Warum ich Hummeln schütze:

Ich selber kam zu den Hummeln durch einen Zufall. Ich leitete als Student eine Kinder- und Jugendgruppe, die mir vorschlug, einen Nistkasten zu bauen. Ich stöhnte, „Schon wieder ein Nistkasten?“ – denn wir hatten erst vor Kurzem einen Meisennistkasten gebastelt. In der Unibibliothek schaute ich, ob es nicht noch andere Nistkästen gibt, die man bauen kann und entdeckte ein Buch von Eberhard von Hagen über Hummeln. Ich las es und begann, mich für Hummeln zu interessieren.

Das ist viele Jahre her – und seitdem habe ich viel über Hummeln erfahren.

Je mehr ich über Hummeln erfuhr, desto mehr setzte ich mich für ihren Schutz ein.

Hummeln sterben seit etwa 40 – 50 Jahren. Neben dem Bienensterben ist es ein eher stilles Sterben, wenig liest man darüber. Von den 36 Hummelarten sind nur noch sieben häufig, alle Hummeln stehen unter strengem Schutz.

Was mich persönlich fasziniert:

Ich finde Hummeln wirklich faszinierend, es sind sehr kluge und tolle Insekten:

  • Sie merken sich Blüten und Neststandorte auch dann, wenn sie kilometerweit auseinander liegen.
  • Sie beobachten sich tatsächlich gegenseitig beim Blütenbesuch und lernen voneinander.
  • Sie lernen rasch, wie sie Blüten möglichst schnell vollständig ausbeuten können und unterscheiden rasch die lohnenden von den weniger ertragreichen Blüten.
  • Sie wählen sogar warme Blüten, die in der Sonne liegen, häufiger als kalte, weil sie selbst dadurch weniger Energie verlieren.
  • Sie markieren Blüten mit Duftstoffen und informieren dadurch ihre Verwandten, dass sie gerade hier waren und nichts mehr zu holen ist.
  • Sie kommunizieren miteinander und warnen durch Geräusche mit den Flügeln.
  • Sie treten im Nest für die Königin ein.

Und was wäre erst, wenn es keine Hummeln mehr gäbe?

Können Sie sich eine Welt ohne Hummeln vorstellen? Wie sieht die aus?

Zunächst einmal müssten Sie auf viele Früchte verzichten:

Käufliche Erdbeeren werden von Hummeln bestäubt. Ohne Hummeln gibt es dann keinen Erdbeerkuchen mehr, kein Erdbeereis, keine…

Äpfelbäume werden auch von Hummeln bestäubt. Gerade in Jahren mit kalter Witterung sorgen alleine die Hummeln für Früchte, denn Bienen fliegen dann nicht.

Alle möglichen Früchte, Tomaten, Gurken usw. werden im Gewächshaus durch die Bestäubung von Hummeln erzeugt.

Der Wert der Bestäubung durch Bienen und Hummeln beträgt in den USA 30 bis 60 Milliarden Euro – pro Jahr. Andere Schätzungen sind sogar noch größer.

Die Vereinten Nationen haben 100 Pflanzenarten gefunden, mit denen wir unsere Ernährung zu 90% bestreiten. Und von diesen 100 Pflanzen, von denen wir so extrem abhängig sind, werden 70 durch Bienen und Hummeln bestäubt.

Wir sind völlig abhängig von den Bestäubungsleistungen unserer Insekten. Wenn Sie sich eine Welt ohne Hummeln vorstellen, wäre das eine sehr lebensfeindliche Welt – wir könnten dort gar nicht existieren.

Da wo Hummeln fehlen, müssen die Pflanzen von Hand bestäubt werden. Es gibt Fotos aus China, auf denen Arbeiter auf Leitern mit einem Pinsel zu sehen sind, wie diese die Blüten einer Obstplantage einzeln bestäuben. Und vor der Zeit der industriellen Hummelzucht wurden auch alle Tomaten von Hand durch einen Rüttelstab bestäubt.

Es liegt an uns

Es liegt in unserer Hand, denn es liegt an unserer Art uns zu ernähren und Lebensmittel zu produzieren, dass Hummeln selten geworden sind.

Die industrielle Landwirtschaft, aber auch viele private Gärtner

  • vernichten Lebensraum (Monokulturen ohne Nahrung für Hummeln) und
  • Nistplätze (unterirdische Mäusenester).
  • Landwirte verzichten auf Ackerrandstreifen, auf denen früher Obstbäume standen und Blühpflanzen für Artenvielfalt sorgten. Und:
  • Landwirte und Gärtner setzen Gifte ein.

 

Keine einzige Blüte, noch nicht einmal ein einziges Unkraut auf dem Acker. Eine Wüste für Hummeln.

Jedenfalls ergeben sich für die Hummeln in der Natur dadurch wüstenartige Landstriche. Über Kilometer hinweg gibt es dort keine Nahrung mehr für unsere Hummeln.

Die Lösung ist so banal wie einfach:

Wir müssen einfach mehr Blumen pflanzen und in der Wüste kleine Oasen schaffen. Was wir vor allem brauchen ist mehr Nahrung für unsere Hummeln. Vom Frühling an bis in den Herbst.

Purpurklee. Der ist nicht nur schön, sondern auch eine gute Hummelpflanze.

Eine ganz aktuelle Studie fand heraus, dass die Hummelpopulationen sich in ihrer Größe vervierfachen, wenn es in 250 – 1000m um das Nest Blütenpflanzen gibt. Es ist so einfach. Oder: Wussten Sie auch, dass es nur sieben Pflanzenarten sind, die besonders den seltenen Hummelarten sofort helfen würden?

Jeder kann dafür sorgen, dass unsere Hummeln mehr Nahrung finden. Das geht auf dem Balkon, der Terrasse und dem Garten. Innerhalb von 2 – 3 Jahren werden Sie den Unterschied merken. Und die Hummeln werden es Ihnen danken.

Tipp: Hier Hummelpflanzen anschauen…

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