Hummelköniginnen: Bloß weit weg von „Mama“

Das wollten die Forscher wissen: Kommen Hummeln wieder?

Britische Forscher wollten wissen, ob bei Hummeln Jungköniginnen im Folgejahr eher in der Nähe ihres alten Nests einen neuen Staat gründen, also dort, wo sie selbst von der alten Königin („Mama“) aufgezogen wurden (Dann kommen Hummeln wieder zurück!). Oder, ob sie eben ganz woanders ein neues Volk gründen.

Die Methode

Dazu fingen sie auf einer Fläche von annähernd 20 km2 Hummeln ein, führten eine DNA-Untersuchung durch und ermittelten, wie nah die Tiere miteinander verwandt sind.

Wenn die Jungkönginnen in der Nähe des alten Nests bleiben, sollten um einen Mittelpunkt herum genetisch ähnliche Tiere, z.B. Schwestern oder Cousinen, auftreten.

Untersucht wurden gleich fünf Hummelarten, darunter mit Bombus ruderatus auch eine in Deutschland seltene Art (die übrigen: B. terrestris, B. lapidarius, B. pascuorum and B. hortorum). Insgesamt fing man mehr als 1500 Tiere.

Die Ergebnisse: Hummeln kommen nicht wieder zurück

Königinnen, die in Nachbarschaft lebten, waren nicht miteinander verwandt. Offensichtlich verlassen die Jungköniginnen den alten Neststandort und fliegen in alle Himmelsrichtungen.

Außerdem konnten die Forscher bei dieser Studie auch nachweisen, dass Bombus ruderatus-Exemplare bereits genetisch relativ ähnlich sind, eine Folge ihrer Seltenheit, dass aber noch keine Inzucht eingesetzt hat.

Die Bedeutung der Studie

  • Die Angabe, wie weit Hummelköniginnen weg fliegen, ist wichtig für den Hummelschutz. Man erfährt, wie die Hummeln die Landschaft nutzen und wovon es abhängt, wie weit sie fliegen.
  • So zeigt die Studie, dass größere, zusammenhängende oder vernetzte, blütenreiche Landschaften für den Hummelschutz wichtig sind, weil Hummelköniginnen weit fliegen, möglicherweise – so schätzt eine Autorin der Studie – wenige Kilometer weit.
  • Die genetische Variation wird dadurch aufrecht erhalten, dass die Jungköniginnen so weit fliegen und so für eine stete Vermischung des genetischen Materials sorgen.

Literatur

Dreier, S., Redhead, J. W., Warren, I. A., Bourke, A. F. G., Heard, M. S., Jordan, W. C., Sumner, S., Wang, J. and Carvell, C. (2014), Fine-scale spatial genetic structure of common and declining bumble bees across an agricultural landscape. Mol Ecol, 23: 3384–3395. doi:10.1111/mec.12823

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7 Kommentare zu “Hummelköniginnen: Bloß weit weg von „Mama“Kommentar verfassen →

    1. Tja, dass habe ich mich bei dem Lesen der Studie auch gefragt. Mein erster Gedanke war, dass es von der Art abhängt, aber die Studie testete ja viele verschiedene Arten. Auch kann man nichts gegen die Methode sagen: Der DNA-Test ist eindeutig.
      Deshalb: Ich habe auch keine Erklärung dafür. Ich finde, es sollte eine DNA-Studie geben, die selbst besiedelte Nistkästen von Hummelfreunden betrifft, die auch im letzten Jahr besiedelt waren.

    2. Tja, der erste Gedanke kam uns wohl allen 🙂

      Wir wissen allerdings nicht, ob die Rückkehrerinnen tatsächlich Töchter der alten Königin sind, oder nur Königinnen der gleichen Art.
      Möglicherweise riecht das Hummelhaus „richtig“ für die entsprechende Art und wir nehmen an, es handle sich um eine Rückkehrerin.
      Cornel hat Recht, ohne DNA Test speziell zu „Haus-Hummeln“ kann man wohl wenig Vergleiche anstellen.

  1. Ich habe beobachtet, dass die Hummeln , nachdem sie aus ihrem Nest klettern, sehr hoch fliegen, meistens die gleiche Himmelsrichtung und sehr lange fort sind. Im eigenen Garten, also um das Hummelnest herum, werden keine Blumen angeflogen.
    Leider war die Wachsmotte in allen Hummelnestern aktiv und hat das Volk ausgerottet.
    Dieses Jahr versuche ich Hummelklappen am Eingang anzubringen.
    Gibt es hier Tipps?
    Petra aus Köln Sürth, In der Aue.

    1. Hallo Petra!
      Verwende keine Hummelklappen, stelle trotzdem wenig Mottenbefall bei meinen zahlreichen Hummelvölkern fest. Lege getrockneten Lavendel in den Vorbau; außerdem: vitale Völker wehren sich erfolgreich. Christian aus Oberösterreich

  2. Bin sehr erstaunt über die Ergebnisse der Studie, gibt es doch viele gegenteilige Berichte in Büchtern und von Hummelforschern. Aus jahrelangem Beobachten weiß ich, dass hauptsächlich ein gutes Trachtangebot im Garten und in der Umgebung Hummelköniginnen auch in die Hummelkästen lockt, um ein Nest zu gründen. In meinen Gärten gab es im Vorjahr 15 Besiedelungen (3 in „Naturnestern“, und ich bin sicher, dass die Hummelköniginnen die Hummelhotels kennen und annehmen, wenn auch nicht an gleicher Stelle wie im Jahr zuvor. Da kam es auch schon vor, dass z.B. eine Baumhummelkönigin eine Königin der Wiesenhummel trotz geschlossener Klappe verdrängt hat…

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