Springkraut und Mahonie: Invasive Horrorpflanzen oder Hummelparadies?

Das Drüsige Springkraut und die Mahonie bieten viel Nahrung für unsere Hummeln, die seltene Waldhummel fliegt sogar bevorzugt auf das Springkraut. Beide Pflanzen sind aber auch problematisch: Wo sie auftauchen, wächst bald kein anderes Kraut mehr. Würden Sie zu Gunsten der Hummeln diese exotischen Pflanzen trotzdem fördern?

Impatiens glandulifera, das aus Asien stammende Drüsige Springkraut blüht im Sommer ausgesprochen üppig. Die bis zu 2m hohen Pflanzen bilden zahlreiche, große und pinke Blüten aus.

Nahrung für Hummeln: 10x so viel Nektar

Das Springkraut überbietet unsere heimischen Pflanzen in Sachen „Nahrung für Hummeln“ deutlich. Mit 48% ist der Zuckergehalt des Nektars zwar nur durchschnittlich, aber mit 0,47mg Nektar pro Pflanze und pro Stunde produziert das Springkraut etwa 10x so viel Nektar wie die beste Pflanzenart in ganz Europa. Verglichen mit den meisten anderen heimischen Arten sind 0,47mg Nektar etwa 40x so viel wie normal (Chittka & Schürkens, 2001).

 

Schaden für heimische Pflanzen

Die Folge davon ist, dass andere Pflanzen kaum noch besucht werden. Während das Springkraut Bestäuber auch von weit her anlockt, werden heimische Pflanzen weniger oft bestäubt. Sie können sich nicht fortpflanzen und werden verdrängt. Dazu kommt, dass das bestäubte Springkraut enorme Mengen Samen herstellt: 2500 Samen pro Pflanze sind dabei der Durchschnitt. Auch deshalb treten innerhalb weniger Jahre riesige Springkrautbestände auf, während die natürliche Flora an dieser Stelle abstirbt.

Behörden müssen das Springkraut bekämpfen

Aus gutem Grund steht das Springkraut daher auf der sog. Schwarzen Liste. Hier finden sich sog. invasive Arten, die sich rasch ausbreiten, Monokulturen bilden und dabei die heimischen Arten auslöschen. Pflanzen, die dazu gehören, müssen behördlich bekämpft werden.

Seltene Waldhummel nutzt Springkraut als wichtige Nahrungspflanze

Die seltene und streng geschützte Waldhummel am Springkraut, einer typischen Trachtpflanze für Waldhummeln.

Ausgerechnet für die seltene und streng geschützte Waldhummel sind Springkrautpflanzen aber bevorzugte Nahrungspflanzen. Auch die Hummelschützer Eberhard und Heinrich von Hagen führen die Springpflanze als Haupttrachtpflanze der Waldhummel.

Die Mahonie bietet 4 – 5x so viel Nektar

Auch die Mahonie ist für Hummeln eine sehr wichtige Trachtpflanze (Trachtpflanze des Monats). Der Nektar enthält zu 36% Zucker (Durchschnitt), jede Blüte aber 4 – 5 µL davon. Das ist sehr viel, denn „normale“ Blüten bieten gerade etwa 1µL Nektar (Studie).

Für die meisten Hummeln ist die Mahonie keine Trachtpflanze, was daran liegt, dass sie im Januar bis März blüht. Im Zuge des Klimawandels kommt es aber regional vor, dass Hummeln nicht überwintern, sondern eine 2. Generation bilden. Die Mahonie ist für sie dann die einzige Nahrungsquelle. Wenn sie keine Nahrung finden, sterben sie und da keine Tiere überwintern, stirbt die lokale Hummelpopulation.

Zur Zeit ist das noch kein Problem, weil dieses Verhalten bislang nur lokal aufgetreten ist (bei der häufigen Dunklen Erdhummel).

Wie das Springkraut wird die Mahonie als invasive Art geführt: in Sachsen-Anhalt, der Schweiz und Belgien.

Was also tun?

Aus Sicht der Hummeln, die ansonsten schlicht verhungern, sind die Springkrautbestände ebenso wie die Mahonie ein Segen, aus Sicht der Umweltschützer, die die natürliche Flora erhalten wollen, ein Graus.

Was also tun?

