Neuer unterirdischer Nistkasten: Prototyp mit High-Tech im Nistkasten

Neuer Nistkasten: Ich teste einen neuen Hummelnistkasten, der mit allerlei Technik ausgestattet wird (hier die klassische Bauanleitung für eine Nisthilfe). Sie finden hier eine Bauanleitung zum Nachbauen des dafür konzipierten unterirdischen Hummelnistkastens. Im 2. Teil stelle ich die Details der Technik vor (demnächst! Abhängig auch davon, ob eine Hummel den Kasten besiedelt):

Bauanleitung für den unterirdischen Nistkasten

Dauer: Weniger als ein Nachmittag (ohne Einkaufen der Materialien).

Nistkasten-Seitenteile: Ytong-Steine aus dem Baumarkt

Um das Modell leicht zum Nachbauen zu machen, haben wir (Prof. Dr. Brell von der Hochschule Niederrhein (siehe unten) testet den einen, ich den anderen Prototypen, die aber sehr ähnlich sind) Ytong-Steine aus dem Baumarkt verwendet. Holz verfault rasch und schied deshalb als Material aus.

Ytong-Stein

Ytong-Steine lassen sich sehr leicht bearbeiten. Die Steine haben wir mit der Handsäge halbiert:

Der Ytong-Stein wird zersägt.

Auf ein Stück habe ich einen Kreis gezeichnet und mit einem alten Holzbohrer in diesem Kreis Löcher gebohrt, bis das Einflugloch frei lag. Hier sind die Einzelteile zusammengestellt:

Zusammengesetzter Nistkasten mit Einflugloch

Zusammenkleben des Nistkasten mit Bausilikon

Die Flächen, bei denen die Platten aneinanderstoßen, habe ich mit Bleistift markiert (siehe Bild unten) und diesen Teil mit Bausilikon als Kleber bestrichen:

Kleber wird aufgetragen.

Der Klebebereich ist mit Bleistift markiert.

Die Platten werden nun mit Schraubzwingen fest verbunden und der Kleber kann trocknen:

Der Kleber härtet aus.

Deckel des Nistkasten aus Holz und Teichfolie

In der Zwischenzeit habe ich den Holzdeckel ausgesägt. Er liegt später auf dem Kasten auf und schließt bündig mit den Rändern ab:

Aus billigem Holz den Deckel mit der Stichsäge sägen.

Aus Kaninchengitter und einer Kneifzange habe ich dann mit den Maßen des Deckels (etwas kleiner, damit nichts übersteht) den Boden erstellt. Das Kaninchengitter gab es in der Gärtnerei. Es schützt einerseits vor Wühlmäusen und lässt andererseits eindringendes Wasser abfließen. Durch den Kontakt mit dem Boden entsteht ein Klima mit hoher Luftfeuchte. Das Kaninchengitter sehen Sie im nächsten Bild.

Heizung für den Hummelnistkasten

Direkt an den Eingang, so dass eine nestsuchende Königin das direkt bemerkt, habe ich die Heizung (links ragt die Stromversorgung aus dem Kasten) mit Bausilikon geklebt (selbstklebende Folie, hielt bei mir besser mit Silikon). Es handelt sich bei der Heizung um eine dünne Folie, die eigentlich eine Außenspiegelheizung des Autos ist. Man bekommt sie im Elektrohandel (z.B. bei Conrad nach „Polyester Flächenheizung für PKW-Außenspiegel“ suchen, Kosten unter 10 Euro). Wichtig: Die Platte heizt an der Oberfläche bis 100°C auf. Damit das nicht geschieht, den Stromanschluss mit einem Aufladekabel eines Handys verbinden. Jetzt fließt gerade einmal etwa 3 Watt und die Platte wird nur noch warm.

Im folgenden Bild sehen Sie den Kasten mit der Heizung am Eingang.

Schon im Garten: Der Kasten mit Heizung und Kaninchendrahtgitter.

Im Eingang steckt ein gewinkeltes Plastikrohr aus dem Baumarkt.

Auf den Kasten kommt eine Holzplatte als Deckel, Teichfolie dient als Schimmelschutz.

