Bombus bohemicus, Böhmische Kuckuckshummel, Männchen

Kuckuckshummel (auch: Schmarotzerhummel)

Die Kuckuckshummel ist ein Parasit von anderen Hummelarten. Kuckuckshummeln sind nicht selten und dezimieren die Zahl der häufigen Hummelvölker in einem Gebiet auf natürliche Weise.

Es gibt in Deutschland neun Arten der Kuckuckshummeln, die wegen ihres Verhaltens so genannt werden. Die Schmarotzer nutzen also das Wirts-Hummelvolk. Während sie selbst einen Vorteil erlangen, haben die Wirts-Hummeln einen Nachteil.

Spezialisierung der Kuckuckshummel

Die Königinnen der Kuckuckshummel-Arten sind auf eine einzelne Hummelarten spezialisiert. Das bedeutet, dass sie bevorzugt nur Nester einer ganz bestimmten Hummelart übernehmen.

Bombus bohemicus, Böhmische Kuckuckshummel, Männchen
Ein Männchen der Böhmischen Kuckuckshummel, Bombus bohemicus. Deutlich ist zu erkennen, wie der gelbe Streifen in Kopfnähe über den Flügelansatz hinausreicht. Das ist ein Unterscheidungsmerkmal zu Bombus vestalis. Foto Issi 2011.

Die Nachteile für den Wirt sind Vorteile für die Kuckuckshummel

  • Nachteil 1: Im Nest schädigen Schmarotzerhummeln das Hummelvolk, indem die Schmarotzerhummel-Königin eigene Eier in die Brutwaben legt und die übrigen Eier auffrisst.
  • Nachteil 2: Die Kuckuckshummelkönigin lässt ihre Eier nun von den Wirts-Hummeln aufziehen. Die Königin befällt dazu bevorzugt erst die Wirts-Völker, wenn diese etwa zwei Generationen an Arbeiterinnen hervorgebracht haben. Dadurch hat die Kuckuckshummel sichergestellt, dass genügend viele Arbeiterinnen bereits vorhanden sind, die ihren eigenen Nachwuchs aufziehen können.
  • Nachteil 3: Auf diese Weise erzeugt das Wirts-Hummelvolk selber weniger eigene Tiere und den wenigen, die überleben, steht auch noch weniger Nahrung zur Verfügung.
  • Nachteil 4: Die Wirts-Hummelkönigin wird vertrieben oder tot gestochen. Dazu haben die Kuckuckshummel-Königinnen einen dickeren Chitin-Panzer und einen stärkeren Stachel. Allerdings gibt es auch durchaus Fälle, in denen die Kuckuckshummel die Königin leben lässt.

Verhalten der Kuckuckshummel und der Wirts-Königin

(Im Video oben zuerst 2x eine Dunkle Erdhummel, dann Bombus vestalis beim Entern des Nests.)

Nach von Hagen & Aichhorn (2003) versteckt sich die Kuckuckshummel-Königin beim ersten Besuch im Nest. Dies hat zwei Gründe, denn zum einen muss die Kuckuckshummel erst den typischen Nestgeruch bekommen, zum anderen könnte sie von existierenden Arbeiterinnen entdeckt und selbst getötet werden. Dazu braucht es allerdings eine Mehrheit an Arbeiterinnen und ein Kuckuckshummel, die noch nicht den Nestgeruch besitzt.

Die Schmarotzerhummel produziert nur Jungköniginnen und Drohnen, Arbeiterinnen gibt es bei dem Parasiten nicht. Daher haben die Kuckuckshummeln auch keine Körbchenhaare zum Pollensammeln und können auch keinen Wachs abscheiden.

Bleibt die Wirts-Königin am Leben und bemerkt ihre Situation, produziert sie nun ebenfalls Jungköniginnen und Drohnen, von denen es einzelne schaffen sich zu entwickeln. Solche Völker haben dadurch viel früher als andere, nicht parasitierte Völker, Geschlechtstiere, allerdings auch deutlich weniger.

Kuckuckshummel-Arten

Bombus vestalis
Schmarotzerhummel (Männchen vonBombus vestalis). Foto mit freundlicher Genehmigung: Küpper, G. 23.04.2003. http://www.boga.ruhr-uni-bochum.de/html/Bienen/Psithyrus_sylvestris_Foto.html)

Die Kuckuckshummeln haben häufig dunkel gefärbte Flügel, statt der Pollensammelhaare sind die Hinterbeine dünn behaart. Die Behaarung ist weniger üppig als bei den Wirtsarten.

Kann man dagegen etwas machen? Soll man denn dagegen etwas machen?

Für uns Menschen erscheint die Art und Weise, wie Schmarotzerhummeln leben, nicht unterstützenswert. Doch sollten menschliche Denkweisen hier keine Rolle spielen. Denn zwischen dem Parasiten und dem Wirt gibt es das Rote-Königin-Prinzip:

Rote-Königin-Prinzip

Zwischen dem Wirt und dem Parasiten bildet sich in aller Regel ein Gleichgewicht aus, denn der Parasit ist absolut abhängig vom Wirt. Dieser entwickelt aber im Verlauf der Evolution Abwehrmechanismen, auf die wiederum der Parasit mit einer eigenen Entwicklung reagiert. Man spricht auch vom evolutinären Wettrüsten, dem Rote-Königin-Prinzip.

