Was passiert, wenn man eine Hummelart entfernt?

Was passiert, wenn man eine Hummelart entfernt?

Samen des Rittersporns, einer typischen Hummelpflanze. 32% weniger Samen wurden produziert, wenn eine einzige Hummelart fehlte.

153 Milliarden Euro sind die Bestäuberdienste unserer Insekten weltweit und pro Jahr wert. Komplizierte Formeln und mathematische Modelle sind die Grundlage solcher Zahlen.

Andere Forscher entwickelten Modelle, mit denen sie nicht die ökonomischen, sondern die ökologischen Folgen abschätzen wollten. Interessant war, dass derartige Modelle zu dem Schluss kamen, dass der Verlust eines Bestäubers nicht automatisch negativ sein muss. Letztlich würde ein Konkurrent um Nektar und Blütenstaub (Pollen) wegfallen, andere Arten hätten es also leichter, die Blüten zu bestäuben.

Das Ziel der Studie

Amerikanische Forscher haben nun auf alpinen Wiesen in den Rocky Mountains diese Modelle in der Praxis getestet. Sie konzentrierten sich auf die Untersuchung der sogenannten Blütenstetigkeit. Dies bedeutet, dass ein Tier nur Blüten einer einzigen Art besucht und Blüten anderer Arten links liegen lässt. Dies ist vorteilhaft für beide Lebewesen: Die Pflanzen erhalten so nur Blütenstaub der selben Art, was zur gehäuften Befruchtung und Vermehrung führt. Auch für die Hummeln ist das blütenstete Verhalten von Vorteil, denn die Ausbeutung einer Blüte ist eigentlich schwer. Sie müssen für jede Blütenform daher erst das richtige Sammelverhalten zur effektiven Ausbeutung der Blüte erlernen. Dies lohnt sich, wenn das einmal erlernte Verhalten immer wieder an Blüten der selben Art genutzt wird, der Sammelertrag steigt folglich an. Dies wäre nicht der Fall, wenn immer wieder neue Blüten (-formen) besucht würden.

Mit dieser Methode wollten die Forscher abschätzen, was es für Auswirkungen auf die Pflanzen hat, wenn ein Bestäuber fehlt.

Die Methode

Sie steckten mehrere 20 Meter x 20 Meter große Untersuchungsflächen ab, die untereinander aber mindestens einen Kilometer entfernt waren. In den Sommern 2010 und 2011 beobachteten sie, dass dort elf Hummelarten vorkamen. Im Experiment fingen sie jeweils eine Hummelart mit Netzen ein, die anderen konnten weiterhin ungehindert die Blüten besuchen. Dies wiederholten sie mit insgesamt sechs der elf Arten auf 20 Versuchsflächen.

Waren alle Hummeln der „Ziel-Art“ entfernt, mussten die Forscher genau beobachten.
1. Welche Pflanzen besuchten die Hummeln? Blieben sie blütenstet?
2. Daneben ermittelten sie mit dem Mikroskop, wie viel Pollen der gleichen Art die Hummeln transportierten.
3. Wie viel Pollen der passenden Art blieb auf der Narbe der Blüte liegen?
4. Wie viele Samen wurden letztlich produziert?

Die untersuchte Pflanze war der Rittersporn, eine typische Hummel-Trachtpflanze.

Die Ergebnisse

Tatsächlich stieg die Anzahl der einzelnen Hummeln auf einer Fläche an, wenn die Biologen eine Hummel-Art entfernten (auf sieben von 20 Versuchsflächen). Die anderen Arten hatten also tatsächlich einen Konkurrenten weniger.

Aber auch für sie lohnte sich das nicht. Die Blütenstetigkeit sank ab. In 78% der Fälle sind die Hummeln blütenstet, doch nach der Entfernung einer Art waren es nur noch 66%. Natürlich war der Blütenstaub, den sie transportierten, dann auch nicht mehr „sortenrein“: 18% mehr gemischter Pollen waren das Resultat.

Beinahe zwei von drei Pollenkörnern, die auf einer Narbe der Rittersporn-Blüte kleben blieben, waren im Normalfall von der gleichen Art, also von anderen Rittersporn-Pflanzen. Fehlte eine Hummel-Art, war nur noch etwa jedes zweite Pollenkorn vom Rittersporn (56%), die übrigen Pollen waren nutzlos und kamen von anderen Pflanzen.

Schlussendlich führte das zu einer deutlichen Reduktion der Vermehrungsfähigkeit: Die Rittersporn-Pflanzen produzierten pro Blüte in dem Gebiet, in denen eine einzige Hummel-Art fehlte, 32% weniger Samen.

Fazit

Die Forscher schließen daraus, dass der Verlust einzelner Arten dramatische, ökologische Auswirkungen hat. Diese können auch nicht dadurch ausgeglichen werden, dass andere, verbleibende Arten häufiger vorkommen. Für die Reproduktionsfähigkeit ist offenbar der Artenreichtum der Bestäuber wichtig.

Literatur

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