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23 Kommentare zu “Springkraut und Mahonie: Invasive Horrorpflanzen oder Hummelparadies?Kommentar verfassen →

  1. Wenn genügend andere Nahrungsquellen im Garten , Balkon gepflanzt werden, und man dadurch dafür sorgt das die Hummeln und andere Insekten ausreichend Nektar sammeln können, sind diese invasiven Pflanzen meines Erachtens nicht von nöten.

    1. Absolut richtig ! Betreffend Springkraut in „Die rote Pest aus grüner Sicht“ von Volkmar Weiss im Stocker-Verlag gut dargelegt. Man muß sich leider abfinden, daß durch Klimaänderung und Globalisierung räumliche Grenzen überwunden werden – siehe Eschentriebsterben etc.

  2. Ich denke, dass Bienen, Hummeln und Co. für unser aller Überleben überaus wichtig sind und daher kann man ruhig mal in „den sauren Apfel beißen“ und exotische Pflanzen fördern!!!

  3. Ich bin der Ansicht, dass wir die natürliche Fauna nicht mit Springkraut oder Mahonie vernichten sollten. Lassen wir jedem Landstrich seine Fauna, die Hummeln werden sich dort vermehren, wo es ihnen passt.

    1. Ich bin der Ansicht,dass wir die natürliche Umwelt nicht mit Springkraut oder Mohonie vernichten sollten. Die Hummeln vermehren sich ,wo es ihnen passt, und wenn es in einem Starenkobel ist.

  4. Invasive Neophyten braucht man nicht zu fördern. Sie geraten ganz von alleine außer Kontrolle, selbst, wenn man versucht, sie zu kontrollieren. In einigen Fällen, wie beim Indischen Springkraut und dem Japanischen Staudenknöterich, verlieren wir ganze Landschaften. Allerdings werden Neophyten gerne erst auf gestörten Flächen invasiv. Meine Meinung: Lieber die Erhaltung und Schaffung artenreicher Lebensräume fördern. Ihr Verlust bringt uns ja erst in die für Hummeln und weitere Insekten so prekäre Situation. Mit Auswirkungen auf die gesamte Artengesellschaft.

    1. Ich bin derselben Meinung wie Silke. Auch wenn wir die invasiven Pflanzen bekämpfen (und das sollte man wirklich), finden sie dennoch ihre Nischen bzw. werden sie weiter überleben. Man sollte sie nicht aus den Augen verlieren, denn durch die großen Mengen der verwendeten „Unkraut“vernichtungsmittel ist unsere heimische Flora ohnehin sehr stark gefährdet. Ich begreife einfach nicht, wie manche Menschen so gleichgültig mit diesem Thema umgehen, aber wenn man den Blick nur auf Handy & Co. richtet, muss es nicht wundern, wenn man dann plötzlich feststellen muss, dass die Natur sich für diese Gleichgültigkeit rächt.

  5. Hummeln und andere Tiere, die aktuell dieses Angebot gerne nutzen, haben Jahrtausende ohne diese Pflanzen bei uns überlebt. Wir greifen auch hier zu sehr in die standortbezogene Ökologie ein, wie das natürlich – und viel gravierender – durch die Landwirtschaft erfolgt. Aber jeder will natürlich seinen grünen Salat zum Sonntagsschnitzel und das übers ganze Jahr.

  6. Eine Förderung invasiver Arten käme für mich nicht infrage.Meiner Meinung nach verhält es sich dabei wie bei der Gentechnik – man weiß schlußendlich doch nicht welche Auswirkungen damit verbunden sind. Eine Förderung der einheimischen Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren ist m.E. der deutlich bessere Weg.

  7. Des Einen Freud des Anderen Leid. Nach meiner Meinung sollten die invasiven Neophyten (hier auch die amerik. Kermesbeere) bspw. durch Schulprogramme mit Pflegemaßnahmen bekämpft werden. Gleichzeitig sollten diese Flächen intensiv durch standordgerechte, einheimische Pflanzen bepflanzt werden. Somit wäre allen gedient. Aber wohl nur ein schöner Traum.

  8. Ich finde, wir Menschen – selbst Verursacher von Neophyten & Neozoen-Ansiedlungen – sollten uns von deren Bekämpfung wie Förderung distanzieren.
    Die Vergangenheit zeigt, dass dies weder erfolgreich noch praktikabel ist.
    Oder wollen wir zukünftig auf Kartoffeln, Mais, Tomaten, Rotwild etc. verzichten.