Deckel mit „Schornstein“

In die Holzplatte habe ich ein Loch gebohrt, in dem das Plastikrohr steckt, durch das ich später, wenn der Kasten besiedelt ist, die Technik an einer Gewindestange herunter lasse. Die Stange ist mit dem Plastikdeckel verbunden, so dass sie einfach zu entnehmen ist, der Kasten aber verschlossen bleibt. Sollten die Sensoren zeigen, dass das Klima im Kasten z.B. durch die Teichfolie ungünstig ist, schafft ein kleiner Ventilator im Rohr und eine kleine Öffnung Verbesserung.

Am Einflugloch ein schwarzer Plastikschlauch aus dem Baumarkt, den die Hummeln als Einlaufröhre nutzen (klappt wie hier gezeigt).

Deckel mit Rohr, Teichfolie.

Der Kasten wurde innen mit Sägespänen und Polsterwolle wie üblich behandelt.

Eingegraben sieht das Resultat (Vorbau oben rechts noch abgedeckt) so aus:

Nur das Rohr und der Vorbau schauen heraus.

Was ist der Sinn dieses Nistkasten?

  • Die Ansprüche an den Kasten sind vor allem für seltene Arten nicht bekannt. Wie soll man aber unterschiedliche Kästen effizient testen. Der High-Tec-Kasten ermöglicht das parallele Überwachen vom Schreibtisch aus. Live habe ich Einblick in alle Kästen, ohne dass ich diese öffnen muss.
  • Die Technikteile sitzen zum großen Teil im Vorbau des Kastens, so dass die Technik zu allen möglichen Kästen passt.
  • Eine eingebaute Heizung hilft den Hummeln im Frühjahr in kalten Nächten Energiereserven zu schonen und dadurch erfolgreicher ein Nest zu gründen. Evtl. nehmen sie dadurch auch leichter den Nistkasten an, wenn dieser durch die Heizung warm und trocken ist, das ist zumindest meine Vermutung. Auf diesen Gedanken kam ich, weil Hummeln fast ständig enorme Energiekrisen zu überwinden haben und sie sogar in der Lage sind, warme von kalten Blüten zu unterscheiden, um Energie zu sparen.

Nicht der Sinn:

Mit dem Kasten möchte ich kein Geld verdienen. Anleitungen zum Nachbau werden hier frei verfügbar sein, das Material kann jeder im Internet kaufen und dann den Kasten nachbauen und weiter optimieren. Rückmeldung erwünscht!

Teilnehmer:

Technische Unterstützung bekomme ich durch Prof. Dr. Claus Brell von der Hochschule Niederrhein. Er war auf die Idee gekommen, Vogelnistkästen mit entsprechender Technik auszustatten, so dass Umweltschutzorganisationen in der Lage sind, beispielsweise 50 Nistkästen in einem Naturschutzgebiet gleichzeitig zu überwachen. RP online berichtet hier darüber…

Realisierungschancen:

Die Technik wird wie gesagt zur Zeit an Vogelnistkästen und zwei Prototypen (unterirdische Hummelkästen) getestet. Erste Ergebnisse an den Vogelnistkästen aus dem vergangenen Jahr sind positiv, für die Hummelnistkästen liegen noch keine Ergebnisse vor, weil ich darauf angewiesen bin, dass Hummeln die Kästen besiedeln. Geschieht dies nicht, kann ich leider keine Ergebnisse liefern.

Geplante Technik:

  • Überwachung des Nesteingangs im unterirdischen Kasten mit einer Infarotkamera bei entsprechendem Licht. Da die Hummeln sich in der Streu vergraben, ist die Kamera auf den Eingang gerichtet. Wir hoffe, dass die Hummel den Eingang nicht mit Nistmaterial zubaut. Messung von Luftfeuchte und Temperatur, evtl. weiterer Parameter durch andere Sensoren. Im Frühjahr: Zuschaltung einer Heizung im Kasten. Außerdem: Sammlung aller Daten über einen Raspberry Pi [„Mini-Computer“], der mit dem Heim-WLAN verbunden ist und die Daten automatisch in der Cloud speichert.
  • Prototyp: Im Unterschied zum späteren Ziel sind beim Prototypen die technischen Teile nicht im Vorbau untergebracht, sondern in eine Röhre, so dass die Technik bei Fehlfunktionen ausgetauscht werden kann, ohne dass es zu einer Störung des Nests kommt.

