Studien: Strategien gegen Fressfeinde und Verbrecher

Hummeln und Verbrecher haben etwas gemeinsam: Sie begehen ihre Raubzüge niemals in der Nähe ihres Wohnorts.

Tatsächlich fand vor Jahren eine Studie heraus, dass Hummeln zwar alle möglichen Blüten zum Nektar- und Pollensammeln besuchen. Dieses Verhalten wurde aber sofort eingestellt, wenn sich die gleichen Blüten in der Nähe des Nests befanden. Das war sogar so charakteristisch, dass mit Hilfe einer computergestützen Auswertung der Standort des Nests bestimmt werden konnte:

Bei ihren Untersuchungen im Labor gelang es den Forschern um Nigel Raine, unter Anwendung solcher Modelle allein aus der Verteilung der angeflogenen Zuckerschalen – die im Laborversuch als Blütenersatz dienten – die genaue Lage des Hummelnestes zu bestimmen.
Quelle

Auf diese Weise vermeiden die Hummeln auf das Nest aufmerksam zu machen. Der Eingang zum Nest soll verborgen bleiben, um Feinde nicht erst anzulocken.

Erkenntnisse auf Verbrechersuche übertragen

Verbrechern geht es genauso: Sie begehen ihre Taten zwar in der Umgebung, wo sie sich gut auskennen, nicht aber in der direkten Nachbarschaft, denn dort könnten sie von Anwohnern erkannt werden.
Mit Hilfe der Ergebnisse aus den Versuchen mit Hummeln versuchen Kriminalisten Modelle zu entwickeln, bei denen man auf der Basis von Tatorten (entsprechen bei Hummeln den Zuckerschalen / Blüten) den Wohnort (= Nest) ermitteln kann.

Eine zweite Studie vom 30.4.2014 zeigt ein weiteres erstaunliches Verhalten der Hummeln. Um sich selbst vor Feinden zu schützen und sich nicht in Gefahr zu begeben, beobachten die Tiere Artgenossen und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Egoistische Hummeln: Sollen sich doch die anderen zuerst in Gefahr begeben…

Krabbenspinne mit Ackerhummel
Krabbenspinne mit Ackerhummel

Denn das Problem, was die Hummeln haben, sind Fressfeinde in Blüten: Es führt für die Hummeln natürlich kein Weg an den Blüten vorbei, denn Nektar und Blütenstaub müssen als Nahrung gesammelt werden. Gleichzeitig können in den Blüten aber Spinnen leben, die nur darauf warten, Hummeln zu erbeuten. Solche Krabbenspinnen sind relativ häufig und in der Regel perfekt getarnt.

In Gegenden, wo Krabbenspinnen vorkommen, scheint es also die richtige Strategie zu sein, nicht die erste Hummel an einer solchen Blüte zu sein, denn die würde von der Krabbenspinne direkt gefressen. Sinnvoller ist es, einer anderen Hummel den Vortritt zu lassen und zu schauen, ob diese überlebt.

Das bedeutet, dass eine Blüte gewählt wird, wo eine Artgenossin überlebt hat, auch wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass diese Blüte schon besucht wurde und daher weniger Nektar und Pollen bietet.

Diese Strategie verfolgen die Hummeln tatsächlich: Die Forscher simulierten Blüten, die mit Krabbenspinnen besetzt waren. In solchen Versuchen wählten die Hummeln prompt Blüten , auf denen bereits andere Hummeln saßen, leere Blüten mieden sie. Kamen keine Krabbenspinnen vor, wurden alle Blüten geleichmäßig (zufällig) angeflogen.
Auch so schlägt man „Verbrechern“ ein Schnippchen.

Links & Literatur

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