Pandemie eines tödlichen Erregers für Hummeln und Wildbienen

Mit einer Pandemie kennen wir uns ja mittlerweile gut aus. Zwei amerikanische Wissenschaftler weisen nun auf eine Pandemie hin, die weltweit Insekten tötet. Von der Öffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt hat sich ein tödlicher Erreger verbreitet, der wohl alle Wildbienenarten betrifft. Es handelt sich um eine Nosema-Pandemie. Nosema (N.) ist ein Pilz. Und dieser Pilz wirkt dabei als Parasit.

Folgen durch Nosema

Nosema führt zu einer erhöhten Sterblichkeit und ineffizientem Sammeln. Das führt zu kleineren Staaten bzw. einer geringeren Nachkommenzahl. Bei männlichen Hummeln sind verkrüppelte Genitalien nachgewiesen worden.

Nosema ceranae löst weltweite Pandemie aus

Schon früher hatte ich das so zusammengefasst:

Ursprünglich (bis 2004) gab es den Einzeller Nosema apis auf der Honigbiene und Nosema bombi bei Hummeln. Parasiten sind wirtsspezifisch, sie können also nur von ihrem Wirt leben und nicht von anderen Tieren. Nosema apis wurde also den Hummeln nicht gefährlich, umgekehrt Nosema bombi nicht den Bienen.

(Quelle)

So war es bis 2004. Dann kam Nosema ceranae, eine verwandte Art. Sie existierte bislang nur auf asiatischen Bienen. In kürzester Zeit verdrängte N. ceranae den ursprünglichen Parasiten N. apis bei Honigbienen. Danach ging Nosema ceranae auch auf Hummeln über.

Die Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass N. ceranae mittlerweile auf der ganzen Welt vorkommt.

Der Handel mit Zuchtvölkern führte zur Pandemie durch Nosema ceranae

Und so, wie wir selber aktuell die Covid-19-Infektionswege nachvollziehen wollen, arbeiteten die Wissenschaftler. Sie rekonstruierten, wie es zur weltweiten Ausbreitung von N. ceranae kommen konnte. Entscheidend dabei waren Zuchtvölker. Zunächst verbreitete sich N. ceranae durch den Handel mit kommerziellen Bienenvölkern. Später trugen auch kommerzielle Hummelvölker dazu bei.

Schlimm ist: Auf diese Weise wurde N. ceranae nicht nur weltweit verbreitet. N. ceranae befiel nun auch eine ganze Reihe von Wildbienenarten.

Das Problem: N. ceranae befällt nun auch zahlreiche Wildbienenarten

Dadurch trägt N. ceranae zum weltweiten Insektensterben bei. Die Verantwortung tragen dafür Züchter, die mit belasteten Völkern handeln. Auf diese Weise sterben weltweit selbst in Naturschutzgebieten und selbst dann, wenn die Wildbienenarten unter strengem Schutz stehen, die Wildbienen. Nachweisen ließ sich N. ceranae in den folgenden Wildbienen-Gattungen (neben Apis und Bombus):

  • Andrena
  • Anthophora
  • Chelostoma
  • Colletes
  • Halictus
  • Heriades
  • Hylaeus
  • Lasioglossum
  • Melipona
  • Melitta
  • Osmia
  • Scaptotrigona
  • Tetragonisca

Auf dieser Karte lässt sich nachvollziehen, dass N. ceranae mittlerweile außerhalb Afrikas und Australiens in kommerziellen und natürlichen Völkern vorkommt. In Afrika und Australien ist der Übergang von kommerziellen Völkern auf wildlebende Arten noch nicht erfolgt.

Eine Karte zeigt die weltweite Verbreitung von Nosema ceranae bei Zucht- und Wildvölkern.
Die Abbildung zeigt das nachgewiesene, weltweite Vorkommen von Nosema ceranae bei Wildbienen und / oder Zuchtvölkern. Quelle: II, GAC, Quandt, CA. 2020: A growing pandemic: A review of Nosema parasites in globally distributed domesticated and native bees. PLoS Pathog 16(6): e1008580. https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1008580. CC-Lizenz BY 4.0

Forderungen

Im Sinne des Hummelschutzes und überhaupt des Insektenschutzes ist die Bekämpfung von Nosema ceranae in käuflichen Bienen- und Hummelstaaten sehr wichtig. Hier sind gesetzliche Vorgaben nötig. Dies schließt auch die Vernichtung von kommerziellen Hummelvölkern nach dem Gebrauch in Gewächshäusern ein. Zuchtbetriebe sind verantwortlich und müssen in die Pflicht genommen werden.

