Video: Hummel im Netz einer Spinne

Die Wahrheit über ein erfolgreiches Video im Internet

Zur Zeit wird ein Video durch die sozialen Netzwerke gereicht (aktuell etwa 2 Mio. Klicks!) in dem eine Hummel in ein Spinnennetz fliegt und in dem eine andere Hummel bereits zappelt. Die zweite Hummel soll die Spinne dann stechen und dadurch die erste befreien. Tatsächlich flieht die Spinne.

Rührend, nicht wahr?

Aber es ist gar nicht wahr, dass die eine Hummel der anderen Hummel hilft. Es ist noch nicht einmal wahr, dass die zweite Hummel zusticht.

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=Zs_3FHh3z4o

Was ist mit der „Stich-Szene“?


Bei Sekunde 45 wird ein Standbild gezeigt, dass den Stachel zeigen soll. Die Hummel soll die Spinne stechen.
Zu sehen ist aber das Hinterbein. Der Stachel ist in Wirklichkeit sehr kurz und sehr viel dünner, als das Gebilde, was wir bei 0:45 sehen. Dazu kommt, dass man den dickeren „Oberschenkel“ und den dünneren „Unterschenkel“ eindeutig sehen kann – der Stachel ist gleichmäßig dünn.

Zum Vergleich: Der Stachel einer Hummel – achten Sie darauf, wie dünn und kurz der Stachel ist: UPDATE 24.05.2018: Aus Datenschutzgründen finden Sie das Foto auf der Plattform flickr hier.

Was ist wahr?

Hummeln sind sehr kluge und tolle Insekten. Sie merken sich Blüten und Neststandorte auch dann, wenn sie kilometerweit auseinander liegen. Sie beobachten sich tatsächlich gegenseitig beim Blütenbesuch, z.B.:

In Gegenden, wo Krabbenspinnen vorkommen, scheint es also die richtige Strategie zu sein, nicht die erste Hummel an einer solchen Blüte zu sein, denn die würde von der Krabbenspinne direkt gefressen. Sinnvoller ist es, einer anderen Hummel den Vortritt zu lassen und zu schauen, ob diese überlebt.

Das bedeutet, dass eine Blüte gewählt wird, wo eine Artgenossin überlebt hat, auch wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass diese Blüte schon besucht wurde und daher weniger Nektar und Pollen bietet.

Diese Strategie verfolgen die Hummeln tatsächlich: Die Forscher simulierten Blüten, die mit Krabbenspinnen besetzt waren. In solchen Versuchen wählten die Hummeln prompt Blüten , auf denen bereits andere Hummeln saßen, leere Blüten mieden sie. Kamen keine Krabbenspinnen vor, wurden alle Blüten geleichmäßig (zufällig) angeflogen.
Quelle

Sie kommunizieren und warnen durch Geräusche mit den Flügeln und treten im Nest für die Königin ein. Hummeln kommunizieren durch Duftstoffe. Sie markieren Blüten und informieren dadurch ihre Verwandten, dass sie gerade hier waren und nichts mehr zu holen ist (Vgl. Orientierung und Kommunikation). Hummeln lernen rasch, wie sie Blüten möglichst schnell vollständig ausbeuten können und unterscheiden rasch die lohnenden von den weniger ertragreichen Blüten. Sie wählen sogar warme Blüten in der Sonne häufiger als kalte, weil sie selbst dadurch weniger Energie verlieren. Ihr ganzes Dasein ist eine einzige Kosten-Nutzen-Rechnung.

Und deshalb helfen sie sich nie außerhalb des Nests. NIE. Dort arbeiten sie alleine und sammeln völlig stur Nektar und Pollen. Hat eine andere Hummel Probleme, fliegen die Tiere nicht zu ihr. Sie muss mit dem Ärger selber fertig werden.

Das machen im Video beide Hummeln. Sie zappeln wie wild im Spinnennetz, zerstören das ganze Netz und lehren dabei der Spinne das fürchten. Das machen Hummeln immer, wenn sie in ein Spinnennetz fliegen. Sie sind in der Regel so schwer, dass sie keine Spinnenbeute werden, sondern die Spinnen eher die Fäden zu den Hummeln kappen, damit das Netz nicht weiter beschädigt wird.

Mein Fazit

Das Video zeigt also einfach nur zwei plumpe Hummeln, die ins Spinnennetz gekracht sind und sich ziemlich wild zu befreien versuchen.

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