    ALSO FINGER WEG!

    1. Ganz meiner Meinung! Allerdings lässt sich das Springkraut, wenn man es rechtzeitig rausreißt, gut in Schach halten, etwa auf Weiden oder im Garten. Die Wurzeln gehen nur flach ins Erdreich. Wenn man es über einen Zeitraum von zwei Jahren vor Samenbildung regelmäßig mitsamt Wurzeln entfernt, hat man keine Probleme damit.

  9. Ich habe für ‚ Ja ‚ gestimmt , da ich , kontrolliert , beide Pflanzen i Garten habe . Besonders die Mahonie als Frühblüher finde ich wichtig , genauso wie Krokusse . Springkraut reiße ich raus , sobald es Samen bildet .Das ist mein Kompromiss an die Hummeln.

    1. Beide Pflanzen sind auch sehr schön und kontrolliert durchaus zu vertreten. Wie ich bereits erwähnt habe, lässt es sich ohnehin nicht ausrotten, aber in der Landschaft (den Gartenbereich nehme ich ausdrücklich aus) sollte man diese „Invasionen“ unbedingt bekämpfen.

  10. Ich dulde auch in meinen beiden Gärten das kontrolliert gepflanzte Springkraut. 15 Hummelvölker 2017 haben sich hpts. in Hummelhotels bei mir angesiedelt, kein Zufall, sondern spezielle Förderung durch Trachtpflanzen. Wenn die Sommer durch Klimaveränderung trockener werden, wird Springkraut dezimiert. Konnte ich bereits beobachten. Wichtig: Trachtplanzen im Garten fördern, statt Rasenwüste, Thujenhecke, …!

    1. Stimme ich zu. Wenn man sich die Gärten so anschaut, muss man feststellen, dass vielerorts sogar regelrechte Steinwüsten entstehen, da man wohl dazu neigt, alles mit so wenig Arbeit wie möglich zu verbinden. Dann empfinde ich eine Wiese (keinen sterilen Rasen) mit allerlei Moosen, Gänseblümchen etc. geradezu als Paradies. Mein Hund sieht das übrigens demnach genauso.

    2. wie hast du die Hummelhotels gemacht? Ich habe auch Mahonien, das sind ja Büsche, die nicht wie das Springkraut ausufern können, und sie duften ebenso herrlich, warum denn kontrollieren? man kann sie schneiden, wenn sie zu groß werden…..

  11. Invasive Arten sollte man auf keinen Fall fördern. Wenn möglich, sollte man sie vernichten. Wir sollten dafür sorgen, dass es ein Trachtband heimischer Blütenpflanzen in unserer Landschaft (auch unseren Gärten) gibt.
    – – –
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  12. Überall, wo der Mensch eingreift, kommt nichts Gutes heraus. Der Mensch versteht meistens die Dinge nicht im Zusammenhang, sondern sieht das meiste durch seine begrenzte Brille.
    Auf welchem Wege und zu welchem Zweck sind Springkraut und Mahonie nebst anderen in die miiteleuropaeische Region eingewandert? Das allein waere schon eine Untersuchung wert, wenn man auch nichts daran aendern koennte, denn die Natur ist immer klueger als der Mensch.

  13. Leider gibt es im Spätsommer nicht mehr genügend Nahrungsquellen für Hummeln in Feld und Flur und auch die Gärten verwandeln sich immer mehr in Steinwüsten. So habe ich in diesem Jahr selbst gesehen, dass zu dieser Zeit das Springkraut die einzige Nahrungsquelle für Hummeln weit und breit war. In diesem Fall sollte man die Pflanze keinesfalls bekämpfen. Auf artenreichen Flächen hingegen sollte man gegen das Springkraut vorgehen. Man sollte es also differenziert betrachten. Man sollte sich zudem damit abfinden, dass sich die Pflanze etabliert hat. Ausrotten kann man sie nicht. Die Natur ist durch uns Menschen in einem stetigen Wandel, der sich auch nicht mehr stoppen lässt.

  14. Die Alternative JA oder NEIN ist in diesem Falle höchst fragwürdig, weil viele komplexe Zusammenhänge zu berücksichtigen sind!

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