Hummeln Umwelt-Online-Award in Gold 2002

Hummeln

Projekt: So helfen Sie uns beim Erforschen der Bestäuberkrise

NEU: Das Projekt wurde nun auch auf der offiziellen, deutschlandweiten Citizen Science Plattform „Bürger schaffen Wissen“ aufgenommen.
Beteiligen Sie sich! Gemeinsam finden wir heraus, ob es bereits eine Bestäbungskrise bei Hummeln gibt!

Links für Teilnehmer


Worum geht es?

In Europa hat die Zahl der Bestäuber dramatisch abgenommen, auch Hummeln sind davon betroffen. Unter dem Schlagwort „Bestäuberkrise“ findet man im Internet zahlreiche Artikel dazu. Letztes Jahr beschäftigten sich zum ersten Mal auch die UN mit dem Thema und verabschiedeten einen Bericht zur Lage der Bestäuber.

Das Problem: Für die meisten Arten gibt es gar keine Daten, mit denen ein Rückgang belegt werden könnte – und mit denen der Erfolg von Schutzmaßnahmen untersucht werden könnte.

Daher läuft in 2017 ein Projekt bis in den Spätsommer hinein und Sie sind aufgerufen daran teilzunehmen!

Das wollen wir untersuchen

Kurze Beschreibung unseres Vorhabens


Wachsblume. Foto: Christoph Heidrich

Wir bitten Sie in zwei Blumentöpfen eine ausgesprochene Hummelpflanze (die Wachsblume) auszusäen. Einen Topf stellen Sie bitte innen auf die Fensterbank, einen nach draußen. In einem bestimmten Zeitraum werden die Samen gezählt, die durch die Hummel-Bestäubung entstanden sind. Melden Sie uns diese Zahlen und wir vergleichen Sie mit denen von Leuten, die ein oder mehrere Hummelnester in der Nähe haben und demzufolge ganz sicher keinen Mangel an Hummeln haben.

So gehts

  • Sie benötigen die detallierte Anleitung. Die kann man hier herunterladen: aktion-hummelschutz.de Projekt Bestäubungskrise
  • Registrieren Sie sich für eine Teilnahme. UPDATE: Eine Registrierung ist jetzt nicht mehr möglich. Das Projekt läuft schon. Bitte melden Sie sich am Newsletter an, um über Ergebnisse und zukünftige Projekte informiert zu werden.
  • Sie brauchen Samen der Wachsblume. Die lassen sich für wenig Geld auch über das Internet beziehen, das Suchstichwort ist „Saatgut Cerinthe major„, einige Samen reichen (1g). Sie benötigen auch noch weiteres Material (zwei Blumentöpfe und Blumenerde).
  • Per Email halten wir mit Ihnen Kontakt und helfen beim Experiment. Alle Messwerte werden öffentlich ausgwertet.

Karte der Teilnehmer

Jeder Punkt steht aber für einen bereits registrierten Teilnehmer.

Hier finden Sie ausführlichere Informationen zum Projekt

Wie messen wir die „Bestäubungskrise“?

In zwei Blumentöpfen wächst die Hummelpflanze „Cerinthe major“ (Wachsblume). Sie wird nur von Hummeln besucht. Wir zählen einmal pro Woche in einem Monat, in dem die Wachsblume blüht, die Zahl der Blüten und später die Zahl der Samen. Kommen viele Hummeln vor, gibt es also keine Bestäuberkrise, dürfte praktisch auf eine Blüte auch ein Samen kommen. Gibt es eine Bestäuberkrise, gibt es auch weniger Samen.

Wichtig sind in diesem Zusammenhang zwei Vergleichsgrößen:

  1. Blumentopf innen: Um eine Selbstbestäubung auszuschließen, soll ein Blumentopf nach innen auf die Fensterbank gestellt werden. Hier kommen keine Hummeln vor und es dürften keine Samen entstehen. Sollten Samen entstehen, bestäubt sich die Pflanze selbst (z.B. durch Rütteln beim Vorbeigehen…) und die Ergebnisse sind nicht viel wert. Nach den Tests in 2016 war das aber nicht der Fall, dieser Test soll aber in größerem Maßstab wiederholt werden, wo doch die britische Studie genau an diesem Punkt problematisch war.
  2. Hummelfreunde, die im Garten ein Hummelvolk im Nistkasten haben, geben dies zusätzlich zum Experiment an. Sie haben durch den Staat sicher keinen Bestäubermangel, so dass ihre Ergebnisse als Richtwert (Optimalwert) dienen.

Warum die Wachsblume?

Wir arbeiten mit der Wachsblume, Cerinthe major. Die Wachsblume ist nicht heimisch, hat aber den gleichen Blütenaufbau wie unsere heimischen Beinwell-Pflanzen. Wie diese ist auch die Wachsblume eine ausgesprochene Hummelpflanze und bietet den Hummeln Nektar und Blütenstaub. Wegen der Blütengestalt wurde die Wachsblume in unseren Tests nie von Honigbienen besucht, sondern ausschließlich von Hummeln. Dadurch lassen sich gute Aussagen über unsere Hummeln machen. Weiterhin sind die Samen sehr groß und lassen sich daher leicht zählen. Dies ist beim Beinwell nicht der Fall. Und natürlich ist die Wachsblume auch dekorativ, blüht stark und ist relativ anspruchslos, was die Akzeptanz und den Versuchserfolg bei unseren Hummelfreunden erhöhen soll.

