Seltene Hummeln fördern: Die sieben wichtigsten Pflanzen

Welche Ansprüche haben seltene Hummeln an die Umwelt? Eine Antwort auf diese Frage ist sehr wichtig für die Hummelschützer. Denn während die häufigen Arten („Big Seven“) oft keine speziellen Ansprüche haben, sind seltene Arten Nahrungsspezialisten.

Blütenreiche Wiese
Blütenreiche Wiese: Vorallem Wiesen mit Fabaceaen wie dem Wiesen- und Hornklee nutzen den seltenen Hummelarten.

Britische Forscher beobachteten in einer aufwändigen Studie 15 Hummelarten und notierten die Pflanzenarten, die die Hummeln anflogen.

Die Methode

Dazu durchstreiften die Wissenschaftler eine Stunde lang eine Fläche mit einem Radius von 100 Meter. Insgesamt kamen so 172 Beobachtungsstunden zusammen. Um die die Ergebnisse vergleichbar zu halten, wurde nur an warmen, trockenen Tagen und nur zwischen 8 und 17 Uhr gearbeitet. Die Flächen auf den Hebriden (West-Schottland), im Süden Großbritanniens und in Neuseeland (zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten Farmer hier drei britische Hummelarten angesiedelt).

Weil manche Arten auch für den Profi nicht spontan zu unterscheiden sind, verzichteten die Forscher bei den Erdhummeln ganz auf eine Unterscheidung. Für die Differenzierung zwischen Bombus humilis und B. muscorum holten sie die Lupe heraus.
Außerdem notierten sie, wann die Hummeln Pollen und Nektar (Pollenhöschen an den Beinen) oder nur Nektar (keine Pollenhöschen) sammelten.
Zusätzlich maßen sie die Rüssellänge anhand von toten Exemplaren der verschiedenen Arten aus dem Museum.

Die Ergebnisse: Seltene Hummeln brauchen 5 – 7 Pflanzen!

A) Bevozugte Pflanzen zum Pollensammeln

In mehr als 60 Prozent der Fälle nutzten die Hummeln Pflanzen aus der Familie der Fabaceae zum Pollensammeln. Das bedeutet, dass viele andere Pflanzen keine oder nur eine geringe Rolle für die Hummeln haben. Besonders wichtig war, dass vor allem die seltenen Arten wie die Feldhummel, Bombus ruderatus, die Veränderliche Hummel, Bombus humilis und die Erdbauhummel (B. subterraneus) diese Pflanzen anflogen. Im einzelnen gab es fünf Pflanzen, die sehr wichtig als Pollenquelle waren:

  1. Wiesenklee (Trifolium pratense / Fabaceae) mit 28,8 Prozent aller Besuche,
  2. Weiß-Klee (Trifolium repens / Fabaceae), 10,1 Prozent,
  3. Besenheide (Calluna vulgaris / Ericaceae), 9 Prozent,
  4. Hornklee (Lotus corniculatus / Fabaceae), 8,5 Prozent,
  5. Graue Heide (Erica cinerea / Ericaceae), 4,4 Prozent.

Die Forscher zeigten auch einen Zusammenhang zur landwirtschaftlichen Nutzung auf. Denn blütenreiche Wiesen (früher Grünfutter), die reich an Fabaceaen sind, gibt es heute kaum noch. Weil aber alleine Wiesenklee und Hornklee zusammen 37,3 Prozent der Pollenquellen ausmachen, ist der Verlust dieser typischen Wiesenpflanzen tragisch.

Weitere wichtige Pflanzenfamilien waren Boraginaceae und Rosaceae.
Die Ericaceaen waren für drei seltene Arten sehr wichtig:

  • Mooshummel, Bombus muscorum
  • Heidehummel, Bombus jonellus
  • Große Erdhummel (Bombus magnus)

B) Bevozugte Pflanzen zum Nektarsammeln für seltene Hummeln

Die obigen Pollenpflanzen tauchten auch alle in den TOP 10 der Nektarquellen auf, was ihre Bedeutung unterstreicht. Zusätzlich spielten aber auch zwei weitere Arten eine große Rolle:

Sehr große Nektarquelle, seltene Hummeln schätzen die Pflanze
6. Gewöhnlicher Natternkopf, Echium vulgare:

Keine andere Pflanze lockte so häufig zum Nektarsammeln. Mehr als jeder fünfte Flug hatte eine Blüte des Natternkopf zum Ziel.

 

Flockenblumen bietet viel Nahrung für seltene Hummeln
7. Flockenblumen-Arten, Centaurea spec.

Mehr als 10% aller Blütenbesuche zum Nektarsammeln entfielen auf die Flockenblumen.

C) Seltene Hummeln: Rüssellänge

  • Kurze Saugrüssel (bis einschl. 8 Millimeter) haben B. magnus, B. jonellus, B. monticola, B. soroensis, B. terrestris, B. B. lucorum, B. lapidarius, B. pratorum.
  • Eine mittlere Rüssellänge (zwischen 8 und 9 Millimeter) haben B. humilis, B. ruderarius, B. sylvarum, B. muscorum, B. pascuorum.
  • Die längsten Rüssel (ab 9 Millimeter) haben B. ruderatus, B. distinguendus, B. subterraneus, B. hortorum

D) Fazit: Was macht manche Hummelarten so selten?