Normalerweise geht dabei der Selektionsdruck vom Parasiten aus, denn dieser hat eine höhere Reproduktionsfähigkeit, kürzere Generationszeiten, größere Populationen und auch höhere Mutationsraten.

Dies ist aber bei den Kuckuckshummeln ganz anders. Bombus vestalis beispielsweise übernimmt die meisten Eigenschaften des Lebenszyklus der Erdhummel. Sie erscheinen zwischen April und Mitte Juli und übernehmen dann Nester der Dunklen Erdhummel. Zuerst wird die Wirt-Königin getötet, dann legt die Kuckuckshummel eigene Eier, aus denen spätere Königinnen und Männchen werden. Arbeiterinnen fehlen. Bombus vestalis kommt dadurch nur auf geringe Populationsgrößen.

Dazu eine Studie

Forscher (Erler et al., 2010) untersuchten im Freiland gefangene Hummeln (Botanischer Garten der Uni Halle-Wittenberg) auf ihre DNA, um die Abstammungsverhältnisse zu klären. Dazu entfernten sie an 24 Arbeiterinnen und 24 Drohnen von Bombus terrestris (Wirt), sowie von 23 Bombus vestalis-Drohnen (Kuckuckshummel) einen Beinabschnitt und isolierten bestimmte DNA-Stücke. Aufgrund der Haplodiploidie sind Drohnen haploid, ihre DNA lässt sofort auf die Königin zurückschließen (bei Arbeiterinnen sind 50% der DNA von der Königin).

Die Ergebnisse

Die 48 Bombus terrestris Tiere entstammten 24 verschiedenen Staaten, die 23 Bombus vestalis-Drohnen kamen aus 12 verschiedenen Staaten. Damit waren 33% aller Erdhummel-Staaten parasitiert

Das ist ein relativ hoher Wert. Bei anderen sozialen Insekten wie Ameisen oder dem klassischen Wirt-Parasit-Beispiel, dem Kuckuck, sind nur etwa 1 – 15% der Staaten bzw. Nester parasitiert.

Daneben wurde deutlich, dass die genetische Variation, also die Unterschiedlichkeit der DNA, ziemlich gering ist. Beträgt das Maß dafür bei Bombus terrestris noch 0,265 bzw. zwischen Bombus terrestris und Bombus vestalis 1,477, ist die genetische Diversität bei Bombus vestalis nur noch 0,161

Eine geringere Variation führt zu geringerer Anpassungsfähigkeit. Verändert sich die Umwelt, könnte also eine solche Population rasch zusammenbrechen.

Die Forscher weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Bombus vestalis relativ selten geworden ist. Andererseits: Tritt in einer solchen Population eine vorteilhafte Eigenschaft auf, haben praktisch alle Tiere diese Eigenschaft, da sie eine sehr ähnliche DNA haben. Die Population kann sich sehr schnell vergrößern, wie es wohl im Untersuchungsjahr der Fall war.

Gibt es viele Hummelvölker, finden die Schmarotzerhummeln leicht ein Nest und legen ihre Eier. Dadurch dezimieren sie die Zahl der Jungköniginnen des Wirts, so dass es im folgenden Jahr weniger Wirtsvölker gibt. Nun finden die Schmarotzerhummeln seltener ein solches Nest, so dass sie sich weniger fortpflanzen und vermehren können. Das hilft der Wirtsart, deren Population dann wieder steigt. Nach Röseler (2001, S. 26) lässt sich diese

„Schwankung in der Populationsdichte … über mehrere Jahre hinweg z.B. bei der Steinhummel (Bombus lapidarius) und ihrem Schmarotzer [der Felsenkuckuckshummel Bombus rupestris] verfolgen“.

Fazit

Auch Schmarotzerhummeln, die im Übrigen gesetzlich besonders geschützt sind, haben ihre Rolle in der Natur. Wegen der Abhängigkeit vom Wirt und der Ausbildung des oben genannten Gleichgewichts, kann die Kuckuckshummel die Wirts-Hummelart nicht soweit schädigen, dass die Art in Mitleidenschaft gezogen wird. Wegen der Kuckuckshummeln sind unsere übrigen Hummeln jedenfalls nicht selten und nicht bedroht.

Literatur

  • Erler S, Lattorff HMG, 2010: The degree of parasitism of the bumblebee (Bombus terrestris by cuckoo bumblebees (Bombus (Psithyrus) vestalis). In: Insect. Soc. (2010) 57:371–377
  • von Hagen E, Aichhorn A, 2003. Hummeln
  • Röseler PF, 2001. Der Hummelgarten. Lebensraum und Biologie der Hummeln.


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