Demnächst in Teil 2 dann auch mehr zur Technik!

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12 Kommentare zu “Neuer unterirdischer Nistkasten: Prototyp mit High-Tech im NistkastenKommentar verfassen →

  1. Hallo,
    von der idee her schon nicht schlecht. Meine sorge ist nur das die Ytong steine das gar nicht überstehen in der feuchten Erde. Mein Verbesserungsvorschlag wäre, das ganze vielleicht aus Holzbeton zu machen. Habe selber gerade 2 unterirdische Hummelnistkästen selber gebaut aus Holzbeton, nur bei mir fehlt oben der Kamin und die Technik. Vom Aufwand und Schwierigkeit ist das für jeden machbar aus Holzbeton. Die Beschreibung mit Bilder dazu ist auf der Seite von Pollenhöschen zu finden. Das Thema ist auf der Seite:

    unterirdische selbstgebaute Hummel Nistkästen

    Lg Michael

    1. Ich bin noch unerfahren als “ Hummelaner“, und würde gerne einen Brutkasten aus Holzbeton basteln. Gibt es dazu Infos?
      Gruß Bruno

  2. Hallo, ja das Problem ist der Ytong bei Starkregen oder Regen allgemein saugt er sich voll und da kommt es zur Schimmelbildung, da hilft auch die Heizung nicht weite, was wiederum für die Hummel so wie den Nachwuchs nicht bekommen wird. Ich würde vorschlagen in auf Kies zustellen und an den vier Seiten damit aufzufüllen um ständigen Kontakt mit feuchten Erdreich zu vermeiden.
    Wünsche trotzdem viel Erfolg.
    Vielleicht kannst uns hier trotzdem am laufenden halten.

    1. Ja, ich halte euch ganz sicher auf dem Laufenden. Ich bin in den Baumarkt und habe Drainage-Platten gesucht. Das mit dem Kies ist aber auch eine gute Idee!

  3. Der vorgestellte Ytong-Nistkasten mit Folien/Holzdeckel läßt sich wesentlich rascher und einfacher mit 5 zurechtgeschnittenen 5 cm Styrodurplatten die mit 100-er Nägel zusammen-gesteckt sind (oder Kleber) verwirklichen. Wasserdicht, isolierend und wenn man will kann man von außen unten nach innen oben noch Löchlein in die kein Wasser einfließen kann bohren zur besseren klimatischen Imitation der natürlichen Umgebung. Auch ein Gitterbodenschutz ist leicht befestigbar wie auch die Kabelschutzschläuche als Eingang. Frage: spricht was gegen die Hartschaumplatte ? Ich glaube nicht, daß sich Mäuse einnagen – eventuell mit Gitter umschließen. Hab mal bei im Stadel gelagerten Platten Käferfraßgänge gefunden – dürfte also auch nicht giftig sein

    1. Hast du Erfahrung mit einem solchen Kasten? Fotos? Ich kann mir das auch gut vorstellen, weil die käuflichen Kästen manchmal in Styropor sind. Wie bearbeitet man denn dieses Material? Wird das gesägt?

      1. Hallo Cornel,
        Styroporboxen schau doch mal bei Ebay. In den Maßen 300 x 300 x 3oomm oder 400 x 300 x 300 bekommt man für wenig Geld und sind schon komplett fertig mit Deckel, so das du nur noch die Löcher anfertigen brauchst. Ein wenig Farbe dazu und der Kasten ist fertig.

        Michael

  4. Hallo,
    ich habe mit „normalem“ Styropor keine besonders guten Erfahrungen gemacht, da Wachsmotten dieses Material anscheinend mögen und auch zerbeissen. Ich denke dass Styrodur da besser geeignet sein könnte

  5. Hallo, ich baue meine Kästen aus EPS. Klappt gut, lässt sich prima bearbeiten, ist stabil und meine Hummeln fühlen sich darin wohl. Feuchtigkeit ist auch kein Thema. Derzeit ist auch ein unterirdischer Kasten mit Schornstein im Einsatz.

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