  • Alle Hummelarten, die auf Fabaceaen spezialisiert sind, sind selten, weil diese durch eine veränderte Landwirtschaft kaum noch häufig vorkommen.
  • Außerdem zeigt sich, dass alle Arten selten sind, die spät im Jahr auftauchen und einen langen Saugrüssel haben. Beides sind wiederrum Anpassungen an die Fabaceaen, die erst ab Juni blühen und eine lange Kronröhre haben.
  • Ähnliches gilt für diejenigen Arten, die auf Ericaceaen spezialisiert sind.

Lediglich an einer Erklärung für die Seltenheit von B. soroensis und B. ruderarius scheitern die Forscher mit dieser Studie. Hier vermuten sie, dass es nicht die Vorliebe für bestimmte Nahrungspflanzen ist, die zur Seltenheit beiträgt, sondern beispielsweise Ansprüche an den Niststandort.

E) Rückschlüsse für den Hummelschutz

Eigentlich ist es so einfach:

  • Anlage, Pflege und Schutz von Wiesen mit Hornklee und Wiesenklee

Der Garten kann die Verhältnisse nicht exakt nachbilden: Den Klee im Garten bekommt der Gartenliebhaber nämlich kaum unter Kontrolle. Aber es gibt den

Purpurklee für den Garten und für seltene Hummeln
Purpurklee. Der ist nicht nur schön, sondern auch unter Kontrolle zu halten.
  • Mehrere Pflanzen des „Gewöhnlichen Natternkopf“ und von Flockenblumen gehören auch in den Garten.
  • Im Blumenkübel lässt sich Hornklee aussäen (wegen des Wurzelwerks nicht ins Beet säen).
  • Auch eine sonnige Ecke mit Heidepflanzen ist sehr gut.
  • An feuchten und halbschattigen Stellen wachsen Beinwell und Borretsch (beides Boraginaceae) sehr gut und spenden Nektar und Pollen.
  • Und: Keine Wildblumenmischungen aussäen!

Literatur

Goulson D., Hanley ME, Darvill B, Ellis JS, Knight ME, 2004: Causes of rarity in bumblebees. In: Biological Conservation, doi: 10.1016/j.biocon.2004.06.017

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6 comments on “Seltene Hummeln fördern: Die sieben wichtigsten PflanzenKommentar verfassen →

  1. Ich habe auf meinem Balkon leider schon Wildblumen gesät, aber wollte jetzt zusätzlich Klee säen, finde aber nur Beutel mit mehreren Kilo Saat. Weiß jemand, wo ich kleinere Mengen finde?

  2. Ich bin entzückt, dass ich hier Fragen stellen kann!
    Bin glückliche Mieterin eines Gartens mit sehr vielen Rhododendren und Lavendel. Schon sehr Hummelfreundlich. Habe aber sehr viel kleinblühtiges gepflanzt und gesät und beobachte natürlich immer Hummeln am Natternkopf, Weiß-Klee und besonders morgens auf dem Klatschmohn. Aber auch auf Linaria marocana und Linaria Purpur. (kann ich leider nicht ausschreiben, macht dieses Gerät ein anderes Wort draus), das interessante ist aber, dass man sie versetzt aussäen kann und auch ein Rückschnitt wird zum Neuaustrieb genutzt. Also eine lange Blütezeit. Und hübsch anzusehen…
    Nun habe ich hier sandigen Boden aber Lehm von der Steilküste
    geholt, Steine liegen hier auch, auch Sand von der Kiesgrube, aber ich weiß nicht so genau, wie ich es der Hummel recht machen kann…
    Mische ich z.B. den Lehm mit Sand? Sollte der geschichtete Steinhaufen mit etwas Lehmsand bestückt werden? Wie kann ich den Platz unter der aufgeasteten Tanne noch nutzen?
    In welchem Winkel sollte man Löcher in Baumstümpfe bohren, um Insekten einzuladen? Und in welchem Abstand?
    Und etwas Rotkleesaat wäre toll! Kann man ihn in diesem Jahr noch aussäen?
    Vielen Dank für die eine oder andere Antwort
    Sabine Lenser-Scharn
    Meine Adresse: XXXXX

    1. Hallo,

      die von dir hervorgehobenen Arten sind zum Teil auch in der Pflanzenliste zu finden:
      Mohn // Natternkopf // Lavendel // Lavendel für den Balkon // Rhododendron

      Die beiden Linaria – Arten kenne ich noch nicht. Vielleicht kannst du ja ein Foto machen und sie hier vorstellen?

      Zum Nest: Hummeln benötigen zur Nestgründung im Frühjahr einen geeigneten Standort, jetzt ist es dafür leider schon zu spät. Geeignet sind höhlenartige Plätze. Insofern machst du mit deinen Vorkehrungen den Sandbienen eine Freude, die Hummeln werden sich aber wohl nicht so sehr dafür interessieren. Hier findest du eine Bauanleitung für einen Nistkasten.

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