Sähen, was das Zeug hält – für die Wildbienen (Gastbeitrag)

Immer mehr Menschen werden (Gott sei Dank) aufmerksam auf das erschreckende Insektensterben. Dazu tragen vor allem die Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, beachtlich bei. Schließlich gehören die kleinen, runden, flauschigen Streifenträger zu den süßeren Insektenarten, wodurch schlicht weg mehr Hörer erreicht werden können. Darunter verstehen sich auch naturfernere Menschen, die vor allem bei nicht so kuscheligen Insekten schnell das Interesse verlieren. Hier möchte ich also gleich zu Beginn explizit darauf hinweisen, dass uns zwar der Schutz der Hummeln am meisten am Herzen liegt, die folgenden Maßnahmen für deren Erhaltung aber für alle Insekten sinnvoll und hilfreich sind.

Eine Studie belegt positive Wirkung

Nicht ohne Grund geht es im folgenden Artikel um das eigentlich täglich brisante Thema des Artensterbens. Während „urban beekeeping“ immer moderner wird, kann wirklich jeder bei der Erhaltung der Wildbienen einen Beitrag leisten, ohne solch einen großen Aufwand betreiben zu müssen. So belegt eine Studie des Büros für angewandte Tierökologie & Botanik aus Konstanz, in Auftrag gegeben von der Bodensee-Stiftung, dass das Ansähen von verschiedenen Blumenarten eine weitreichend positive Wirkung auf die Artenvielfalt und die Individuenzahl von Wildbienen hat. Dabei ist das eigentlich positive der Studie (zumindest für uns als Hummelschützer): Es ist egal welche Blumen man sät- sie helfen alle!

Blütensommer oder Bienenweide

So hört man immer wieder, dass für viele ein insektenfreundlicher Garten verwildert aussieht. Die blühenden Blumen ähneln mehr eine Kuhweide, als einem schönen, gepflegten Garten. Die Untersuchung, die eigentlich darauf ausgerichtet war, zu beobachten was Nisthilfen und Blühstreifen in Niederstamm-Obstanlagen bewirken, zeigte klar auf, dass die Art der Blumen egal ist. Also können auch schöne Gärten zur Hummel-Aktion beitragen.

Als Vergleich wurde eine Saat-Mischung namens Blütensommer gewählt, die im Gegensatz zu der Saat-Mischung Bienenweide weitaus farbenfrohere und „schönere“ Blüten zu bieten hat. Das Ergebnis: Die Anzahl der gezählten Individuen unterschied sich nur um 15 Stück. So waren es 126 Individuen beim Blütensommer und 109 in der Bienenweide. Für uns ist nicht nur diese Erkenntnis relevant, sondern auch, dass dadurch der Standort der Studie nicht nur lokale Ergebnisse zeigt. Egal wo und egal welche Blumenweide gesät wird: Es hilft!

Artenvielfalt oder Individuenzahl

Selten kommt die Pointe einer Geschichte vor dem Ende. Hier ist es jedoch der Fall: Jegliche Ackerflächen, sei es zwischen Ihren Tomaten, neben der Garageneinfahrt oder einfach nur neben dem Kellerfenster, können zur Blühfläche umfunktioniert werden. Ein paar Saatkörner können in Sachen Insektenschutz wahre Wunder bewirken. Und das meine ich wortwörtlich. Schließlich hilft jede blühende Blume den Hummeln besser leben zu können.

Wer dennoch auch entomologische Hintergründe verfolgt kann tiefer in die Materie der Studie einsteigen: So zeigte sich, dass mehrjährige Aussaaten die Artenvielfalt fördern, einjährige Aussaaten die Anzahl der beobachtbaren Wildbienen.

Im Klartext: Wer nicht jeden Frühling neu säen will kann einfach mehrjährige Blühflächen streuen. Das tut dem Hummelschutz keinen Abbruch. Wer mehr Wildbienen fördern will, sät jährlich neu. Also raus in den Garten und jegliche braune Stellen mit Saat beglücken. Viel Spaß beim Beobachten der Wildbienen. Sie werden es Ihnen danken!

Felix


(Der Artikel ist ein Gastbeitrag. Felix aus München ist Hummelfreund und unterstützt gerne diese Homepage. Wenn Sie auch dazu beitragen möchten, melden Sie sich doch bei mir.)


3 comments on “Sähen, was das Zeug hält – für die Wildbienen (Gastbeitrag)Kommentar verfassen →

  1. Toller Artikel, Felix! Das Lesen machte richtig Spaß.

    @Eva Dust: gekaufte Wildpflanzen-Samen funktionieren manchmal nicht so gut wie frische aus dem Garten. Wer weiß unter welchen Lagerbedingungen sie gelagert werden, wie alt sie sind etc. Oft stehen auf den Tütchen gar keine Jahresangaben…. Ich mache beim Tauschgarten mit (nachgooglen) und die dortigen Samen und Pflanzen waren fast immer super. Ich kaufe keine Mischungen, sondern lieber einzelne Sorten. Aus Hummelsicht kann ich die Balsaminen empfehlen. Die lassen sich unglaublich leicht aussäen und kommen immer. Der Sämling entwickelt sich schnell und kräftig. Die Balsaminen blühen sogar im Schatten und sind bei meinen Hummeln sehr sehr beliebt. Darüberhinaus sehen sie wunderschön aus mit ihren luxuriös wirkenden großen Blüten. Auch jetzt könnte man noch einen Versuch mit Balsaminen starten….

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