Die Blüte der Wachsblume wird wegen ihrer Form bevorzugt von langrüssligen Arten besucht.

Was ist über den Rückgang der Hummelpopulationen bekannt?

Bei den Hummeln ist es so, dass bestimmte Arten wie die Dunkle Erdhummel sich in den letzten Jahrzehnten sogar verbreiten konnten. Besonders die Zahl langrüssliger Arten, die auf bestimmte Wild- und Kulturpflanzen angepasst sind, nahm aber dramatisch ab. Wurden typische Hummelpflanzen wie Rotklee 1940 noch in 56,7% der Fälle von langrüssligen Hummelarten besucht, wurden 2011 nur noch in 8,4% der Fälle die Blüten von langrüssligen Arten bestäubt worden (der Rest beispielsweise von Arten wie der Dunklen Erdhummel).

Detaillierte Versuchbeschreibung: Was soll ich konkret machen?

Die Details entnehmen Sie bitte der Anleitung, die Sie hier herunterladen können: aktion-hummelschutz.de Projekt Bestäubungskrise

Eigene Kritik an unserer eigenen Studie

Natürlich mussten wir Kompromisse eingehen. Wir können mit unserer Untersuchung leider kaum Aussagen über die Situation außerhalb unserer Gärten machen, weil wir dazu aufrufen, die Blumentöpfe im Garten, auf der Terasse oder dem Balkon aufzustellen – und nicht in der Natur. Nur dadurch können wir aber auf eine größere Zahl an Teilnehmern hoffen. Andere Studien zeigten übrigens, dass die Lage in Gärten besser als in der Natur ist.

Daneben konzentrieren wir uns auch nur auf Hummeln und nicht auf andere Bestäuber, weil hier andere Studien bereits Ergebnisse gezeigt haben.

Da wir von unseren Teilnehmern nicht erwarten, neben der Pflanze zu sitzen und zu beobachten, können wir keine Rückschlüsse auf die bestäubenden Arten ziehen, erfahren aber in der Summe ein Bild über die Bestäubungsleistung von Hummeln.

Wir sind uns über die Probleme im Klaren, aber möchten auch auf die Wissenschaftler aus England verweisen. So ähnlich hatten nämlich D. Goulson und sein Team das auch in England gemacht, sie akzeptierten also, dass die Versuche auch Fragen offen lassen würden.

Übrigens: Ihre Ergebnisse waren leider nicht gut zu nutzen. Zum Einen nahm die Zahl der Teilnehmer trotz umfangreicher Kontaktaufnahmen (Hotline, Video usw.) im Jahresverlauf stark ab, zum anderen trat ein Fehler in der Durchführung auf: Die verwendete Hummelpflanze, eine Bohnenart, bestäubt sich gerne auch selbst: Ein Windstoß reicht dafür. Dann sind rückschlüsse auf die Bestäubung durch Hummeln natürlich kaum möglich.

Unsere Wachsblume hat sich aber bei unseren eigenen Tests in 2016 nicht selbst bestäubt.

Die britischen Teilnehmer erhielten übrigens alle Materialien kostenfrei per Post geliefert. Das hat den Vorteil, dass alle das gleiche Material einsetzen. Leider existiert aber für unsere Studie ein Budget, so dass wir Sie bitten, die geringen Kosten selber zu tragen.


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Autor: Cornel van Bebber | Datum: 4. März 2017 - 11:38 Uhr | Update: 3. Juni 2017 - 08:51 Uhr | Kategorie: Hummelschutz | Schlüsselwörter: , , , , | Kommentare: 30

Autor: Cornel van Bebber
Autor und Administrator dieser Seiten seit 1998. Rheinländer, Studium Chemie und Biologie. Entdeckte die Hummeln durch das Hummelbuch von v. Hagen. Mehr zur Entstehungsgeschichte dieser Seite. Google+: Cornel van Bebber
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30 Kommentare

  1. Helga Oberley | | Link zum Kommentar

    Ich beteilige mich gern, muss aber sagen, dass ich selbst eine Hummelpension im Garten habe. Falls in der nächsten Zeit eine Königin einzieht, habe ich ganz sicher nicht zu wenig Hummeln. Kann aber auch sein, das die Pension verschmäht wird. Dann kann ich wenigstens so einen Beitrag leisten.
    Ich bin gerne dabei.
    Gruß aus dem Kreis Soest
    Helga Oberley

    Antworten
     
  2. Konrad Ständer | | Link zum Kommentar

    es wird höchste Zeit den Hummeln zu helfen ,ich werde alles dafür tun

    Antworten
     
  3. Susanne | | Link zum Kommentar

    Hallo Herr van Bebber,

    vielen Dank für diese Infos!
    Auch bin eine Wildbienen- und Hummelfreundin und werde am Projekt teilnehmen.

