Nistkästen ohne Nest: Klassische Nistkästen für Hummeln bleiben leer

Eigentlich sind Hummeln gar nicht so wählerisch bei der Wahl des Nistplatzes. Sie nutzen freiwillig die unterschiedlichsten Nistkästen. Oberirdische genauso wie unterirdische Nistkästen für Hummeln. Nistkästen, die in Bäumen hängen oder die auf dem Boden standen, aus Holz, Ton, Stein oder Metall. Hummeln sind demnach relativ anspruchslos.

Nistkästen für Hummeln: Probleme

Gemeinsam haben also alle Hummeln, dass sie kaum zwischen den verschiedenen Nistkasten-Designs unterscheiden. Gemeinsam ist aber leider auch ein anderes Problem: sie nutzen die Nistkästen freiwillig kaum. Das bestätigen zwei von drei Quellen:

Quelle 1: Zusammenfassung von elf Studien aus den USA, Kanada und England

Forscher hatten Untersuchungsergebnisse zur Nutzung von Nistkästen ausgewertet, die zwischen 1910 und 2009 in den USA, Kanada und England gemacht wurden. Auffällig war, dass die Nistkästen vor vielen Jahrzehnten durchaus häufig besiedelt wurden, doch ab den 1980er Jahren sich die Besiedlung extrem verschlechterte.

Wurden bei den oberirdischen Nistkästen früher zwischen 10 – 48% der Kästen von den Hummeln selbständig entdeckt und besiedelt, waren es ab 1989 nur noch 0 – 2,5%.

Es gab allerdings auch ab den 1980er Jahren einen Favoriten bei den Hummeln: Handelte es sich um einen unterirdischen Nistkasten, wurde er in 6 -58% der Fälle selbst besiedelt. Dabei musste der Kasten 5 – 10cm unter der Erdoberfläche vergraben sein, sein Eingangstunnel musste 30 – 80cm lang sein.

Leider fanden die Forscher keine Belege dafür, dass die Nistkästen einen positiven Einfluss auf die Häufigkeit von Hummelvorkommen haben.

Quelle 2: Dave Goulson

Dave Goulson berichtet von einem Experiment, bei dem sein Team 500 oberirdische Nistkästen in England aufgestellt hatte. Sechs davon waren bewohnt.
Er schreibt:

Es gibt nur wenige Orte, an denen Hummeln niemals nisten – leider zählen dazu die in sämtlichen Gartencentern angebotenen Hummelnistkästen

Quelle 3: E. von Hagen

Eberhard von Hagen ist ein wichtiger Verfechter der oberirdischen Nistkästen, weil er damit viel Erfolg hatte. Er schreibt:

Aus gegebenem Anlass möchte ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich den Einsatz von unterirdischen Nistkästen, wie sie leider immer noch empfohlen werden, strikt ablehne. Diese werden, wenn überhaupt, in den seltensten Fällen von Hummelköniginnen von selbst besiedelt – im Gegensatz zum Oberirdischen!

Diskussion

Die schlechte Selbstbesiedlungsrate nach den 1980er Jahren könnte auf die geringe Populationsdichte der Hummeln zurückzuführen sein: Gibt es weniger Hummeln, werden auch weniger Nistkästen besiedelt. Die Ergebnisse sind also traurige Belege für den Rückgang der Hummelvorkommen.

Die populären Holznistkästen (Bauanleitung Hummelnistkasten, oberirdisch), die im Garten aufgestellt werden, sind praktisch zum Scheitern verurteilt. Eine Lösung bietet die aktive Ansiedlung. Die Selbstbesiedlung steigt dann in den Jahren danach, weil sich überwinternde Königinnen in der Nähe des alten Nests eingraben und dieses im folgenden Frühjahr inspizieren. Dies könnte der Grund für die großen Erfolge sein, die von Hagen mit den oberirdischen Kästen hatte.

Kann man deshalb dem Einsteiger einen solchen Holznistkasten empfehlen? Wenn er den Nistkasten nur aufstellt und auf eine Besiedlung hofft, wie man es beispielsweise mit Vogelnistkästen macht: Nein. Dieses Unterfangen dürfte erfolglos bleiben. Ihm kann man eher einen unterirdischen Kasten empfehlen.

Eine simple Bauanleitung für einen unterirdischen Kasten kann man hier ansehen…

Die Studie räumt aber auch mit dem Gedanken auf, dass sich ohnehin nur die häufigen Arten in einem Nistkasten ansiedeln lassen. Es gab immer auch seltene Spezies, die man in den Kästen vorfand, auch in unterirdischen Nistkästen.

Fazit

Für den Hummelschutz ist das Angebot an Nistkästen nicht der wichtigste Punkt. Die erste Quelle fand keinen Zusammenhang, dass durch die Nistkästen die Zahl der Hummeln zunehmen würden.

Vielmehr zeigte sich, dass Nistkästen nur dann häufig angenommen werden, wenn auch Hummeln häufig sind (Zeit vor 1980 bzw. in einer Studie in 2009 in einem botanischen Garten mit vielen Hummeln). Dann machen Nistkästen viel Sinn.

Diese Variante des unterirdischen Nistkastens funktioniert!

Die wichtigste Erkenntnis

So ist die wichtigste Erkenntnis, dass der Hummelfreund im Sinne des Hummelschutzes vor allem die Lebensräume der Hummeln in seiner Umgebung aktiv schützt und dort entsprechende Pflanzen fördert. Und letzteres kann ganz einfach sein: Es sind nur sieben Pflanzen, die Hummeln brauchen, lesen Sie das hier nach.

Literatur

  • Quelle 1: Dicks, L. V., Showler, D.A. & Sutherland, W.J., 2011: Provide artificial nest sides für bumblebees. http://www.conservationevidence.com/actions/48
  • Quelle 2: Goulson D, 2014: Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel
  • Quelle 3: von Hagen E, 2003: Hummeln.

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