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Hummeln

Hummeln ziehen gegenüber Bienen den Kürzeren

Dass Hummeln immer wieder im Sommer an Nahrungsmangel zu Grunde gehen ist keine Neuigkeit. Aber ich hatte mich gefragt, wie stark andere Insekten diese Nahrungsknappheit für Hummeln noch verstärken. Interessant dabei die Rolle der Honigbienen, denn sie sind die einzigen Insekten, die in großer Zahl durch einen Imker in ein Gebiet eingebracht oder entfernt werden können. Schaden die Bienen den Hummeln?

Insects and Flowers #1
Konkurrenz um Nektar und Pollen!
Das Foto Insects and Flowers #1 von Duncan~ steht unter Foto unter Creative Commons License-Lizenz.

Es geht um Konkurrenz

Nektar wird von zahlreichen Insekten genutzt, auf dem Bild links eine Schwebfliege, eine Hummel und ein Schmetterling. Dabei gilt das Windhundprinzip: Wer zuerst kommt, erhält auch den Nektar. Zu Kämpfen um das rare Gut kommt es nicht, wer nichts mehr findet, weicht aus und sucht an der nächsten Blüte. Doch im Sommer blühen zu wenige Pflanzen, die Böden sind trocken, so dass auch weniger Nektar produziert wird. Dazu kommt, dass die Insektenstaaten nun auf ihrem Höhepunkt sind, die Völker sind groß. Kein Wunder, dass es nun zu solcher Knappheit kommt, dass die Tiere verhungern.

Bienen spielen dabei eine große Rolle und zu meiner eigenen Überraschung eine größere, als ich an nahm. Im alten Buch von B. Heinrich1 – und leider kann man diese Seiten in der englischen Originalfassung via Google Books nicht aufrufen – findet man eine interessante Hypothese:

„Die abnehmenden Bestände von Wildbienenpopulationen scheinen eine direkte Folge der Tatsache zu sein, dass diesen Tieren Pollen und Nektar von Honigbienen streitig gemacht werden, ihnen also in geringerem Maß zur Verfügung stehen.“

Er hatte ein Hummelvolk beobachtet und notiert, wie viel Nektar und Pollen die Tiere pro Tag verbrauchen. Da er zählen konnte, wie viele Hummeln (Königinnen etc.) mit dieser Nahrung heranwuchsen und wie lange sie dabei auf die Pollen- und Nektarvorräte des Nests angewiesen waren (also nicht für sich selbst sammelten), konnte er ermitteln, wie viel Pollen und Nektar eine Königin bis zum Verlassen des Nests benötigt. Für sein Beispielvolk mit 375 Tieren waren das mehr als 2kg Nektar und 1,1kg Pollen.

Er rechnete weiter und bezog nun die Honigbienen mit ein:

„… so bedeutet dies, dass in einem für Hummeln geeigneten Sammelgebiet mit jedem Gramm Honig, den Honigbienen erzeugen, etwa 0,16 weniger Hummelgeschlechtstiere erzeugt werden. […] Ein einziger Honigbienenstock ist damit in der Lage, die Population von Hummelgeschlechtstieren um 38400 Individuen zu dezimieren.“

Da ein Hummelvolk gar nicht so viele Geschlechtstiere erzeugt, hieße das, dass ein Bienenstock alle Geschlechtstiere von Hummeln verhindert. Die Konkurrenz ist einfach enorm und die Bienen, mit ihren Zehntausenden Individuen, ungleich erfolgreicher im Kampf um den Nektar.

Mein Rückschlüsse

  • Nistkastenbesitzer: Unbedingt mit Zuckerwasser die Hummeln füttern, so dass sich diese auf das Pollensammeln spezialisieren können.
  • Gartenbesitzer: Viele Pflanzen setzen, die im Sommer blühen und dann vor allem Pollen anbieten.
  • Imker und Naturschützer: Darauf achten, dass ein Bienenstock (und häufig sind’s ja mehrere) auf keinen Fall dort aufgestellt werden, wo seltene Hummelarten vorkommen.

1: B Heinrich, 1994. Der Hummelstaat. S. 214f.


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 4. Juni 2011 - 11:02 Uhr | Update: 26. August 2011 - 21:07 Uhr | Kategorie: Biologie der Hummeln | Schlüsselwörter: , , , , , , | Kommentare: 4

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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4 Kommentare

  1. Martin | | Link zum Kommentar

    Ich habe mehrere Imker in der Nachbarschaft und es gibt bei mir im Garten trotzdem einige der selteneren Arten. Ich achte aber wegen der starken Konkurrenz schon darauf, v.a. spezifische Hummelpflanzen anzubieten, die für die Honigbienen nicht attraktiv bzw. beerntbar sind.

    Gartenbesitzer sollten vorrangig Pflanzen setzen, die nur von Hummeln beerntet werden können. Ich denke dabei z.B. an Beinwell, Fingerhut, Natternkopf, Herzgespann, Rotklee, Lupinen…

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  2. Manfred | | Link zum Kommentar

    Ich glaube nicht, dass es bei uns in Hamburg ein Hungerproblem gibt. Bei normal entwickelten Völkern sind immer reichlich volle Honigtöpfe vorhanden. Letztes Jahr hatte ich ein sehr spätes Erdhummelnest, welches seinen Höhepunkt erst Anfang September hatte und auch hier gab es nie Mangelernährung. Problematisch ist es meiner Meinung nach nur für Hummelarten, die auf ganz spezielle Trachtpflanzen angewiesen sind. An dieser Stelle hilft dann auch nicht die Anpfanzung einzelner Trachtpflanzen sondern nur die Anlage ganzer Biotope.

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  3. Alexander Hrncir | | Link zum Kommentar

    Hallo,
    bei mir beobachte ich, dass die Bienen die Marienglockenblumen für sich gewonnen haben, allerdings sind am Steinklee nur Hummeln, fast keine Bienen. Und der Natternkopf wird auch fast nur von Hummeln beflogen. Ich glaube nicht, dass es so ein großes Problem ist, denn früher gab es auch den Konkurrenzkampf. Vielleicht sollte man es bei Trachtpflanzen ein wenig objektiver sehen, beide suchen Nahrung, die es in der blütenarmen Welt kaum noch gibt. Da hilft es nur Biotope anzulegen, die beide Tierarten anlockt, wo sie genug Nahrung finden.

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  4. Clas Lehmann | | Link zum Kommentar

    Moin, moin,

    die Berechnung ist ja offensichtlich absurd, das würde ja bedeuten, dass es im Flugkreis eines Bienenvolkes keine Hummeln mehr geben könnte. Dann wären sie wohl schon alle ausgerottet. Tatsächlich sind die Arten unterschiedlich spezialisiert, wie schon angemerkt wurde, und die Hummeln stehen früher auf und sind findiger und flexibler und nicht so starrsinnig blütenstet, wie die Honigbiene, scheint mir.

    Gruß Clas

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