Ergebnisse: Ist die Bestäuberkrise da?

Immer weniger Bienen und Hummeln – gibt es eine Bestäuberkrise?

Das war Ausgangspunkt für ein Hummelprojekt in 2017, bei dem Hummelfreunde an der Wachsblume mehr als 6600 Blüten und tausende Samen zählten und daraus ermittelt wurde, wie gut die Bestäubung noch klappt.

Das Projekt war ein Citizen Science Projekt.

Nun liegen die Ergebnisse vor:

Es konnte keine Bestäuberkrise nachgewiesen werden, weil in Gärten mit und ohne Hummelnest in etwa gleich viele Samen pro Blüte entstanden. Die Bestäubung war aber auch nicht optimal war, weil nur 1,04 statt möglicher 2 Samen pro Blüte entstanden.

Details

Grafische Darstellung der wichtigsten Parameter.
  • Die Untersuchung konnte eine Selbstbestäubung bei der Wachsblume ausschließen. Der zu erwartende Wert von 0 Samen pro Blüte wurde zwar im Durchschnitt nicht voll getroffen, kam ihm aber sehr nahe (0,05 Samen/Blüte). Dies ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber der britischen Studie, bei der leider nach der Untersuchung eine Fremdbestäubung nicht ausgeschlossen werden konnte. Die wenigen entstanden Samen können beispielsweise dadurch entstanden sein, dass durch Rütteln (vorbeigehende Personen, Wind) doch zufällig einzelne, sehr wenige Blüten bestäubt wurden. Ein Teilnehmer beobachtete auch sehr viele Schwebfliegen, einer einen Schmetterling an einer Wachsblume.
    Ein Manko hatte der Versuch von Anfang an: Die Pflanze innen konnte wie gewollt nicht von Hummeln angeflogen werden, hatte aber nicht die gleichen Bedingungen zum Wachsen wie draußen. Sechs Teilnehmer berichteten, dass die Pflanze vergeilte. Kritiker könnten angeben, dass auch deshalb weniger Samen gebildet wurden – nicht wegen fehlender Bestäubung.

  • Es konnte kein Bestäubermangel durch Hummeln nachgewiesen werden. An Pflanzen, die eine optimale Versorgung mit Hummeln hatten (mit Hummelnest im Garten) wurden nur unwesentlich mehr Samen erzeugt als in Gärten ohne Hummelnest.

    Vgl. Abbildung oben:
    Durchschnitt: 1,04 Samen/Blüte. Mit Hummelnest: 1,11 Samen/Blüte. Ohne Hummelnest: 1,07 Samen/Blüte.

    Eine optimale Bestäubung ergäbe ein Verhältnis von zwei Samen pro Blüte (grüner Bereich in der Abbildung oben). Eine Bestäubung, die im Schnitt 1,04 Samen pro Blüte erzeugt, zeigt auch, dass es keine Bestäuberkrise gibt, die Bestäubung aber auch sehr viel besser sein könnte.

  • Die Umgebung hatte wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Bestäubungsergebnis. Hier sind aber nur wenige Ergebnisse eindeutig zuzuordnen, so dass dieser Teil nicht sinnvoll ausgewertet werden kann.

Download

Sie können die ausführliche Studie hier herunterladen…

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4 Kommentare zu “Ergebnisse: Ist die Bestäuberkrise da?Kommentar verfassen →

  1. Für uns war es eine bereichernde Erfahrung, an diesem Projekt teilzunehmen. Die Hummeln sind dabei endgültig zum besonderen Fokus in unserem Garten geworden. Auch die Wachsblume haben wir erst durch das Projekt kennen gelernt. Sie nimmt inzwischen den grössten Teil eines Blumenbeetes ein. Wahrscheinlich hängt es mit unserem (wir haben viel über dies Projekt gesprochen und eine gemeinsame Auffassung entwickelt) besonderen Augenmerk zusammen, dass wir viele Hummeln verschiedener Arten beobachtet haben. Unter diesem durch besondere Aufmerksamkeit geschärften Blick deutet für uns nichts auf einen ausgeprägten Hummelmangel oder auf ein Hummelsterben hin. Aber dass wir zu Hummelfreunden geworden sind, ist auch ein Ergebnis dieses Projekts, für das wir dankbar sind. Das Hummelhaus, das wir im Garten aufgestellt haben, ist tatsächlich von einem Volk kleiner Steinhummeln besiedelt worden.
    Wir haben angefangen, den Garten sozusagen hummelgerecht umzugestalten.
    Es ist gut, dass immer mehr Leute damit anfangen, sich um die Wildbienen zu kümmern. In einer Demokratie dürfte sich das Engagement auch politisch auswirken.
    Vielen Dank für die Gelegenheit zur Teilnahme an dem Projekt!

  2. Für mich war es sehr interessant, an diesem Projekt teilzuehmen, zumal ich ich den letzten vier Jahren sehr interessiert bin an Hummeln. Wie leben sie? Welche Arten gibt es in unserem Garten und in der Umgebung? Haben die Hummeln noch genügend Bestäuberpflanzen? Was kann man selbst dazu beitragen, damit es diesen Insekten besser geht? Durch dieses Projekt habe ich die Wachsblume kennen gelernt und werde sie nun stets im Garten anpflanzen! Danke, dass ich am Projekt teilnehmen konnte.
    Ich hoffe, dass immer mehr Menschen umdenken und unseren kleinsten „Helfern“ mehr Respekt entgegenbringen, indem sie den Lebensraum dieser Tiere nicht weiter zerstören.

  3. Ich habe mich sehr gefreut über die Hummeln was zu erfahren. Ich hatte ja 1 1/2 Jahre Hummeln im Vogelhaus im 2. Stock. Sie sind weg geflogen und nicht mehr gekommen. Warum weis ich nicht. Ich bin schon TRAURIG darüber.

  4. Ich bin mehr als froh und glücklich, dass sich jetzt so viele am Schutz der Hummeln beteiligen, meinem Mann und mir ist es so wichtig, alles zu tun, was wir können. In diesem Jahr waren sehr viel weniger Hummeln bei uns im Garten. Das ist sehr aufgefallen.
    Dank an alle für den Einsatz. Es ist so wichtig.

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