    Ich habe aber noch ein paar Fragen:

    – könnten Sie ggf. einen Link zum Projekt der Engländer in diesen Text einfügen?
    – wer ist „wir“, d.h. wer steht hinter dem deutschen Projekt?
    – ab wann genau findet der Start des Projekt statt?
    – warum soll es eigentlich eine Vergleichspflanze geben, die im Gebäude steht? Diese Pflanze unterliegt doch anderen Bedingungen und kann schon allein deshalb mehr / weniger Blüten ansetzen als die Pflanze außerhalb? …und Samen wird sie ja doch auch nicht produzieren, weil sie nicht bestäubt werden kann…?

    Vielen Dank und schöne Grüße,
    Susanne

    Antworten
     
    • Cornel van Bebber | | Link zum Kommentar

      Hallo Susanne,
      toll, dass du mitmachen möchtest. Gerne beantworte ich dir deine Fragen:

      – könnten Sie ggf. einen Link zum Projekt der Engländer in diesen Text einfügen?

      Klar, Sie finden meinen Artikel und die wissenschaftliche Literatur hier: https://aktion-hummelschutz.de/buerger-als-forscher-kein-bestaeubermangel-in-england/

      – wer ist „wir“, d.h. wer steht hinter dem deutschen Projekt?

      Die kurze Antwort: In erster Linie ich, aber sehr viel Unterstützung bekam ich von Christoph H. aus Berlin. Er hat letztlich mit mir dieses Projekt auf die Beine gestellt.
      Die lange Antwort: Schon im letzten Jahr hatte ich im Newsletter von meiner Projektidee erzählt. Es ging vorallem um die Frage, welche Hummelpflanze wir nutzen können. Sie sollte nicht von Bienen genutzt werden, um nur Ergebnisse für Hummeln zu erzielen, einjährig sein, um direkte Ergebnisse zu erhalten, einfach zu züchten (wegen des „grünen Daumens“), hübsch sein (Motivation zur Teilnahme) und große, gut zählbare Samen und Blüten hervorbringen (gute Messergebnisse). Eigentlich sollte sie auch heimisch sein, das klappt nun mit der Wachsblume nicht.
      Jedenfalls hatten sich zahlreiche Hummelfreunde auf den Newsletter gemeldet (siehe auch Kommentare unter o.g. Artikel). Einige säten Pflanzen aus und testeten diese, ob sie sich für das Experiment eignen würden. Lediglich eine Pflanze, nämlich die Wachsblume von Christoph aus Berlin, blieb am Schluss übrig. Da er also sehr wichtig für den Start des Projekts war, habe ich „wir“ geschrieben. Die weitere Projektgestaltung liegt aber bei mir (kein Verein, rein privat).

      – ab wann genau findet der Start des Projekt statt?

      Ich melde mich in Kürze bei allen Teilnehmern mit der Bitte das Saatgut zu besorgen. Anfang April wird dann ausgesät.

      – warum soll es eigentlich eine Vergleichspflanze geben, die im Gebäude steht? Diese Pflanze unterliegt doch anderen Bedingungen und kann schon allein deshalb mehr / weniger Blüten ansetzen als die Pflanze außerhalb? …und Samen wird sie ja doch auch nicht produzieren, weil sie nicht bestäubt werden kann…?

      Diesen Teil habe ich wirklich nicht gut erklärt. Da in der britischen Studie der Fehler bei der Selbstbestäubung der Pflanze lag, dient der Blumentopf im Inneren als Nachweis, dass die Wachsblume sich nicht selbst bestäubt. Im Idealfall blüht sie, bringt aber keine Samen. So können wir Selbstbestäubung ausschließen.

      Weitere Fragen? :-)

      Antworten
       
      • Susanne | | Link zum Kommentar

        …ja, herzlichen Dank für die ausführliche Erklärung! :-)
        Ich mache gerne mit!
        Bis bald und viele Grüße!

        Antworten
         
  4. Ina N. | | Link zum Kommentar

    Da bin ich gern dabei. Denn Hummeln sind einfach tolle Tiere und wir haben in unserer Gartenwildnis viele verschiedene Arten.

    Antworten
     
  5. Sieglinde | | Link zum Kommentar

    Ich habe einen Balkon im dritten Stock und mich immer gefreut, wenn 2016 die Baumhummel (von vorn nach hinten braun-schwarz-weiss )kurzer Rüssel, meine Blumen u.a.die Petunien besucht hat.Ich freue mich über dieses Projekt und nehme gerne daran teil.Die Samen habe ich bereits bestellt bei http://www.samen-seeds.de
    Es wäre von Vorteil, wenn jeder Teilnehmer der Studie noch versucht,seine Freunde zur Teilnahme zu überzeugen, wie ich es auch tue.
    Also dann wünsche ich uns viel Erfolg.

    Antworten
     
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