrer Eierstöcke Blütenstaub. Auch aus diesem Grund sind die Exemplare besonders dick. Die Eierstöcke der Königinnen schwellen an, nun muss die Königin möglichst schnell einen Nistplatz finden, um Eier zu legen.

Nest

Wenn eine Hummelkönigin ihren Überwinterungsplatz verlassen hat, gibt es kein Zurück mehr. Sie muss nun hoffen, dass just in dem Augenblick, wo sie das Überwintern beendet, viele Pflanzen aufblühen und Nektar und Blütenstaub zur Ernährung bieten. Außerdem muss sie in wenigen Tagen einen geeigneten Nistplatz finden. Leider steht es in vielen Regionen heutzutage in beiden Punkten nicht zum Besten.

Als Nistplatz kommen trockene, dunkle und höhlenartige Verstecke in Frage. Dabei kann es sich um verfilzte, abgestorbene Graspolster, Steinhaufen oder Mäusenester handeln. So existieren oberirdische und unterirdische Nester.

Thomas Huxley (englischer Forscher vor 100 Jahren) spielte auf die Bestäubungsleistung der Hummeln an und witzelte im Zusammenhang mit der Nistplatzwahl:

„Die Existenz des britischen Empires hänge dann ja wohl vor allem von alten Jungfern ab, die bekanntlich besonders viele Katzen hielten. Und die Katzen würden Mäuse fressen, die Hummelnester zerstören.“

Tatsächlich sind Mäusebauten ideale Nistplätze. Es gibt Berichte, nach denen die Mäuse freiwillig ihren Bau verlassen, wenn sich eine Hummelkönigin für ihren Bau entschieden hat. Anscheinend reichen das drohende Brummen und der Stachel der Königin, dass die Mäuse Reißaus nehmen.

Im neuen Nest fertigt die Königin zunächst eine Nestkugel aus Moos, Mäusehaaren, Grashalmen und anderem Material, was sich im Nest befindet. Es wird häufig mit Wachs abgedichtet und so dicht verwoben, dass es gegen kalte Nächte im Frühjahr schützt. Hin und wieder kann man auch Hummelköniginnen beobachten, die eigenes Nistmaterial eintragen.

Das Bild oben zeigt ein noch kleines Ackerhummelvolk mit ganz wenigen Tieren und einer großen Königin in der Bildmitte. Bei dem weißen Material handelt es sich um Einstreu, wie man sie auch in Mäusekäfigen verwendet und in jeder Drogerie kaufen kann, das Volk lebt in einem Nistkasten.

Aufbau des Nests

Hummeln bilden keine Waben wie die Honigbienen, ihr Nest ist chaotischer. Sie bauen aber auch mit Hilfe von Wachsdrüsen am Hinterleib Zellen, die eine tonnenform haben. Im Foto unten sind diese am Nestrand oben zu erkennen.

In die Zellen legt die Königin mehrere Eier ab, aus denen Larven schlüpfen. Diese werden mit Blütenstaub gefüttert und wachsen heran. Die Hummeln vergrößern die Wachszellen immer mehr. Unten links sieht man das hellbraune Wachs mit den darunter liegenden Larven.

Natürliches Nest der seltenen und streng geschützten Waldhummel.

Die Larven verpuppen sich, die Hummeln kratzen das Wachs ab und verwenden es für andere Zellen erneut. Die Puppen erkennt man im Foto rechts (hellgelb).

Das folgende Foto zeigt das Nest eines Erdhummelstaats (B. lucorum). Es handelt sich um ein Volk in einem Nistkasten. Das umgebende Material ist Polsterwolle, im Kern der Polsterwolle haben die Tiere eine faustgroße Höhle mit Wachs (braun) ausgekleidet, die für das Foto geöffnet wurde. Die Hülle isoliert und schützt das Nest mit seinen Zellen.

Das Foto zeigt das Nest eines Erdhummelstaats (B. lucorum). Es handelt sich um ein Volk im Nistkasten von Susanne Luft (© 2005). Das umgebende Material ist Polsterwolle, im Kern der Polsterwolle haben die Tiere eine faustgroße Höhle mit Wachs (braun) ausgekleidet, die für das Foto geöffnet wurde. Die Hülle isoliert und schützt das Nest mit seinen Zellen. © Susanne Luft
© Susanne Luft

Die Wachszellen dienen auch der Aufbewahrung von Nahrung, also von Blütenstaub (Pollen) und Nektar. Der Nektar ist klar und wässrig. Auf dem Foto spiegelt sich das Licht an der Oberfläche, so dass es aussieht, als sei die Wachszelle mit einer Folie überzogen. Das Tier auf der rechten Seite trinkt zum Zeitpunkt des Fotos Nektar.