Literatur

II, GAC, Quandt, CA, 2020. A growing pandemic: A review of Nosema parasites in globally distributed domesticated and native bees. In: PLoS Pathog 16 (6): e1008580. https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1008580

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3 comments on “Pandemie eines tödlichen Erregers für Hummeln und WildbienenKommentar verfassen →

  1. Ich bin enttäuscht., viel zu pauschal, ich habe viel zu wenig Wissen. Das sind so relativ abstrakte Fakten, außer dem „Rettungsversuch“ mit einem Notfall- Kit, nichts. Natürlich interessieren mich in erster Linie die hiesigen Hummeln. Keine Ahnung, ob ihre momentane Schwäche hier auf dem Balkon im 5. Stock am Lebensalter liegt, an zunwenig Futter, an den letzten starken Winden… An Zuckerwasser gehen sie nicht, (Ich wusste auch nicht, dass sie fast immer nur von einer Sorte Pflanzen vorziehen). Ich wohne in einer Anlage mit 7-9 Stockwerken, die großen Balkontröge sind fast alle bepflanzt. Davor liegt eine Bungalowsiedlung, viele Blühpflanzen, sehr unterschiedlicher Baumbestand, Grünflächen .
    Aber so gut wie keine Hummeln oder Bienen.. Da ich über Wochen jetzt immer eine Anzahl Hummeln auf dem Lavendel hatte, interessierte ich mich. Aber eigentlich weiß ich nur sehr wenig. Selbst im Kosmos- Naturführer ist so gut wie nichts zu finden.

  2. Ich habe in unserem Garten eine Vielfalt an einheimischen Wildpflanzen, sodass die Hummeln und Bienen die ganze Sommersaison Nektar und Pollen finden. Ich muss dabei feststellen, dass unser Garten eine Oase in der Wüste für Hummeln und Wildbienen ist. In den Gärten des ganzen Ortes findet man aus Hummelsicht fast nur Ödnis: Rasen, überzüchtete Blumen, exotische Nadelbäume, Ligusterhecken, die kurz vor der Blüte geschnitten werden. Jedes Wildkraut wird konsequent vernichtet und der Gipfel der Einfaltslosigkeit: Schottergärten!
    In der industriellen Landwirtschaft finden die Hummeln und Wildbienen auch nichts.
    Das ist das Ende der Hummeln und Wildbienen!!! Durch Globalisierung eingeschleppte Krankheiten geben den Rest.
    Lavendel ist sehr gut, allerdings nur Nahrung für kurze Zeit. Die Möglichkeiten auf einem Balkon sind natürlich sehr begrenzt…

  3. Dieser Beitrag ist wahrlich interesannt. Es zeigt am Beispiel von Bienendas Problem des globalen Handels mit Tieren (und Pflanzen) auf.
    In der Darstellung möchte ich auf zwei ungenauigkeiten Hinweisen:
    1. Hummeln sind Wildbienen, das wird im Beitrag nicht deutlich.
    2. Apis ceranae ist die asiatische Honigbiene. Sie ist nicht identisch mit der europäischen Honigbiene.
    Apis ceranae wird nicht von Züchtern verbreitet. Allenfalls interessieren sich Bienenwissenschaftler für diese Art. Also bitte: Imker (auch Züchter) sind an der Verbreitung dieser „Pandemie“ nicht beteiligt. Bei Bedarf kann ich das Thema vertiefen.
    Richtig könnte sein, dass die Züchtung und Verbreitung der Erdhummeln zur Verbreitung dieser Erreger beitragen könnte. Dies ist schlimm. Zumal die Verbreitung der Erdhummeln in der ganzen Welt (außerhalb ihrer natürlichen Verbreitung) Probleme verursacht. (vergleiche Dave Goulson: Die seltensten Bienen der Welt)
    Was ich möchte: Hobbyimker und Naturschützer sitzen in einem Boot. Richtig ist allerdings auch: Honigbienen und Wildbienen leben mit unterschiedlichen „Bedürfnissen“. Konkurrenzprobleme und Gesundheitsprobleme gibt es aber dann nicht, wenn die Lebensräume funktionieren.
    Wir brauchen solche Gärten, (wie sie oben beschrieben wurden) besser noch solche Gärten, Strassenränder, Feldsäume, Dorf-und Stadtflächen, natürliche Flächen usw. damit Ökosysteme als solche existieren und funktionieren (können).
    freundliche Grüße
    Jürgen

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