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Hummeln

Langrüsselige Hummelarten auf dem Rückzug

Königin der Waldhummel (Bombus sylvarum) auf Klee

Wissenschaftler der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften und der Universität Lund haben Blütenbesuche der Hummeln am Rotklee mit Daten aus den letzten siebzig Jahren verglichen. Die Ergebnisse weisen auf eine dramatische Verarmung der schwedischen Hummelfauna hin.

Die häufigsten Arten – Erdhummel und Steinhummel – waren Mitte des vergangenen Jahrhunderts für etwa 40% aller Hummelbesuche auf den untersuchten Rotkleefeldern verantwortlich. In den Jahren 2008-2010 waren es hingegen bereits 89%. Die restlichen Blütenbesuche verteilten sich auf sieben weitere Arten, die zwar alle wiedergefunden werden konnten, das aber zum Teil nur in alarmierend geringer Zahl.

Besonders gravierend ist der Rückgang bei der Deichhummel (11,5% > 0,7%), die auch in Deutschland stark gefährdet ist.

 „Die Tatsache, dass die früher alltäglichen Hummelarten selten geworden und sogar auf der Roten Liste zu finden sind, ist besorgniserregend“, erklärt Hauptautor Riccardo Bommarco, Professor an der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. „Es ist durchaus möglich, dass solche Änderungen in der Zusammensetzung der Arten dem Aussterben vorangehen.

Folgen für Natur und Landwirtschaft

Im Rahmen der Studie wurde auch die Samenbildung auf den Rotkleefeldern verglichen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die durchschnittliche Samenausbeute nicht nur verringert hat, sondern heutzutage viel stärkeren Schwankungen unterliegt.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bestäubergemeinschaft nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Zwar gelten Hummeln allgemein als die wichtigsten und effektivsten Bestäuber des Rotklees, allerdings gibt es auch unter den Hummelarten große Unterschiede in Eignung und Vorlieben. Dies wusste schon Charles Darwin. Als in Neuseeland mit dem Rotkleeanbau begonnen wurde und dort die Bestäuber fehlten, empfahl er den Import europäischer Hummelarten. Drei der vier dafür ausgewählten Arten waren langrüsselig, denn diese fliegen bevorzugt auf Rotklee und können dessen Nektar besonders leicht aufnehmen. Die Bestäubungsleistung am Rotklee dürfte dadurch wesentlich höher liegen als bei kurzrüsseligen Arten wie den Stein- und Erdhummeln. Doch gerade bei den langrüsseligen Arten wurde der stärkste Rückgang verzeichnet. Während sie in den 1940er Jahren noch 56,7% der beobachteten Hummelarten stellten, waren es bei aktuellen Zählungen nur noch 8,4%.

 „Unsere Ergebnisse legen nahe nicht nur den Artenreichtum, sondern auch gleichmäßiger zusammengesetzte Gemeinschaften zu fördern“, so die Autoren.

Neben weiteren Feldfrüchten sind auch viele Wildblumen von der Bestäubung vor allem langrüsseliger Hummeln abhängig. Ein weiterer Verlust an Artenvielfalt würde Erträge in der Landwirtschaft und den Fortbestand diverser heimischer Pflanzen massiv gefährden.

Parallelen zu Deutschland

In Deutschland stellt sich die Situation ähnlich dar. Während sich bis Mitte des letzten Jahrhunderts langrüsselige und kurzrüsselige Arten noch etwa die Waage hielten, sind die Bestände der meisten langrüsseligen Arten dramatisch eingebrochen. Unter den sieben in Deutschland häufigen Hummelarten sind mit Ackerhummel und Gartenhummel nur noch zwei langrüsselige Arten im gesamten Raum vertreten.

Literatur

  • BOMMARCO, R., et al. (2011): Drastic historic shifts in bumble-bee community composition in Sweden.
  • GOULSON, D. (2009): Bumblebees: Behaviour, Ecology and Conservation.
  • VON HAGEN, E., AICHHORN, A. (2003): Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen.
  • Rote Liste:

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Autor: Martin | Datum: 24. September 2011 - 19:19 Uhr | Update: 17. April 2017 - 15:41 Uhr | Kategorie: Hummelarten, Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare: 2

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2 Kommentare

  1. Bago | | Link zum Kommentar

    Ja, traurig ist es, wenn man das ließt. Besonders betroffen sind meines Erachtens die Bundesländer, die fast ihr komplettes Tiefland bebaut haben. So ziehen sich die Hummeln in die Mittelgebirge zurück, jenes ist aber nur möglich, wenn es größere Lichtungen gibt und nicht alles mit Wald bewachsen ist, so ist es aber leider nicht…

    Es bleibt nur zu hoffen, dass ich etwas in der Agrarpolitik der EU ändert, wichitg wäre hier zum Beispiel, dass man Fördergelder für abwechslungsreiche Felder auszahlt. So würden sich einige Monokulturen vermeiden lassen und der Anblick von endlosen Getreidefeldern wäre endgültig Geschichte.

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  2. Cornel | | Link zum Kommentar

    Ein interessanter Artikel. Ich finde, dass es auch einmal mehr zeigt, dass bei der Förderung von Hummeln durch die Aussaat von Trachtpflanzen noch genauer darauf geachtet werden muss, welche Trachtpflanzen denn da ausgesät werden. Sät man Pflanzen aus, die von kurzrüssligen Insekten besucht werden können (was bei dem prinzipiell ja nicht schlechten aber in diesem Zusammenhang kontraproduktivem Engagement von Imkerverbänden wegen der kurzrüssligen Honigbiene passieren dürfte), verstärkt man die Konkurrenz zwischen den kurz- und langrüssligen Arten, wobei letztere schon alleine wegen der geringeren Volksstärken den kürzeren ziehen dürften. Saatmischungen sollten also mehr Pflanzen mit langer Kronröhre beinhalten. Und es ist bemerkenswert, dass gerade die bewusste Aussaat von Klee und nicht irgendeiner Blühmischung in England zum kleinen Erfolg bzgl. der Deichhummel geführt hat.
    Für die Homepage und die Empfehlungen bzgl. des Hummelschutzes heißt das für mich, eigentlich keine Trachtpflanzenlisten anzubieten, sondern bewusst nur bestimmte Pflanzen anzupreisen, um die langrüssligen Hummeln zu stützen.

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Pings:

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