(© Luft)

Das Wachs entstammt „Hautdrüsen zwischen den aufeinander folgenden Segmenten sowohl der Bauch- als auch der Rückenseite des Hinterleibs“ und wird „als Schüppchen ausgeschwitzt (Honigbienen haben Wachsdrüsen nur an der Bauchseite der letzten vier Hinterleibssegmente)“ (Heinrich, 1979, S. 21).

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Weiter lesen: Das Leben der Hummeln im Jahresverlauf

Ausführlicher und Fotos:

  1. Frühling
  2. Frühsommer
  3. Sommer
  4. Herbst und Winter: Wie überwintern Hummeln?
  5. Literatur

17 comments on “Steckbrief zu HummelnKommentar verfassen →

  1. Es ist nicht so dass Hummeln nur kurz leben…
    Die Information ist einfach falsch…
    Meine Erd-Hummel Königin habe ich 2 Sommer gesehen
    Bitte korrigieren Sie ihre Einträge

    1. Nein, Ihr Kommentar ist falsch. Wo steht denn, dass die nur kurz leben? Da steht doch, dass Königinnen etwa 1 Jahr leben. Sie existieren vom Sommer des einen Jahres bis zum Sommer des kommenden Jahres (Erdhummel).
      Alle Angaben sind korrekt.

  2. Ich füttere jetzt seit 31 Tagen eine Hummel, die nicht mehr fliegen kann und frage mich, wie lange sie es wohl noch aushält in ihrem mit täglich frischen Blüten und einer Verschlusskappe voll mit Zuckerwasser bestückten Körbchen.
    Schönes Bild- und Videomaterial stelle ich gerne zur Verfügung!

    1. Ich vermute, dass die Hummelkönigin krank ist. Hat sie Stummelflügel? Dann leidet sie unter einem bestimmten Virus, die Hummel wird unweigerlich früher oder später sterben. Schau mal hier: https://aktion-hummelschutz.de/biologie/parasiten-und-feinde-von-hummeln/deformed-wing-virus-dwv-bei-hummeln/

      Bitte schicke mir doch dein Foto- und Videomaterial, sofern du eine Veröffentlichung erlaubst. Hier steht meine Adresse: https://aktion-hummelschutz.de/kontakt-impressum/

  3. Seit einigen Jahren habe ich immer Erdhummeln in meinem Hummelkasten. Heute habe ich gelesen das diese Hummel BVBHUMMELN genannt werden. Ich bin von Geburt an SCHALKE FAN hab ich mich strafbar gemacht
    Blau Weiße Grüße aus Wanne Eickel
    Glück Auf

    1. Oh je, was habe ich angerichtet. Und dann futtern Ihnen die BVB-Hummeln im Schalke-Garten auch noch den Nektar weg. Wie stehen Sie denn zu Dynamo Dresden? Dann nennen wir die BVB-Hummel ab sofort Dynamo-Hummel und bei Ihnen kommen keine schmerzhaften Gefühle hoch ;-). Und jetzt kommst noch dicker:
      Rot-weiße Fortuna-Düsseldorf-Grüße nach Wanne-Eickel
      😉

  4. Liebe (Hummel)- Tierfreunde,
    seit ca. 14 Tagen kommt immer dieselbe Hummel (denke Borussia-Hummel) auf unseren Balkon und „bedient“ sich an den noch vorhandenen Blüten. Der Nektargehalt der Blüten ist ja nun nicht mehr so wie im Sommer. Darum gebe ich in die Blüten immer Honig, damit die Hummel was zum Laben hat.
    FRAGE?? Ist das richtig mit dem Honig? Die Hummel jedenfalls nimmt es dankend an und kommt so etwa 20x am Tage angeflogen!
    Vielen Dank für ein mögliche Info. Herzlichst, Spike

  5. Ich habe einen naturgarten mit vielen futterpflanzen für hummeln und co. Hummelnester und Insekten hotels. Ich erkläre den Lruten auch, dass Gift in keinen Garten gehört. Es gibt genügend natürliche Mittel. Zur Stärkung der Insekten gebe ich Fruchtzucker in flüssiger Form nach drn kalten Tagen. Sehr traurig das so viele Hummelchen sterben. Kann man nichts tun?

  6. Habe heute eine tote Hummel gefunden. Unter dem Mikroskop 40x habe ich am Kopf, um den Rüssel herum, eine klare zähe oder klebrige Masse entdeckt ?. Hat jemand eine Antwort ?.

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